LADYBIRD, LADYBIRD
Regisseur: Ken Loach
UK 1994

- Denkt doch an die Kinder -

Ein Film über einen überdimensionalen Behauptungswillen einer sozial Abgehängten, deren Kinder vom Sozialamt immer wieder einkassiert werden. Bis zum letzten Akt lässt Ken Loach keine Nähe zwischen den Protagonisten und seiner dezidiert linken Weltanschauung zu, doch als die Mitarbeiter vom Amt quasi direkt nach der Geburt der Frau ihr Kind entreißen, entlarvt er den Staatsapparat als hanebüchenes, gefühlskaltes Monster. Der Regisseur dokumentiert und orchestriert gleichzeitig, er wahrt zwar bis auf die beschriebene Ausnahme die Distanz, enthebt das Emotionale jedoch nie von seiner Position. Sein Sozialdrama beginnt mit dem Kennenlernen von Maggie und dem Südamerikaner Jorge, die sich in einer Karaokebar begegnen und ins Gespräch kommen. Weil sie ihm vertraut, kommt Maggie schnell sogar auf ihre Vergangenheit zu sprechen, die von physischer Gewalt geprägt ist, welche sie entweder beobachtete oder selbst erlebte. Des Weiteren zeigen Rückblenden ihre vergebliche Verteidigung des Sorgerechts und die Gründe, die dazu führten, dass ihre vier Kinder vom Amt weggenommen wurden. Maggie verliebt sich schließlich in Jorge und ist bereit für einen Reset. Doch den Traum von einer Familie bringt der Staat immer wieder zum Platzen, indem er aus Angst um das Wohl der Kinder interveniert und ihr die Babys aufgrund des Lebenslaufs einsackt. LADYBIRD, LADYBIRD macht auf ein Missverhältnis zwischen Individuum und Staat aufmerksam. Das individuelle Erleben von Hoffnung, Zuversicht und Glück gegen eine Negation des Individuums, speziell seiner Kraft, Kontinuitätslinien zu durchbrechen. Aber Maggie ist keine, die sich von der Macht der Imbalance zusammenknüllen und einschüchtern lässt, weswegen wir sie nach der Wegnahme eines Kindes ein paar Bilder später schon wieder schwanger sehen. Es wird Zuschauer geben, die sich beim Gebärtempo an Versendungsschrott wie Mitten im Leben erinnert fühlen werden, dabei soll diese Form der gestrafften Erzählung nur den Kampfgeist und ihre Hartnäckigkeit bekräftigen, wenn es ums Wollen eines würdevollen Lebens geht. Maggie taugt möglicherweise sehr selten als Sympathieträgerin, doch weder ihre oft schroffe Art sowie das aufbrausende Temperament, noch ihre sicherlich mangelnde Intelligenz und schon gar nicht ihr sozialer Status rechtfertigen die demütigende Entrechtung.

KKKK 90

KultKanonKlassikerKritikerliebling 

In der Reihe KKKK 90 befasse ich mich mit in den 90ern erschienenen us-amerikanischen Produktionen, die Rang und Namen haben. Einige habe ich schon seit 15 Jahren nicht mehr gesehen, manche noch gar nicht. Und dann gibt es ja auch noch die, die man am liebsten eigentlich gar nicht sehen möchte. Diese Neunziger sollen ein komisches Jahrzehnt sein und, glaubt man der Masse der Cineasten, sogar angeblich das schlechteste, nicht zuletzt aufgrund der Ideenlosigkeit des US-Kinos, den schlecht gealterten Effekten, den pseudoschlauen Augenzwinkereien etc.
 

CLERKS
(Clerks - Die Ladenhüter)
Kevin Smith, 1994

An seinem freien Tag wird Dante Hicks beordert, für einen kranken Kollegen die Stellung in einem kleinen Mischwarengeschäft zu halten. Sein Arbeitstag wird sich am Ende als gar nicht mal unspannend erweisen. Er theoretisiert etwa mit seinem besten Kumpel Randal ausgiebig RETURN OF THE JEDI, spielt Hockey auf dem Dach, schaut einem Kunden beim Aussuchen der richtigen Eier zu oder findet heraus, dass seine Freundin 37 Schwänze im Mund hatte. CLERKS wird nachgesagt, als Auffangbecken für die emotionalen Zustände und Verwirrungen einer Generation weißer Jungerwachsener zu stehen. Dabei dockt er verschiedene Subkulturen und Strömungen an, denen er nicht bloß nur kurz zulächeln will. Im Gegensatz zu reinen Kommerzprodukten, die am liebsten alle Zuschauergruppen unter ein Dach bringen würden, ist die Haltung des Regisseurs Kevin Smith von blanker Authentizität gezeichnet. Die Twentysomethings, die Stoner- bzw. Slacker, die Nerds und alle, denen die aalglatten Studioproduktionen damals auf den Sack gingen, fanden in Smiths Erstling eine Erlösung. Ästhetisch fällt der in Schwarz-Weiß gedrehte Film allerdings kaum auf, seine größten Inszenierungsposen erschöpfen sich dann auch in gelegentlichen Schwenks und einer Sequenz im Cartoonlook. Die emotionalen Zugangspunkte sind deshalb mehr in den Dialogen und Situationen zu finden, wobei man dem Schein des Realismus nicht auf den Leim gehen sollte. Denn ähnlich wie ein David Mamet legt Smith den Schauspielern gerne Sätze so in den Mund, wie sie im normalen Alltag kaum ein Mensch gebrauchen würde. Gestelztes und Realistisches finden zu einer Einheit zusammen, die durchaus in einer Linie mit anderen Werken des amerikanischen independent cinema jener Zeit steht. Selbst wenn Leute also, die sich heute in ihren zarten Zwanzigern befinden, verblüfft oder verarscht fühlend fragen, was dieser Film mit ihnen zu tun hätte - CLERKS  kann sich immerhin auf die Fahne schreiben, das alternative Kino der Neunziger ein Stück weit mitgeprägt zu haben. Mich spricht er auch nicht mehr an, aber ich akzeptiere seine Meriten.


EVENT HORIZON
(Event Horizon - Am Rande des Universums)
Paul W. S. Anderson, 1997

Ein Raumschiff wird im Jahr 2047 zu einer Rettungsmission geschickt, um sich die sieben Jahre lang verschollene und plötzlich wieder aufgetauchte Event Horizon näher anzuschauen. Dieses Raumschiff verfügte über die Technik, ein schwarzes Loch herzustellen, um astronomische Distanzen in kürzerer Zeit zurücklegen zu können. Irgendwas muss damals anscheinend schief gegangen sein. Als das Rettungsteam dort ankommt, findet es Anzeichen eines Massenmords. Das bleibt jedoch das geringste Übel, denn was schwerer wiegt, ist die Tatsache, dass das Raumschiff in der Lage ist, mit der Psyche eines jeden Crewmitglieds zu spielen und es für seine Zwecke zu manipulieren. Im späteren Verlauf bietet es sich sogar an, das Schiff als Transportmittel in die Hölle zu interpretieren. Die Bilder, die Regisseur Paul W. S. Anderson einem dafür anbietet, scheinen da deutlich an HELLRAISER angelehnt zu sein. EVENT HORIZON formuliert überdies eine Fortschrittskritik, die gar nicht so abwegig ist. Wenn der Mensch bereit ist, jeden Winkel des Universums abzumessen, um seinen Erkundungsgeist zu befriedigen, muss er nicht möglicherweise damit rechnen, irgendwann auf die Hölle zu stoßen? Den Begriff Hölle muss man dabei selbstredend nicht wörtlich nehmen. Im Kontext des Films reicht schon die Befühlung psychischer Zustände der Protagonisten, die von Visionen terrorisiert werden. Diese ernähren sich von Geheimnissen, Schuldgefühlen und Ängsten der Crewmitglieder, welche nicht stark genug sind, um sich nicht von den Erscheinungen manipulieren zu lassen. Einer von ihnen möchte sich sogar ohne Anzug in den Weltraum schießen lassen, so besessen und verzweifelt ist er. Thematisch guckte man viel von Filmen wie ALIEN, THE SHINING sowie SOLARIS ab und band diese Inspirationen in eine zum Teil drastische und stringente Ästhetik ein. Das Schiffsinnere der Event Horizon verbindet dabei wunderbare Ausstattung mit einem sinisteren Look, der ihrer auratischen Bösartigkeit visuell in die Hände spielt. Wenn man EVENT HORIZON als creepy bezeichnet, darf man nicht vergessen, dass er dabei auch wunderbar campy ist. Schon früh sahen Kritiker in dem an der Kasse gefloppten Sci-Fi-Horror einen Hochglanztrash, der sympathisch an seiner eigenen Ernsthaftigkeit scheitert. Wer weiß schon, was man für einen Film sehen würde, wenn das Studio ihn nicht um mindestens eine halbe Stunde kürzen ließe und die Rohaufnahmen nicht verschwunden wären. Der Mär, dass dadurch die Zeichnung einzelner Figuren, speziell der Charakter des überforderten Sam Neill, in einer Langfassung gelungen wäre, schenke ich keinen Glauben. Außerdem: Ich mag ihn so, wie er ist.

  • 1998
  • Squaresoft
  • gespielt auf: PlayStation

Nachdem sich die japanische RPG-Variante mit dem Release von FINAL FANTASY VII endgültig auch im Westen durchgesetzt hat, schob Squaresoft nicht etwa ein weiteres reinrassiges Rollenspiel hinterher, sondern schenkte einem Spiel Vertrauen, welches Experimentierlust zur Schau stellte. So kombinierte man in PARASITE EVE gewohnte RPG-Elemente mit der Visualität und einigen Mechaniken eines üblichen Action-Adventures jener Zeit. Aufgrund des Horrorthemas wurde natürlich schnell die Nähe zu der RESIDENT EVIL-Reihe hergestellt, obschon es eigentlich kaum sonstige Verknüpfungspunkte gibt, weshalb sich der Vergleich nur mäßig anbietet.

Die Story wird in sechs Akten erzählt, wobei jeder Akt einen Tag darstellt. Selbst für heutige Verhältnisse ist die auf einem Roman von Hideaki Sena basierende Handlung (teilweise soll das Spiel eine Art Sequel bilden) äußerst ambitioniert und wird glücklicherweise in ziemlich sinnvollen sowie einprägsamen Kapiteln erzählt. Was zunächst als rätselhafter Vorgang beginnt, entpuppt sich als glaubwürdiges Szenario einer umfassenden Veränderung der Welt und der Menschen wie wir sie kennen. Es geht dabei nicht weniger als um Evolution, Manipulation der DNA und die Kraft von Mitochondrien. Unsere Hauptfigur ist Aya Brea, eine Polizistin, die mit ihrem Date in eine Oper geht. Zu einer gewöhnlichen Abendveranstaltung kommt es jedoch nicht, da eine der Sängerinnen plötzlich Zuschauer in Flammen aufgehen lässt. Sie nennt sich fortan Eve und ist, wie man später herausfinden wird, eine evolutionär höher entwickelte Spezies. Ein Teil der Spiellust ergibt sich deshalb natürlich aus dem Verlauf des Plots, der manchesmal von FMV-Sequenzen begleitet wird, deren Sensationsfaktor sich heute nicht mehr nachvollziehen lässt. Trotzdem holte man schon einiges aus der 32-Bit-Maschine raus und streute zum Teil sehr opulente und knackige kinematografische Kurzclips in eine Geschichte ein, die ansonsten eingebettet in eine normale Gamegrafik und mittels unvertonter Dialoge erzählt wird.


Die grafisch-ästhetische Dimension hält mit der narrativen jedoch nicht stand. Die vorberechneten Hintergründe haben eine eindimensionale Wirkung und fallen häufig leider monochromatisch aus. Außerdem verwendet das Spiel oftmals die Supertotale, was befremdlich und unzeitgemäß wirkt (im Vergleich zu ähnlichen Spielen aus der Zeit). Dass dadurch die Atmosphäre dennoch nicht flöten geht, ist zu einem nicht unerheblichen Teil Yoko Shimomura zu verdanken, die einen erstklassigen Soundtrack komponiert hat, bei dem sie sich zwar auf klassische, elektronische und opernhafte Einflüsse beruft, aber doch wieder etwas komplette Eigenes erschafft. Es war sogar ihr Durchbruch, später komponierte sie unter anderem Stücke für das erfolgreiche KINGDOM HEARTS (2002) und das oft unter dem Radar laufende RADIANT HISTORIA (2010). Der größte selling point bei PARASITE EVE bleibt aber auch nach über 20 Jahren das Gameplay, welches das oft starre japanische Verständnis von einem Rollenspiel aufzubrechen wagte, um die Elemente in ein Action-Adventure zu übernehmen. Freilich sind auch hier die Gegner nicht sichtbar, sodass man zufällig nach irgendwelchen algorhithmischen Kriterien in einem Kampfmodus wechselt, doch im Gefecht selbst kann der Spieler sich frei bewegen und auf diese Weise probieren, den Attacken der Widersacher auszuweichen oder eine gute Position einzunehmen, um selbst eine Offensive zu starten. Taktisches Vermögen verlangten die Entwickler trotzdem ab und implementierten eine Active Time Bar, mit dem Ergebnis, dass der Spieler sich genau überlegen muss, welche Aktion ihn am meisten weiter bringt. Weitere Charakteristika eines Rollenspiels sind das Aufleveln des Charakters durch gewonnene Kämpfe, die Fähigkeit von Magie und eine solide Auswahl aus verschiedenen Waffen und Rüstungen (hier: Schutzwesten, Panzerwesten etc.). PARASITE EVE war schlussendlich ein innovatives Action- und Horror-RPG, das die Spielegewohnheiten unterlief und Genregrenzmarkierungen herausforderte. Die heutige Gamingindustrie strotzt heute zwar vor lauter rollenspielisierter Konzepte, damals bildete Squaresofts Perle eine Ausnahme. Eine PAL-Konvertierung des Spiels blieb aus, weshalb es mit der Popularität in Deutschland und im restlichen Europa nicht weit her ist.


SHE GODS OF SHARK REEF
Regisseur: Roger Corman
USA 1958

- Haigötter auf Hawaii -

Zwei kriminelle Brüder erleiden Schiffbruch und werden von einer Schar junger Hawaiianerinnen aus dem Meer gefischt und auf deren Insel gebracht. Diese wird ausschließlich von Frauen bevölkert, die von kostbaren Perlen und dem Rest der Natur zu leben scheinen. Doch der zunächst paradiesische Schein der Insel trügt, denn die Matriarchin Queen Pua möchte die beiden Männer am liebsten so schnell wie möglich loswerden. Zu allem Überfluss ist sie auch noch streng abergläubisch und schmeißt schon mal Jungfrauen aus ihrer Reihe ins Meer, damit die Haigötter nicht vergessen, für das Wohlergehen auf der Insel zu sorgen.Wer aufgrund des Plots knapp angezogene Frauen erwartet, wird nicht schlecht staunen. SHE GODS OF SHARK REEF macht sich nämlich überhaupt keine Mühe, den heterosexuellen männlichen Blick abzukassieren, lässt dafür jedoch, als würde man der Exploitation-Logik nicht schon genug widersprechen, fettfreie Männeroberkörper unaufhaltsam von der Sonne bescheinen lassen. Die Frauen dagegen haben die ganze Zeit zwar immerhin sommerliche Kleider an, doch selbst für Ausflüge ins Wasser werden diese nicht gegen Bikinis eingetauscht. Gedreht hat Corman den Film auf der ältesten hawaiianischen Insel Kaua'i, die eine prächtige malerische Kulisse für eine Geschichte über zwei moralisch ungleiche Brüder bildet. Während sich der eine in eine Inselbewohnerin verliebt und mit seinem Schwarm so schnell wie möglich von der Insel fliehen möchte, kann der andere nicht über seinen verbrecherischen Schatten springen und entwendet vor ihrem Verschwinden die Perlen der Bewohner. Letzterer legitimiert seine kriminelle Tat mit der zeitlichen Perspektive, wenn er fragt, was sie ohne Geld machen sollen, wenn ihnen die Flucht gelänge. Eine zufriedenstellende Antwort wird er nicht hören. So unsympathisch der bösere Bruder auch gezeichnet sein mag, der doppelzüngigen und bekloppt-psychopathischen Matriarchin Pua, die an irgendwelche Kackgötter im Wasser glaubt und dafür Frauen opfert, gönne ich jedenfalls keine einzige Perle. Am Ende fällt der gesetzesuntreuere Bruder ins Wasser, wo er von einem Hai gefressen wird. SHE GODS OF SHARK REEF betet moralische Schlichtheit runter, wenn eigentlich eine komplexere Konsequenz aus der dargestellten moralischen Ambivalenz angebracht worden wäre. Schauenswert ist dieser absurde Schinken, dessen Budget zweistellig sein könnte, aufgrund der optimalen Straffung Cormans, der keine Sequenz in die Länge zieht und wahrscheinlich nie etwas dagegen hatte, wenn wieder ein Teil des Films endlich im Kasten war. Nur die dichten, fast stummen fünf Anfangsminuten fallen da aus dem gewohnten Bild.
THE COUNTRY BEARS 
(Die Country Bears - Hier tobt der Bär)
Regisseur: Peter Hastings
USA 2002

Der Themenpark Country Bears Jamboree war das letzte Attraktionsprojekt, an dem Walt Disney vor seinem Tod noch beteiligt war. Die sehr beliebte Attraktion gibt es unter anderem in Disneyland zu bestaunen und ihre Hauptfiguren sind Bären, die in Form von Animatronics lustige Späße machen, besonders jedoch gern Countrymusik spielen. Auf diesem Besuchermagnet baut der vorliegende Film dann auch auf, wenngleich er sich nur lose von einigen Figuren der Bärenshow inspirieren ließ. Möglicherweise haben Beliebtheit und Rezeption der Show erst überhaupt dazu geführt, dass dieser Film gedreht werden konnte, denn eigentlich hätte jeder kommerzielle Menschenverstand das Box-Office-Versagen voraussagen können. Falls es missmutige Gemüter gab, pfiff Walt Disney jedenfalls darauf und öffnete für eine Musicalkomödie, welche von einer Countryband handelt, die aus Bären besteht, Anfang der 2000er doch tatsächlich das Portemonnaie. Heute scheinen nur noch die wenigsten von dieser Anomalie etwas zu wissen, von der man entweder wirklich noch nie etwas gehört oder sie komplett von der Erinnerungsplatte entfernt hat. THE COUNTRY BEARS gedanklich als Produkt geistiger Umnachtung einzurahmen ist nicht verkehrt, verkennt aber dessen Qualitäten, die über den Film als Ziel für Spott, Häme und Belustigung hinausgehen.

Doch man sollte sich nichts vormachen, denn selbstverständlich ist die Umsetzung und besonders der Plot in höchstem Maße päng tüdeletü. Der junge Bär Beary Barrington wurde von einer menschlichen Familie großgezogen, in deren Umgebung er sich jedoch von einem Tag auf den nächsten nicht mehr wohlzufühlen beginnt, weil ihm sein Anderssein auffällt. Von der Wahrheit fast verstört, zieht er davon, um die Country Bears aufzusuchen, eine mittlerweile nicht mehr aktive Band, die in seiner Wahrnehmung jedoch immer noch der heißeste Scheiß ist. Konsterniert stellt er fest, dass die alte Konzerthalle der Bears nicht mehr genutzt wird und in Kürze droht, dem Erdboden gleichgemacht zu werden, da ein fieser Banker es auf das Stück Land abgesehen hat. Nur noch die Beschaffung von 20. 000 Dollar würde die Beseitigung der Halle verhindern. Beary Barrington hat aber eine Idee: Er möchte die Bandmitglieder wieder vereinigen, um ein Benefizkonzert zu geben.

Der größte Überraschungsmoment setzt vielleicht nach dem Sehen des Films ein, wenn man zunächst ungläubig konstatieren muss, dass die Musicalkomödie wie im Flug vorbeigeht, zu keiner Sekunde einen Anstrengungsakt darstellt. Das beinahe perfekte Pacing und eine Menge locker hingeworfener Szenen, die an einen kurzweiligen surrealen Trip in die Abgründe der kreativen Köpfe denken lassen, die hinter dem Projekt standen, sorgen für den nötigen emotional-psychischen Draht zwischen Zuschauer und Film. Mitbringen sollte man dafür jedoch ein verhunztes Faible für groteske Zwischentöne, irritierende Interaktionen und Scheiterndes. THE COUNTRY BEARS ist eben ein ökonomisches Dead-On-Arrival-Projekt und man bekommt das Gefühl nicht aus seinem Bauch heraus, dass den Machern dieser Umstand schon irgendwie bewusst war. Trotzdem kredenzte man mit Hingabe sympathische animatronische Figuren, ließ diese über sich hinauswachsen und ein paar schmissige Countrynummern schmettern, bis auch der böse Banker rafft, dass die Bären ihn in die Tasche gesteckt haben. Der Film schielt nicht nur auf Kinderherzen, er meint sie auch. Kein kurz angebundener Erwachsenenhumor stellt sich da in die Ecke, um jemandem eine Legitimation zu verschaffen. Einzig zwei trottelige Cops leisten sich hin und wieder Gags, deren Rhythmus und Ton in den wenigsten Kindern etwas triggern wird.

Das Sujet weckt leichte Erinnerungen an Spielbergs A.I. – KÜNSTLICHE INTELLIGENZ, während einige Szenen Werke wie SPICE WORLD oder ALMOST FAMOUS reminiszieren. Besetzt ist der Live-Action-Cast unter anderem mit Daryl Mitchell, Diedrich Bader und keinem geringeren als Christopher Walken. Er darf den hinterlistigen Banker Reed Thimple mimen, der eigentlich nur Gerechtigkeit einfordert, da er anno dazumal bei einem Musikwettbewerb als Achselmusikspieler gegen die Countrybären eine Schlappe erlitt. Sein Hass und seine Abscheu sind dabei sogar so groß, dass er mehrere Modellbauten der Country Bear Hall herstellen lässt, die er genüsslich mit einem fetten Amboss zerstört, während er in Unterwäsche an seinem Schreibtisch sitzt und seine Zerstörungsfantasien sarkastisch kommentiert. Walken wusste, dass er in einem solchen Film, dazu noch in einer Nebenrolle, nicht mit der Performance seines Lebens glänzen konnte, aber er wollte es dennoch mal probieren.

IN DEN GÄNGEN
Regisseur: Thomas Stuber
Deutschland 2018

- Auf dem Gabelstapler, auf der Laderampe, in den Gängen -

Irgendwo in der ostdeutschen Provinz steht ein Großmarkt, dessen Gänge symmetrisch angeordnet sind. Vor langer Zeit mal wurden die Abstände vermessen, um einer geometrischen Konsistenz Rechnung zu tragen. Jetzt kommen Kunden zum Einkaufen und Angestellte zum Arbeiten. Zur letzten Sorte gehören Christian, Marion und der etwas ältere Bruno, die keine Versager im klassischen Sinne sind, aber die sich dennoch vom Leben deutlich mehr versprochen haben. Wir sehen größtenteils ihren Alltag und speziell ihre Interaktionen im Markt, der uns einerseits als Parallelkosmos und dann natürlich noch als Ersatzheimat dieser sozialen Außenseiter gezeigt wird. Flaschen einsortieren; Paletten mit dem Hubwagen fassen; ein Blick in den anderen Gang werfen; am Kaffeeautomaten Kaffee besorgen; noch haltbare Lebensmittel in die Tonne werfen, weggeworfenen Lebensmittel wieder aus der Tonne holen (wenn niemand schaut). Irgendwann die Gabelstaplerprüfung, deren Finale mit Augen betrachtet wird, als würden sie Zeuge eines spannenden Agententhrillers sein. Doch die Realität von Frischling Christian, der unseren Bezugspunkt darstellt und über dessen Wirkraum wir alle restlichen Personen kennenlernen, könnte konträrer zu einem Thriller nicht sein. Früher hat er noch Einbrüche verübt, jetzt gedeiht er in der Welt der Ordnung und ist ein Teil der Großmarkt-Oper, die mit Symmetrien sympathisiert und in steriles Licht getaucht ist. Eine strenge Komposition weist hier jedem Mitarbeiter feste Gänge sowie Routinen zu und macht vor der Teilung zwischen Männer- und Frauenarbeit keinen Halt. Glücklicherweise arbeitet Marion, in die sich Christian gleich verguckt, einen Gang weiter, in der Süßwarenabteilung. Diese ist, wie ihm Bruno vermittelt, eine typische Frauensache. Immer wieder trifft er sich mit Marion im Pausenraum vor dem Kaffeeautomaten, in dem ein großes Bild hängt, auf dem es einen Strand mit einer Palme zu bestaunen gibt. Ein ambivalenter Anblick, der nur teilweise eine positive Konnotation bezüglich des Bildes zulässt, wenn man bedenkt, dass für die Figuren ihr Großmarkt vielleicht die beste aller Welten ist. Denn da draußen herrscht Chaos.

 DOLLMAN

Ein Film mit augenscheinlich reichlich Ambitionen und dem Rückgrat, den B-Touch dennoch nie aufzugeben und das Ding einfach durchzuziehen, auch wenn manchmal Peinlichkeitsschranken passiert werden. DOLLMAN handelt von einem Cop, der vom fiktiven Planeten Arturos aus reist und auf der Erde landet, wo die Menschen deutlich größer sind. Zwar ist er mit den Erdenbewohnern verglichen nur eine Puppe, jedoch führt er die seiner Aussage nach mächtigste Feuerwaffe des Universums mit sich. Da kann er sich glücklich schätzen, schließlich er ist in der Bronx gelandet, einem Ort, an dem viel zu viele Motherfucker auf Krawall gebürstet sind. Da das Projekt wirklich für ein schlankes Geldtäschchen gedreht werden musste, gibt es beinahe auch keine Shots, in denen man einen der 'normalen' Menschen und den Dollman zusammen sieht. Vielleicht hätte dies jedoch den Trashfaktor noch zusätzlich einheizen können.

 CYBORG

Eine postapokalyptische Zukunftsvision, in welcher sämtliche zivilisatorische Errungenschaften über Bord geworfen wurden und das Gute nicht gerade im Trend liegt. Eine kleine Gruppe von Wissenschaftlern könnte zwar ein Mittel kreieren, welches die Seuche endlich bekämpfen würde, doch dagegen stemmt sich natürlich eine Gruppe von Outlaws, die von den unhaltbaren Zuständen profitiert. Im Mittelpunkt des Geschehens steht der von vergangenen Narben gezeichnete Gibson, der der Bande heftig zusetzt. CYBORG ist ein leider irgendwann müde machender Film, der sicherlich einen netten Trivialmix der Genreideale MAD MAX und TERMINATOR aufbieten kann, aber inszenatorisch gehaltlos bleibt. Nach dem Überraschungsmegaerfolg BLOODSPORT war CYBORG erst der zweite größere Film von Jean-Claude Van Damme, der vielleicht der einzige Star in seinen Glanzjahren war, mit dem Albert Pyun zusammengearbeitet hat. Denn ansonsten traten eher schon abgehalfterte Sternchen in den Filmen des hawaiianisch-stämmigen Regisseurs auf.

NEMESIS

Im Jahr 2027 möchten sich die Cyborgs von den Menschen emanzipieren und lehnen sich deshalb gegen ihre ursprünglichen Erschaffer auf. Überhaupt ist es nicht einfach auszumachen, wer nun Mensch und Maschine in dieser Auseinandersetzung um Macht und Terrain ist. In diesem verworrenen Netz aus Lügen und Manipulationen findet sich LAPD-Mann Alex Rain wieder, der von sich selbst behauptet, immer noch ein Mensch zu sein. Jedenfalls zu 86,5 %. Albert Pyun macht aus der Prämisse dann tatsächlich das beste und kredenzt mit NEMESIS einen beinharten Pulp-Thriller mit vielen Sonnenbrillen und Schweißperlen. Freuen darf man sich jedoch nicht nur auf eine hohe Dichte an gediegenen Actionpassagen, auch meditative Einschübe im ersten Drittel gehören zum Kern des Films, der wie eine spirituelle Sinnsuche beginnt und sich in eine immens abgedrehte Zukunftsvision auffächert, welche sehr stark an die Ideen von TERMINATOR oder BLADE RUNNER erinnert. Glücklicherweise fand Regisseur Pyun Leute, die ihm bei der Finanzierung des Films kräftig geholfen haben, denn einige Effekte und Sets lassen sich locker im überdurschnittlichen Bereich ansiedeln. Im Gegenzug musste sich Albert Pyun allerdings dazu bereit erklären, dem französischen Kickboxer Olivier Gruner die Hauptrolle zu geben.

KHOMREH
(ET: The Jar)
Regisseur: Ebrahim Foruzesh
Iran 1992

- Ein unschuldiger Krug -

Innerhalb der Künstlichkeit des Films spricht aus den zwischenmenschlichen Konflikten eine Politur, durch die das Alltägliche und Unbedeutende entfernt wurde. KHOMREH ist aus diesem Grund auch ein Zwitterwesen, versammelt er doch beobachtend-realistische Kamerabilder und theatralisch wirkende Textzeilen, die ständig einem Ursache-Wirkung-Kreislauf unterworfen werden, zu einem Lied über Scham, Neid, und Angst. Ferner auch über Bösartigkeiten, die oft gar nicht als Bösartigkeiten intendiert waren, jedoch durch Kontextualisierung als Teufel an der Wand erscheinen. Der Film beginnt mit einem kaputten Krug, welcher in der einzigen Schule des Dorfes steht, damit die Kinder nicht verdursten, weil sie sonst zu einem Bach laufen müssten, für den einige Minuten Wegstrecke benötigt wird. Eines Tages fängt jedoch das Wasser aus dem Steinkrug zu lecken an. Eine Neuanschaffung wäre teuer und umständlich, da die nächste Stadt viele Kilometer weiter entfernt liegt. Obwohl der Vater von Khavar solche Arten von Gefäßen reparieren kann, weigert sich dieser mit der Erklärung, er könne seinen Hauptjob nicht vernachlässigen, da er die Familie ernähren muss. Schon entbrennen in Khavar Gedanken, die anderen Kinder würden ihn hänseln, weil sein Vater kein Engagement zeigt. Darauf schwänzt der Junge sogar ein paar Stunden Schulunterricht, woraufhin ihm sein Vater vor dem Lehrer und den anderen Kindern Schläge androht. Letztlich zeigt er sich aber einsichtig und versucht den Steinkrug wieder in Ordnung zu bringen. Der Zuschauer erkennt jedoch über die Art und Weise, wie der Film diktiert ist, dass der Versuch scheitern wird und neue, vermeidbare Zwistigkeiten Einzug halten werden. Zwar spricht jede Erwachsene Person aus, dass man dem Gerede der Leute kein Gehör schenken sollte, doch alle tun es trotzdem. Die menschliche Spezies als soziales Tierwesen, welches sich nach allen Seiten umschauen muss und sich vor jeder Statusgefährdung fürchtet. Die Kamera wird das kleine Dorf, welches zentral im Land liegen soll, den ganzen Film nicht verlassen. Hier, wo Scherze zu Verleumdungen und Engagement zu Verrücktheit oder Gier stilisiert werden und ein unschuldiger Krug im Schatten eines blätterlosen Baums steht, um schon bald durch einen neuen Krug ersetzt zu werden.  
I QUATTRO DELL'APOCALISSE
(Verdammt zu leben - Verdammt zu sterben)
Regisseur: Lucio Fulci
Italien 1975

Existieren Filme aus der Hauptschaffensphase Fulcis, die ein wenig positiv und wenigestens halbwegs humanistisch sind? Immerhin geht es hier um den Mann, der uns den Brutalismus von übers Ziel hinaus schießender Männlichkeit vor Augen führte (DAS SYNDIKAT DES GRAUENS), in den apokalyptischen Wahnsinn entführte (EIN ZOMBIE HING AM GLOCKENSEIL) oder uns räudigsten Nihilismus vorsetzte (WHEN ALICE BROKE THE MIRROR). Wenn man an Filme von Lucio Fulci denkt, kommen einem Begriffe wie Selbstlosigkeit, Solidarität oder Hoffnung nicht gerade zuerst in den Sinn. Doch dann gibt es da ja noch VERDAMMT ZU LEBEN - VERDAMMT ZU STERBEN, der sich bis in den Mittelteil hinein genau so verdorben, dreckig und zynisch gibt wie die bekanntesten Exploitationer des Italieners. Dann gefällt es ihm aber plötzlich doch Hoffnungsstrahlen auszusenden und den Protagonisten den Akt der Rache erfolgreich ausführen zu lassen. Die Welt, wie sie der Film darstellt, ist zwar ein gefährlich-kühles Terrain, mit Gegenspielern, die sich weder vom Tod noch vom Teufel die Butter vom Brot nehmen lassen wollen, aber sie wirkt aufgrund ihrer Liebe zum Leben auch wieder sehr differenziert, geradezu unentschlossen.

Von Liebe gibt es zunächst noch keine Spuren: Glücksspieler Stubby Preston, Trinker Clem, Hure Bunny O' Neill und der Irre Bud sind knapp einem wütendem Mob entkommen und reiten auf der Suche nach Wasser, Essen und womöglich auch Wohnraum durch den Wüstensand. Unterwegs begegnet die ungleiche Truppe dem hundsgemeinen Chato, dessen positiver erster Eindruck schnell zu einem Irrtum sondergleichen verkommt. Nachdem er die Männer unter Drogen setzt, vergewaltigt er vor aller Augen die zu dem Zeitpunkt schon schwangere und hilflose Bunny. Als Chato von dannen zieht, schwört Hauptfigur Stubby Preston, gespielt von Fabio Testi, den Outlaw zu töten. Einige Wendungen später sind nur noch Stubby und Bunny bei uns, die den Ort namens Altaville aufgesucht haben, um dort Bunnys Kind auf die Welt zu bringen. Anfangs scheint die Männerortschaft wenig Bock auf das Duo zu haben, doch dann lassen  sich auch die verdrießlichsten Gestalten vom Baby-Hype mitreißen.

Dass ich dem Filme Güte und eine relative Milde nachsage, heißt allerdings noch lange nicht, dass Fulci bezüglich Gore und Gemeinheiten Zurückhaltung übt. Chato als ultimativer Bösewicht lässt auch keine Gelegenheit aus, seine rabiat-sadistische Ader auszuleben. Mit seinen Kumpels schlachtet er dann auch mal eine ganze Mormonengemeinschaft ab, ohne dass wir von einem konkreten Motiv für diese barbarische Handlung erfahren. Die Mormonen hatten halt einfach Pech, sie waren eben zur falschen Zeit am falschen Ort da. Unsere Helden, mit denen wir mitfühlen sollen, sind, wie für einen desillusionierten Western typisch, eher Anti-Helden, also gesellschaftlich Unterprivilegierte, die ein schweres Los gezogen haben. Man erkennt zwar, dass sie im Bund trotz ungleicher Eigenschaften keine schlechten Chancen haben, ihrer Umwelt zu trotzen, doch der Film macht deutlich, dass für sie keine gemeinsamen familiären und freundschaftlichen Wege offenstehen. Den Trinker Clem wird es im Laufe des Films noch schwer erwischen, Bud wird sich einfach aus dem Staub machen und Bunny wird nicht die Möglichkeit bekommen, ihr Kind in die Arme zu nehmen. Alle müssen der verbitterten Bischissenheit des Lebens ins Auge sehen.

Mit Fabio Testi in der Rolle des Stubby Preston, der überhaupt kein typischer Revolverheld ist, gelang dem Regisseur übrigens ein richtiger Glücksgriff. Etwas, das ihm für seinen letzten Western SELLA D'ARGENTO dann leider nicht mehr glückte. Giuliano Gemma spielte dort die Hauptfigur und war offenkundig doch sehr überfordert. Bemerkenswert ist des Weiteren natürlich auch Tomás Miliáns Darstellung der Figur Chato, die unüberraschend viele Charakterattitüden vereinigt, mit denen Milián durch zahlreiche Schurkenrollen in Kriminalfilmen bestens vertraut war. Die Regie selbst ist es dann aber, die I QUATTRO DELL'APOCALISSE ins Reich der feuchten Cineastenträume hebt. Wenn Bunny das Kind bekommt und die Männer aufhören zu tratschen, weil sie das Geschrei des Babys wahrnehmen, fliegt die Kamera etwas hoch, bewegt sich bisschen weg, um die kleine Ortschaft besser zu überblicken. Man könnte man meinen, dass die Zeit für einen kurzen Augenblick still steht. Die Männer, die kurz zuvor noch infantil darauf gewettet haben, ob es ein Junge oder ein Mädchen wird, halten allesamt plötzlich ihre Münder. Nie war die Kamera bei Fulci am Künstlerischsten als in den Siebzigern.

GING CAAT GU SI
(Police Story)
Regisseur: Jackie Chan
Hongkong 1985

- Den Ärger von der Seele gefilmt -

Kevin Chan steckt ganz schön in der Klemme. Der Polizist überführte zwar einen respektierten Rauschgiftboss, doch diesen muss man aufgrund von Beweismangel wieder laufen lassen. Besagter Drogenchef, der natürlich mächtig sauer ist, lässt zudem einen Polizisten mit der Waffe Chans erschießen, sodass nicht nur die Unterwelt Chan in die Finger kriegen will, sondern auch die Hüter des Gesetzes. Nach seinem krassen Hollywood-Flop THE PROTECTOR ging Jackie Chan wieder nach Hongkong zurück, um seinen Vorstellungen eines bissfesten, trotzdem amüsant ausgerichteten Cop-Thrillers zu frönen. Eine Tapete aus bekannten Storymustern packte er dabei in den Hintergrund, während sich davor waghalsige Stunts und ausgeklügelt-spritzige Choreografien die Klinke in die Hand geben dürfen. Aus einem riesigen Topf voller Ideen und Gags bedient sich Jackie Chan, wenn er sich mit einem Regenschirm an einen Doppeldeckerbus hängt oder mit einem Motorrad durch das gut frequentierte Kaufhaus rauscht. Man empfindet Ehrfurcht, aufgrund des akrobatischen Könnens; Freude, da Jackie sich nach kreativen Desastern wie THE PROTECTOR und ähnlichen US-Versuchen den Frust von der Seele filmt; Vertrauen, weil es eben immer noch Variationen sind und weil Jackie kaum missverständlich in chaplineske Dimensionen vordringt. Erst neun Jahre später, nämlich mit RUMBLE IN THE BRONX, schaffte es Jackie endlich, in den Staaten Fuß zu fassen. Doch keiner dieser Filme enthält auch nur im Ansatz eine solch urkomische Sequenz, in der Chan im Polizeibüro sitzen muss und mit mehreren Telefonhörern hantiert, um allen Anrufern gerecht zu werden.