UCCELLACCI E UCCELLINI
(Große Vögel, kleine Vögel)
Regisseur: Pier Paolo Pasolini
Italien 1966

Falken und Spatzen

Ohne Umschweife entwickelt UCCELLACCI E UCCELLINI gleich zu Beginn einen Hunger nach eskalierendem Nonkonformismus, einem schelmischen Spiel mit dem Unberechenbaren. Wer den Vorspann mit der Nennung der wichtigsten Namen stumm schaltet, wird gar nicht mitkriegen, was er verpasst. Es gibt unter den famosesten Vertretern besonders kreativ gestaltete Creditsequenzen, welche mit viel Liebe und Aufwand angefertigt wurden und teilweise schon eine künstlerische Form an sich erreichen - und dann gibt es eben die ersten Minuten von UCCELLACI E UCCELINI. Was? Ja, genau. Die Aufzählung des Stabes wird nämlich gesungen (von Domenico Modugno) und bereits an diesem Punkt geht der Film der Gewöhnlichkeit aus dem Weg. Wäre Pasolinis Werk ein junger Mensch, dann würde man die Diagnose anstellen, dieser sei auf die schiefe Bahn geraten. Falsche Freunde, Drogen, so was in der Art. UCCELLACI E UCCELINI, sein Ansehen gefährdete dabei Produzent Alfredo Bini und seine Reputation aufs Spiel setzte Regisseur Pier Paolo Pasolini. In dieser Neigung, sich außerhalb der Normalität, den Schablonen, zu positionieren, steckt auch ein Versprechen. Überraschenderweise wird dieses ohne Einschränkungen eingelöst und so bekommt der Vorspann etwas zutiefst Programmatisches. Man hätte den Zuschauer kaum besser auf diesen Film vorbereiten können, welcher sich zwischen Komödie, Roadmovie, Allegorie und vielleicht gar Satire bewegt, dabei nebenbei Pasolini-typische Betrachtungen über Marxismus, Christentum und die Klassengesellschaft streift. Für platteste Albernheiten ist sich dieser Film aber nie zu schade, weshalb hier mehr als nur einmal Menschen wie in den abgedroschensten Slapsticknummern aus der Stummfilmperiode hin- und herflitzen. Der kompositorisch strengste Filmemacher war Pasolini ja nie, aber das hier? Totò und Ninetto Davoli verkörpern das wandernde Vater-Sohn-Paar mit einer guten Portion humoresker Leichtigkeit und der sie begleitende Rabe, dessen Laufstil bei dem ein oder anderen Zuschauer bereits Lachkrämpfe auslösen könnte, wird im Verlauf zum heimlichen Hauptdarsteller, der die geistige Aufmerksamkeit durch seine Reden von politischen Ideologien ganz auf sich zu lenken weiß. So sehr GROSSE VÖGEL, KLEINE VÖGEL einen oberflächlich eingängigen Eindruck macht, so sehr ist er auch durch seine reichhaltige Nutzung von Symbolen, Metaphern und politisch-kulturellen Verweisen schwer entschlüsselbar. Warum wählte Pier Paolo überhaupt diese populär-humoristische Form, um seine Standpunkte zu vertreten? Ideologiekritische Betrachtungen verdeckte er damit jedenfalls keineswegs und es schien auch gar nicht seine Absicht gewesen zu sein. Manch einer wird den Streifen für ein unausgegorenes Experiment halten. Man kann sich problemlos vorstellen, wie der ein oder andere zeitgenössische Kritiker Pasolinis nach der Sichtung erst recht dazu verleitet wurde, sich zu ereifern und dem Regisseur einen Mangel an Stil- und Geschmackssicherheit zu unterstellen. Uns soll das jedoch keineswegs stören, UCCELLACCI E UCCELLINI wurde mit Hand eines Meisters geführt, der den stürmischen Elan der Abenteur gekonnt mit den beiden geistig nicht von der Stelle tretenden Protagonisten kontrastiert, um irrwitzige Episoden zu produzieren.


#5
ZOMBIE: LA CREAZIONE
(Zombies – The Beginning)
Regisseur: Bruno Mattei
Italien 2007

 [Im Vorfeld]
Irgendwie verspüre ich einen Bammel vor dem letzten Film von Bruno Mattei, der in den Achtzigern zur Crème de la Crème der italienischen Regie-Zyniker zählte. Ich kenne keines der Spätwerke dieses Herrn, doch wissen wir alle, wie unsexy und ungalant digital gedrehte Horrorfilme der Z-Klasse sein können. Dennoch: Dass Mattei auch in seinem Karriere abschließenden Film an der Untotenthematik festhielt, bringt doch irgendwie einen besonderen Charme mit sich.


[Im Geschehen]
Im Mittelpunkt steht die Wissenschaftlerin Sharon, deren Team von einer Horde Zombies abgeschlachtet und verspeist wird, nachdem dieses auf einer unbekannten Insel ankommt. Nur ihr gelingt die Flucht, doch ihre Vorgesetzten wollen in dem Zwischenfall nicht weiter nachforschen und kündigen ihr sogar. Ein halbes Jahr später wird sie vom Vertreter eines Pharmakonzerns dazu überredet, mit einer Crew von Soldaten und Wissenschaftlern nochmals die Insel zu besuchen. Eigentlich darf man sich nicht wundern, dass der italienische Regisseur sich auch in den Zweitausendern an dem Wiedergängerthema abarbeitete, wurden Zombiestreifen nach den kommerziellen Erfolgen von 28 DAYS LATER und der Neuauflage von DAWN OF THE DEAD doch wieder en vogue. Und wie wir bestens wissen, war Mattei stets schnell beim Kopieren von Dingen, welche sich an der Kasse erweisen konnten. Obschon ZOMBIE: LA CREAZIONE um Querdenkerei einen großen Bogen macht und Formeln aussichtslos abpaust, muss man konstatieren, dass dieser mit spürbar handwerklichem Geschick zusammengezimmert wurde. Mattei hatte zwar weiterhin keine Ahnung, was eine hübsche Bildkomposition ist, doch scheinbar lernte er in den Jahren nach Werken wie DIE HÖLLE DER LEBENDEN TOTEN (VIRUS, 1980) oder HEROIN FORCE (TRAPPOLA DIABOLICA, 1988) ein bisschen dazu. Den Halitus des Vermoderten wurde er natürlich nicht los, doch es scheint, dass das Prinzip der Mäßigung im Alter auch für ihn Sinn machte. Haben wir es hier mit einer natürlichen Entwicklung einer künstlerischen Karriere zu tun? Mehr Budget hatte der Italiener jedenfalls nicht zur Verfügung, sodass die Sets an die optisch sich ähnelnden Genrefilme in Militärkomplexen erinnern, wie sie eigentlich in den Neunzigern häufig anzutreffen waren. Schmucklose Räumlichkeiten und mit Computerbildschirmen der Windows-98-Ära ausgestattete Lagerhallen, die es uns schwer machen, irgendwelche Imaginationen freizusetzen. Hinzu kommen hier Wissenschaftler sowie natürlich Männer mit dicken Schultern und Wummen, welche eine ununterscheidbare Präsenz haben, an die man sich fünf Minuten nach dem Abspann nicht mehr entsinnen kann. Das Drehbuch von Giovanni Paolucci und Antonio Tentori macht noch den Fauxpas, der Heldin ihren Status als Dreh- und Angelpunkt im Mittelteil zu streichen. Erst im letzten Drittel darf sie wieder eingreifen und den gefühlt drei Köpfe größeren Männern zeigen, wie man es anzustellen hat. Die Schauspielerin Yvette Yzon macht ihre Sache recht klasse, wenngleich ihr sehr zierlicher Körperbau und ihre besonders schmalen Schultern sie in eine unglaubhafte Position stoßen. Das Ende hält übrigens visuelle Überraschungen und echte Ekelmomente bereit, die man so traditionellerweise nicht mit dem Œuvre von Bruno Mattei verbindet und die mich sowohl an das Finale von PREDATOR 2 denken ließen als auch an die Arbeiten von Stuart Gordon bzw. Brian Yuzna. James Camerons ALIENS ist ebenfalls so eine Referenz, die immer wieder aufgegriffen wird.


[Im Großen und Ganzen]
Wer über einen filmkulturell breiten Horizont verfügt, sollte wissen, worauf er sich bei dem Namen Bruno Mattei einlässt. Das ist natürlich ein wenig gehaltvoller Zombiefilm mit der Brechstange, abgefilmt unter genau den billigen Umständen, die man auch so erwarten würde. Dennoch scheint mir der in beträchtlichen Maßen auftauchende Zynismus alter Mattei-Werke hier ein wenig gedrosselt. ZOMBIE: LA CREAZIONE versucht sogar relativ aufrichtig, die Themen Untote und Genexperimente inhaltlich wie optisch zu verbinden, das Genre weiterzudenken. Weiterdenken. Kann man dieses Wort mit diesem Filmemacher auf legale Weise überhaupt in Verbindung bringen? Der Film war jedenfalls als Mittelteil einer Trilogie gedacht, angefangen mit ISLAND OF THE LIVING DEAD (L'ISOLA DEI MORTI VIVENTI, 2006), jedoch verstarb Bruno Mattei bereits während der Postproduktion von ZOMBIE: LA CREAZIONE.

THE HOLE IN THE GROUND
Regisseur: Lee Cronin
Irland/Belgien/Finnland 2019

Ist das noch mein Sohn?

Ein riesiges, Krater-ähnliches Loch klafft im Boden, umgeben von einem Wald, welcher aus dicht aneinanderstehenden Bäumen besteht. In unmittelbarer Nähe dieser schaurigen Realität, fernab von der Zivilisation, wohnt seit Kurzem eine junge Frau mit ihrem kleinen Sohn. Es könnte ein idyllisches Leben in dieser irischen Provinz sein, in diesem unfertigen Häuschen ohne postalische Adresse - wären da nicht die Sorgen der Mutter, dass der Junge nach seinem kurzen Ausflug ins unheimliche Waldstück nicht mehr ihr Kind sei. Die ästhetische Verwandtschaft mit HEREDITARY und die thematische Ähnlichkeit zu THE BABADOOK sind nicht zu widerlegen, doch immerhin ja nicht als die schlechtesten Verbindungen zu nennen, die ein solcher Film eingehen kann. Einem Vergleich hält THE HOLE IN THE GROUND allerdings nicht stand, vor allem dann, wenn man ihn auf kinematografische Kriterien abklopft. Bildaufbau, Atmosphäre oder Pacing verhalten sich in der Tat ähnlich, und die Stringenz der Elemente ist ausdrücklich herauszustellen, doch ihm mangelt es eindeutig an jener handschriftlichen Höhe, welche den beiden genannten Vorbildern ohne Wenn und Aber zuzuschreiben ist. Was die inhaltlichen Belange angeht, sind die letzten Meter, die das Werk von etwas Großem trennen, vergleichbar. Das Unbehagen vor dem Verlust der Verbindung zum Kind, von dem man sich Stück für Stück abzuseilen beginnt, hätte man mit dem gesellschaftlichen Imperativ denken können, dass man als Elternteil seine Kinder unter allen Umständen zu lieben hat. Diesen mutigen Schritt macht THE HOLE IN THE GROUND dann leider nicht beziehungsweise nicht konsequent, trotzdem lässt sich das Geschehen als Metapher einer gestörten Liebe zum eigenen Kind deuten. Die Wahrnehmung kleiner Unterschiede bezüglich der Verhaltensweise reichen bereits aus, um die Illusion auffliegen zu lassen. In einer Mischung aus Bewusstsein, Sensibilität und Intuition, welche sich nur durch eine enge Bindung entwickeln können, entdeckt die Mutter Risse und Furchen, weiß das geschätzte Original von der minderwertigen, mit bösen Absichten gefüllten Kopie zu unterscheiden. Die Beunruhigung setzt sich allerdings nicht in hysterischen Anfällen fort, sondern macht sich in rationalem Aktionismus bemerkbar. Dies wird auch von der jung ausschauenden Schauspielerin Seána Kerslake getragen, die ihre Rolle mit einem sonderbaren Charme ausfüllt. Die Erzählung kann deshalb ein angenehmes Tempo entwickeln und wir können in Ruhe die Biegungen erkunden, in die uns der Plot zwingt. Den Blick der Mutter verlassen wir dabei nicht, ihre Besorgnis sowie ihre Furcht setzt dann natürlich das Identifikationspotenzial frei, das es braucht, um uns in der psychologischen Qualität des Stoffes zu verlieren. Diese Psychologie mag sich banalste Gelegenheiten suchen, um sich in den Vordergrund zu stellen, doch letztlich geht es in diesem Zwischending von Horror und Familiendrama um kollektive Alltagsängste, ungeheilte Wunden und den Schrecken der Entfremdung. THE HOLE IN THE GROUND geht mit dem Doppelgängermotiv zugegebenermaßen plakativer um, als es in den letzten Jahren ICH SEH ICH SEH oder US getan haben. Das ist jedoch kein hinreichender Grund, den Film auszulassen.

A SEA DOG'S TALE
Regisseur: Del Lord
USA 1926

Der Schürzenjäger mit dem lustigen Schnauzer

Auf der Südseeinsel Salami mangelt es an heiratswürdigem Material, so zumindest die Meinung der hübschen und anspruchsvollen Prinzessin Vanilla, deren Vater Gumbo der Anführer des Stamms ist. Als sie das Foto eines Mannes namens Wilbur Waters in einer Zeitung entdeckt, macht sie ihren Papa darauf aufmerksam, dass dieser weiße Kerl ihr auserwählter Traumpartner sei und dass sie nur ihn heiraten wolle. Gumbo setzt also alle Hebel in Bewegung, um seiner Tochter den Wunsch zu erfüllen. Ironischerweise wird Wilbur bei einer anderen Hochzeit abgefangen - kurz bevor er das Ja-Wort hinausschleudern kann. Zum Ärger seiner Fast-Gattin wird er auf die Insel gebracht und muss sich dort Essgewohnheiten und Ritualen aussetzen, bis er im Meer seine wahre Liebe findet. A SEA DOG'S TALE gehört in die Zeit der nicht gerade ruhmreichen Darstellungen exotischer Kulturen. Weiße bemalten sich, brachten einen großen Plastikring an ihre Nasen an, und aßen Spaghettinudeln mit den Händen, nicht ohne diese vorher am Finger für ein paar billige Lacher umherzuschwingen. In diese Atmosphäre eines soziologischen Exotismus wirft man die Figur des Schauspielers Billy Bevan hinein, den man am ehesten aus ANOTHER DAWN (William Dieterle, 1932) kennen könnte. Nach einigem Fat-Shaming- und Culture-Clash-Klamauk stürzt man den Schürzenjäger mit dem lustigen Schnauzer hinterhältig ins Meer. Hier bäumt sich der Kurzfilm endlich auf, trägt Witze und drolligen Surrealismus auf. Ein Seestern wird zum Polizeistern umfunktioniert, wodurch der Besitzer sich Dirigent des Straßenverkehrs der Fische aufspielen darf. Daneben wird noch eine industriell hergestellte Büchse mit quicklebendigen Sardinen geöffnet und die Zweisamkeit mit einer Nixe angestrebt. Elf Minuten, die man auch hätte sinnloser verbringen können.

GISAENGCHUNG
(Parasite)
Regisseur: Bong Joon-ho
Südkorea 2019

Parasiten wie wir

Nach ASCHE IST REINES WEISS und BURNING nun der nächste große ostasiatische Hit in kurzer Zeit, den Kenner der Materie zu den großen cineastischen Juwelen des 21. Jahrhunderts zählen. Die Prämisse ist denkbar einfach: Eine vierköpfige arbeitslose Familie aus einem Armenviertel - bestehend aus Vater, Mutter, Tochter, Sohn - nistet sich schrittweise bei einer vierköpfigen wohlhabenden und vornehmen Familie ein, indem sie ihre Arbeitskraft und ihre erdichteten Lebensläufe anbietet. Dabei bekommen wir es mit unverkrampfter Hochstaplerei sowie dreistester Bekämpfung der Konkurrenz auf der einen Seite und sorgenloser Naivität auf der anderen Seite zu tun. Parasitär verhalten sich selbstredend beide Parteien und die große Irritation entsteht durch die Selbstverständlichkeit bezüglich der Ausnutzung von Ressourcen. Wir fiebern dennoch mit den Hauptfiguren mit, der Familie, die in einer kleinen Kellerwohnung lebt und es nicht einmal auf die Reihe bekommt, Pizzakartons ordentlich zusammenzufalten. Die eigentlich untragbaren Umstände werden nicht näher erklärt, die familiäre Historie nicht vor uns ausgebreitet. Der Film weiß: In einem System der Ungleichverteilung ist die Messung von Schuld schwierig und deshalb versucht er auch gar nichts erst, uns über den Hintergrund zu unterrichten. Man hätte etwas Tragisches erfinden können, aber was, wenn es hinter all dem keine Tragik gibt? Bong Joon-ho verzichtet hierbei gekonnt auf Privatismus und starrt vergnügt in die systemischen Abgründe. Vergnügt, weil PARASITE zunächst als bissige Satire beginnt. Doch nach und nach schmerzt, was wir erleben müssen. Der Film lässt unsere moralische Kompassnadel verrückt spielen, einen heimlichen Seitenwechsel provozieren oder gar Mitleid mit der wohlhabenden Sippe haben. Man möchte am liebsten in das filmische Geschehen hineinspazieren und die Figuren fragen: Was tut ihr da eigentlich? Nun ist es nicht so, dass es keine Filme über die Auswüchse des Kapitalismus gäbe. Doch diese vereint oft die Perpetuierung von Klassenkampfklischees, die vielmehr einem süßen Wunschgefühl entspringen, als dem Versuch, sich der Wirklichkeit anzunähern. Denn tatsächliche Klassenkämpfe, also Auseinandersetzungen zwischen unterschiedlichen sozialen Klassen, finden selten statt. Wenn ein großer Fisch einen kleinen Fisch verschlingt, kann man wohl kaum von einem Kampf sprechen. Bong Joon-ho pinkelt deshalb auf die Klassenkampf-Mär und zeigt, dass der echte Streit im Kapitalismus sich auf den billigsten Plätzen abspielt, nämlich unter den Leuten, die über ein geringes soziales, kulturelles und wirtschaftliches Kapital verfügen. Der Regisseur nimmt speziell Bezug auf die Klassenunterschiede in Südkorea, doch mit Abstrichen lassen sich die dargestellten sozialdarwinistischen Prinzipien auf jeden technologisch fortgeschrittenen, kapitalistisch ausgerichteten Staat übertragen. Die andere Beobachtung hinsichtlich der Betrachtung der Kategorie Klasse gelingt dem Film, wenn er den Menschen ohne Kapital ihre Grenzen aufzeigt. Diese mögen den Habitus der Elite bis zu einem gewissen Grad nachahmen können, wenngleich aus dies hinterfragt wird, doch den Stallgeruch werden sie nicht los. Man sagt ja, dass der Geruchssinn der einzige unserer fünf Sinne sei, der sich nicht filtern lässt. Die olfaktorischen Realitäten werden im und vom Film dann auch zunehmend demütigender und unerträglicher formuliert, bis ein Punkt erreicht ist, an dem es wirklich nicht mehr lustig wird. PARASITE vermischt Genres, die sich innerhalb anderer Drehbücher und in schlechten Händen sehr wahrscheinlich anmaulen oder in die Haare kriegen würden. Hier gehen sie jedoch Hand in Hand, als sei es das Normalste auf der Welt. Bong Joon-ho hat schon einige Kracher realisiert und, wenn wir mal ehrlich sind, ist jeder Film des Südkoreaners lohnenswert. Doch PARASITE ist noch einmal eine ganz andere Liga.

L'ARCIERE DI FUOCO
(Der feurige Pfeil der Rache)
Regisseur: Giorgio Ferroni
Italien 1971

Der süße Stallgeruch

Ein strahlender Aristokrat inmitten von Normaloerdenbewohnern, mit denen er wildert und stiehlt. Für eine kurze Zeit schließen sich unterschiedliche Stände zusammen, die unter Standardbedingungen nicht viel Umgang miteinander hätten. Doch Hierarchien oder Ständeordnungen werden nicht aufgehoben, sondern unsichtbar gemacht. Nach der Aufnahme in den Kreis der aufständischen Angelsachsen nennt sich der Adelige Sir Henry fortan nur noch Robin Hood und gibt damit zeitweise seine wahre Identität auf. Nicht nach seinem Stand möchte der edle Mann bewertet werden, sondern nach seinen Fähigkeiten. Dagegen ist nur wenig einzuwenden, hat er doch einiges auf dem Kasten. Die Schwertkunst beherrscht er ebenso gut wie die Benutzung von Pfeil und Bogen. Wenn ihm keine Waffen zur Verfügung stehen, helfen auch die nackten Fäuste. Doch den an ihm klebenden süßen Stallgeruch kann Sir Henry von Nottingham trotz Verleugnung seiner Herkunft nie komplett loswerden. Möge die Bande Robin als einen von ihnen betrachten, wir als Zuschauer sehen zuvorderst den Western-Star Giuliano Gemma, welcher mit einer gehörigen Portion Selbstverliebtheit spielt, der ein unverschämt sicheres Auftreten anhängt. Jede noch so schwierige, komplizierte oder peinliche Situation zerplatzt an seiner verschmitzten Visage, die um die Quasi-Übermenschlichkeit ihres Trägers weiß. Bei dem dauergrinsenden Gemma kommt man sich ohnehin wie in einer zu lang geratenen Zahnpastawerbung mit nie aufhörender Beweisführung vor. Ähnlich mit dem Hang zur Kasperei und frei von Realismus interpretiert auch Mario Adorf seine Rolle des Mönches Bruder Tuck, der mit seinen Lateinimitationen Schwung auf die Leinwand bringt. Regisseur Ferroni lässt es sich nicht nehmen, aus der englischen Sage einen Abenteuerklamauk zu fabrizieren, der das Parodiepotenzial in den Vordergrund schiebt und die sozialen Fragen ausklammert. Gerechtigkeit bedeutet hier, dass der gute König den Thron besteigen darf. Die Simplizität der ideologischen Einigkeit entreißt den gewieften Kompositionen, die den Bildern zur Prägnanz verhelfen und selbst Massenszenen in übersichtliche Tableaus übersetzen, jedoch nicht die Faszination. Ferroni ist letztlich ziemlich toll darin, ein Filmemacher zu sein, der niedergeschriebenes Mittelmaß in ein wunderhübsches dringliches Aquarell verwandeln kann.

GLANZ & GLORIA
Regisseur: Andreas Coupon
Deutschland 2012

Die Sehnsucht nach Liebe und Licht

Alexander Marcus' Hype entstand noch in der Frühzeit von YouTube, als er mit seinen für schmales Geld produzierten Musikvideos wie CIAO CIAO BELLA oder PAPAYA bei der Internetcommunity reüssierte. Die bekloppte Mischung aus Schlagertexten, melodisch-elektronischen Klängen und einem albern-unorthodoxen Auftreten sprach sich schnell herum, fand Zustimmung wie auch Hohn. Für die einen war es eine gelungene Heile-Welt-Parodie, die sich um Mainstreamverträglichkeiten nicht kümmert, für die anderen war der Liedermacher nur eine weitere klägliche, das postironische Zeitalter repräsentierende Kunstfigur. 2012 schien die Nachfrage nach dem Kerl so groß zu sein, dass man gleich einen Kinofilm produzieren musste. In dem größtenteils mit Fanspenden finanzierten Projekt geht es um Marcus selbst und seinen Sturz als umjubelten Popstar, nachdem er aufgrund einer Überdosis der Droge Egoin zusammenbricht und in eine Klinik eingewiesen wird. Die Liebe zu einer Kiste und die Bibel helfen ihm dort jedoch, auf den richtigen Pfad zu finden, gesund zu werden und aus der Anstalt zu fliehen. Wenn schon die Musikvideos einen polarisierenden Beknacktheitsgrad aufweisen, versteht es sich natürlich von selbst, dass der Film gar nicht erst versucht, mit Seriosität Punkte zu machen. Dafür ist dann Alexander Marcus auch ein zu schlechter Schauspieler, sein Manierismus mute ja selbst im Umfeld einer tumben Komödie ziemlich weltfremd an. Doch GLANZ & GLORIA versucht keine Vertuschungsmanöver und möchte auch nicht über sich hinaus wachsen. Die einzige Mission dieses Films ist es, Albernheiten und lausige Gags hageln und platzen zu lassen. Die Geschichte ist bloß Mittel zum Zweck, im Scheinwerferlicht sonnt sich dieses anrüchige Gemisch aus Falco und Helge Schneider, das auf den Namen Alexander Marcus hört. Eine sympathische Flitzpiepe, deren Lächeln aus dem 18. Jahrhundert zu stammen scheint und deren Haare früher noch wenigstens zum Wischen des Bodens getaugt hätten. Natürlich darf der Marcus auch seine Singorgien trällern, sich stimmlich strapazieren, seine Gassenhauer zum Besten geben. GLANZ & GLORIA, ein deutsches Musical mit Schunkelfaktor und flirrender Discoluft. Jede Ähnlichkeit mit feiner Kinematografie ist hier eh nur zufällig, aber das ist auch anders nicht zu erwarten. Normalerweise fallen Filme bei mir durch, die vorsätzlich den Begriff von Trash vulgarisieren, doch Marcus ist ein zu drolliger Spaßmacher, als dass man ihm das nicht verzeihen könnte. "In der Disco La Cola, da gibt's keine Grenzen, schon längst nicht mehr ...", heißt es im letzten Lied. Und in der Tat, an Grenzen, Schubladen und Konventionen kann sich auch dieser Film nicht gewöhnen. Die Enge der Klinik, die Enge des von außen langweilig ausschauenden Familienhäuschens, in dem das dramatische Finale spielt, sind keine Umgebung für einen majestätischen Freigeist. Er braucht Orte voller Liebe und Licht.


#4
IL MULINO DELLE DONNE DI PIETRA
(Die Mühle der versteinerten Frauen)
Regisseur: Giorgio Ferroni
Italien/Frankreich 1960

 [Im Vorfeld]
Schon seit den Dreißigern war Regisseur Giorgio Ferroni aktiv, wobei er immer wieder auch das Dokumentarfeld beackerte. In den Sechzigern verlagerte er sein Interesse vollends auf Genrefilme und tobte sich in den Breitengraden des Abenteuer-, Sandalen-, Western,- und natürlich des Horrorfilms aus. DIE MÜHLE DER VERSTEINERTEN FRAUEN (deutscher Titel) erschien 1960, übrigens nur wenige Wochen nach der Premiere von Mario Bavas LA MASCHERA DEL DEMONIO, einem anderen ambitionierten Gothichorrorwerk aus Italien. In Sachen Einfluss und Anerkennung nimmt Bavas Durchbruchsfilm zwar die deutlich dominantere Position in Popkultur und Wissenschaft ein, Ferronis erste übernationale Nummer wird dennoch an vielen Stellen positiv hervorgehoben. Es wird also Zeit, sich dem anzunehmen.


[Im Geschehen]
Wohl artikulierte Gothichorrorbilder, an denen das Bewusstsein hängt, dass Optik nicht bloß schmarotzerhaft den Plot begleiten darf, sondern Stimmung erzeugen soll, also dazu da ist, aktiv der Lebendigkeit des Gezeigten zuzuarbeiten, finden sich zu Hauf in Ferronis Streifen. Das sich drehende Mühlrad, dass im Inneren der Mühle Frauenstatuen bewegt, während die Maschine krächzt und kreischt, wird schnell zum Symbol einer kultivierten Unheimlichkeit. Man sieht Figuren am Galgen, in Ketten, kurz vor ihrer Verbrennung. Dass die Statuen Besucher anziehen, die sich die bizarr-mechanische Attraktion anschauen und dafür höchst wahrscheinlich Geld blechen, verdeutlicht den Reiz dieses quitschigen Karussels, das selbstverständlich ein dunkles Geheimnis birgt. Doch zunächst ahnt unsere Hauptfigur Hans von Arnim nichts von den düsteren Absichten, die der Mühlenbesitzer Gregorius Wahl verfolgt. Der Student möchte bloß einen Bericht über das Amsterdamer Mühlrad und seinen Besitzer schreiben, der ihm rät, sich auf die Recherchearbeiten zu konzentrieren und weniger mit seiner Tochter Elfie zu quatschen. Diese lebt zurückgezogen im Haus und wird vom Vater von der Außenwelt isoliert. Es sind diese Geheimnisse der Mühle, des Professors sowie der Tochter, die einen großen Reiz kreieren. Als Vielgucker aus der heutigen Zeit wird man zwar erahnen wohin die Reise geht, doch das stört die Entfaltung nicht im Geringsten. Die psychologische Schärfe erstaunt nämlich dort, wo man sie vielleicht zunächst am wenigsten erwartet: im Beziehungsgefüge von Vater und Tochter. DIE MÜHLE DER VERSTEINERTEN FRAUEN ist nämlich nur zur Hälfte ein stimungsreicher Grusler, der Rest tritt dem Orden der Familientragödien bei. Die Schichten, die hier übereinandergelegt werden, bremsen sich jedoch nie gegenseitig aus, sondern verstehen sich als Teil eines Ganzen. Erst wenn alle Vorhänge fallen, jeder Winkel eines Geheimnisses offenbart wurde, zerbricht mit dem Mysterium ein Stück Intensität. Doch glücklicherweise waren die Drehbuchautoren Remigio Del Grosso, Ugo Liberatore sowie der Regisseur so gerissen, erst in der letzten Viertelstunde das Verschleierte aufzudecken. Bei einem Werk, das Visualität für Trumpf hält, ist aber das Ästhetische ohnehin entscheidender und hierfür sollte Ferronis Team, vom Zuständigen für die Garderobe über den Lichtsetzer bis zum Setdesigner, noch viel mehr gelobt werden. So führt jede Einstellung zu einem Augenschmaus, das sich durch die wundervollen Sets und die Kadrage ergibt.


[Im Großen und Ganzen]
Die Italiener mal wieder mit ihrem Auge für schöne Details und ihrem ästhetischen Selbstbewusstsein!  Nicht unerwähnt sollte bleiben, dass der Dasteller der bekanntesten Manitou-Interpretation, Pierre Brice, die neugierige Hauptfigur Hans von Arnim mimen darf und dies auch vorzüglich bewerkstelligt. Mario Bava sollte ja später noch künstlerische Höhen erklimmen, die Ferroni verwehrt blieben. Doch im Jahr 1960 sehe ich den unverschämt oft als Handwerker abgestempelten Regisseur mit diesem Werk wirklich vorne.


#3
DELLAMORTE DELLAMORE
Regisseur: Michele Soavi
Italien/Frankreich/Deutschland 1994

 [Im Vorfeld]
Das italienische Horrorkino der Neunzigerjahre ist eines, welches auf der Landkarte meiner persönlichen Seherfahrungen noch nichts weiter als einen weißen Fleck darstellt. Selbst Argentos LA SINDROME DI STENDHAL bin ich bis zum heutigen Tag erfolgreich ausgewichen. Der Film DELLAMORTE DELLAMORE verfolgt mich aber genau so lange und die gemischte Rezeption hat einen Anteil dran, dass ich mich ihm bisher nicht nähern wollte. Regisseur Michele Soavi, der in den Achtzigern auch Darsteller war, ist kein Unbekannter und erschuf vorher mindestens zwei Filme, die von der Liebhabergemeinde selten unter den Tisch gekehrt werden, wenn es um dolle Beispiele italienischer Genre-Könnerschaft geht, als die Industrie bereits aus ihren künstlerischen Fugen geriet: DELIRIA (1987) und LA CHIESA (1989). Die Aussichten, dass der Film kein Totalmurks wird, stehen demnach gar nicht mal so übel.


[Im Geschehen]
Nach bereits wenigen Minuten kann man ahnen, warum DELLAMORTE DELLAMORE nicht von allen Seiten Liebe entgegengebracht wird. Zum einen wartet auf den Zuschauer ein postmoderner Antigenrefilm, zum anderen wählt Soavi auch noch einen besessen künstlerischer Anstrich. Vollkommen verständlich, dass sich da einige fragten, was aus ihrem geliebten Subgenre des Zombiefilms gemacht wurde. Die Gewöhnung an einen anderen Umgang mit dem Stoff begann eigentlich erst ein Jahrzehnt später. Werke wie PONTYPOOL (2008), WARM BODIES (2013) oder MAGGIE (2015) näherten sich der Untoten-Thematik von unkonventionelleren Seiten an. Soavis Versuch, einen feingliedrigen Zombiefilm zu drehen, der sich der poetischen Beleuchtung von Liebe und Tod verpflichtet fühlt, musste zwangsläufig anecken. Je weiter der Film voranschreitet, desto mehr begreife ich die gemischten und oftmals zurückhaltenden Meinungen. Zeitgleich stehe ich auf der Seite derer, die in DELLAMORTE DELLAMORE ein geglücktes Experiment sehen, das um neue Ausdrucksformen im Bereich des Horrorfilms ringt. Die famos poetische Bildsprache, die berührende Sentimentalität sowie die Prise gekünstelter Lässigkeit haben überhaupt nichts mit dem Eurokultstoff zu tun, den man sonst aus dem Land kennt. Michele Soavi ist nicht der Mann für Hingerotztes, Exzessfreudiges oder Psychotronisches und kriegt es sogar hin, dass sein Werk trotz des Humors und einiger klamaukig-absurder Aktionen, eine ernsthafte Auseinandersetzung bleibt. Um was geht es eigentlich? Die Friedhofswärter Francesco Dellamorte und dessen etwas zurückgebliebene Kollege Gnaghi haben im Städtchen Buffalora viel zu tun und dürfen sich keine Fehler erlauben. Die Ruhestätte der Stadt hat nämlich ein Geheimnis: Hier ruhen die Toten nicht für immer, nachdem man sie unter die Erde platziert, sondern stehen nach sieben Tagen wieder auf. Es liegt also an Francesco und Gnaghi, die Auferstandenen per Kopfschuss endgültig ins Totenreich zu schicken. Als die beiden ungleichen Totengräber sich unabhängig voneinander in zwei Frauen vergucken, die ihnen den Kopf verdrehen, wird ihr Trott des Alltags allerdings durchbrochen. Es kommt zu unerwarteten und sehr unerfreulichen Folgen, die der Regisseur zunächst durch die Perspektive eines tragischen Gruselmärchens ablaufen lässt, bevor DELLAMORTE DELLAMORE in den Klimabereich einer Charakterstudie abrutscht, die von moralischen Zweifeln und Depressionen erzählt.


[Im Großen und Ganzen]
Man kann sich sicherlich über die Besetzung der Hauptrolle streiten, welche von Rupert Everett übernommen wird. Der Kerl schauspielert sich zwar solide durch den Plot - dennoch kann man das Gefühl nicht abschütteln, dass seine Performance relativ austauschbar wirkt. Das fällt augenscheinlich in der letzten halben Stunde auf, wenn sein Charakter sukzessive depressiver wird. Dieser ohnehin unwichtige Makel beraubt den Film aber nicht um seine Verdienste in Sachen Filmsprache und Ästhetik, die sich Michele Soavi bei Leuten wie Dario Argento oder Sam Raimi abgeschaut und um neue Aspekte erweitert hat.

A HAUNTED HOUSE
Regisseur: Michael Tiddes
USA 2013

Get the fuck out of the house!

Kaum in das neue Haus eingezogen, stellt das junge Paar Kisha und Malcolm fest, dass in ihrem Heim ein Geist zu wohnen scheint, der Unfugtreiben auf der Liste seiner Hobbys ganz oben zu stehen hat. Auch die Kameras, die überall im und um das Haus herum installiert sind, halten seine stumpfsinnig-ulkigen bis aggressiven Aktivitäten nicht auf. Als dann auch noch Kishas Körper vom Geist beansprucht wird, muss ein Exorzist zu Rate gezogen werden, um das Übernatürliche zu bändigen. A HAUNTED HOUSE folgt der Tradition von SCARY MOVIE und Konsorten, welche Genremuster und Franchiseeigenheiten parodieren, die dem Massenpublikum wohlbekannt sind. PARANORMAL ACTIVITY ist hierbei das Hauptziel dieses Films, der im Allgemeinen ebenso das Found-Footage-Genre verlacht. Also darf die Kamera nie fehlen, als ständiger Begleiter eines afroamerikanische Ehepaars, das in eine weiße Nachbarschaft gezogen ist. Wenn A HAUNTED HOUSE ein Film über die stetige ökonomische Angleichung von schwarzen und weißen Menschen ist, dann kann man in ihm auch das zweifelhafte Gebot einer kulturellen Harmonisierung sehen. 1983 fragte Eddie Murphy noch: "Why don’t white people just leave the house when there’s a ghost in the house?" Das Zitat zeugt insofern von besonderer Beobachtungsgabe, da man davon ausgehen kann, dass Murphy nicht in die Zukunft sehen bzw. den Anstieg von Haunted-House-Streifen ab 2009 antizipieren konnte, die durch die Bank weg mit weißen Menschen als Hauptakteure bestückt wurden. Und auch Komiker Marlon Wayans, der wunderbar den zunächst lockeren Malcolm spielt, stellt klar, dass Ausziehen die beste Idee sei und nur weiße Leute drinbleiben würden. Aber was tut man nicht alles, um sich der weißen Mehrheitsgesellschaft anzupassen? Drei Wochen alte Milch trinken und sich über den Fußboden ziehen lassen, gehören noch zu den netteren Sachen, die das Pärchen durchmachen muss, denn auch Vergewaltigungen gehören zum Repertoire der unsichtbaren Entität. Natürlich trampelt GHOST MOVIE (deutscher Titel) da auf politisch-korrekten Darbietungen und so wird nichtkonsensueller Sex als Bagatelle oder Spaß verkauft. Gleichzeitig kann ich mich nicht daran erinnern, im Mainstreamkino je einen Mann gesehen zu haben, der ohne das Hinzuziehen einer Decke als Zensurhilfe ins Poloch gebumst wird. Man wünscht dem Film natürlich mehr Feingefühl und Reflexionsvermögen, vielleicht sogar mehr Anstand, doch im Grunde genommen überzeugen die Einfälle der Macher, welche die Marotten der PARANORMAL ACTIVITY-Filme aufs Korn nehmen oder die zementierten Genreverhältnisse auf den Kopf stellen. Insbesondere die visuelle Imitation des Ausgangsmaterials ist herrlich schräg ausgefallen.