Donnerstag, 13. Februar 2014

The Ecstasies of Women

The Ecstasies of Women



USA, 1969
Genre: Komödie, Drama (Softcore, Trash)
Regisseur: Hershell Gordon Lewis (als Mark Hansen)
Darsteller: Walter Camp, Bonnie Clark

Am Abend vor seiner Hochzeit veranstaltet Harry eine Junggesellenfeier in einer Tanzbar. Die fröhlichen Gespräche mit seinen drei Freunden am Tisch und der Anblick der Bühne, auf der zwei Damen halb nackt tanzen, inspirieren ihn dazu, sich an einige seiner vergangenen Abenteuer mit Frauen zu erinnern.

Brüste, die nur ablenken wollen

Kommentar: Nach seiner berüchtigten Gore-Phase kehrte Hershell Gordon Lewis Ende der 60er in das Metier zurück, das ihm seine ersten wirtschaftlichen Erfolge lieferte: die Darstellung nackter weiblicher Brüste. Es gibt in dem 1969 erschienenen Film nur wenige Szenen, die ohne die Präsenz von Frauen auskommen. Diese warten natürlich auch alle körperlich mit gängigen Katalogmaßen auf, was vom dünnen Inhalt, den der Film mitbringt, insbesondere die heterosexuellen Männer ablenken soll. Wie so oft, wenn etwas substanziell als minderwertig verschrien ist, können Teile des Komplexes aber die These, dass es sich hierbei um vollständig anti-intellektuelle Unterhaltung handelt, nicht aufrechterhalten. Allein das Ende des Films offenbart eine Zugehörigkeit zu einer progressiven moralischen und sozialen Auseinandersetzung darüber, wie das Liebes- und Lustleben zu organisieren ist. Protagonist Harry, der sich an vergangene Frauenbekanntschaften zu erinnern beginnt, ist das, was man mittels unschöner Sprachverwendung einen Fotzenmagneten nennen könnte, denn die Frauen steigen bei ihm auch während einer langsamen Fahrt ohne nennenswerte Gründe einfach in sein Auto ein und lassen sich obendrein sogar mit paar lahmen Sprüchen aus der stinkenden Sexistenkiste zum Geschlechtsverkehr in einem gewöhnlich erscheinenden Bett überreden. In den letzten Augenblicken von THE ECSTASIES OF WOMEN erreicht ihn, inspiriert von einer Frauenbekanntschaft, mit der er es gerade getrieben hat, der Gedanke, dass er am nächsten Tag doch nicht heiraten möchte (mit einer Frau, über die wir im ganzen Film nichts erfahren). Wir sehen ihn kurz danach, wie er aus einer Wohnung abhaut und das Filmbild verlässt. Eine Heirat würde zu einer erheblichen Veränderung seines Lebensstils führen und ihn, davon ist er überzeugt, sehr unglücklich machen. Seine Gefühle ließen sich am besten wohl mit einem Spruch aus einem Schiller-Drama paraphrasieren: Mein Geist dürstet nach Kopulationen, mein Atem nach Freiheit. Ob man ihn danach sympathisch findet oder ihn dafür verurteilt, das bleibt dann glücklicherweise jedem selbst überlassen. Aber dass dieser Schlusspunkt nicht Gedanken anregend wäre, können doch nur die meinen, die sich von Brüsten haben ablenken lassen.

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