Sonntag, 3. November 2013

Kurzfilm: The Private Life of a Cat und At Land

The Private Life of a Cat



USA, 1944
Genre: Dokumentation (Kurzfilm, Stummfilm)
Regisseur: Alexander Hammid
Darsteller: -

Seine Frau, Maya Deren, realisierte im gleichen Jahr wieder einen höchst experimentellen Film und der Trend in Hollywood zeigte gerade auf die Beliebtheit düsterer Kriminalfilme. Hammid holte sich aber zwei Katzen vor die Kamera und drehte mit ihnen in seiner Wohnung eine kurze Dokumentation, die davon handelt, wie Katzenmama und Katzenpapa sich um den Nachwuchs kümmern. Das kann man als Akt der Verweigerung interpretieren, gerade wenn man bedenkt, dass die Tatzentiere als die einzigen Akteure auftreten. 22 Minuten dauert der Spaß, der damit anfängt, dass ein Kater und eine Katze auf dem Fenstersims hocken und Blicke austauschen. Danach geht das Weibchen einen Ort suchen, dass für die zukünftigen Babys ein vorläufiges Zuhause bilden soll. Ein großer Karton wird als idealer Platz angesehen und wenig später werden dort dann auch die kleinen Stubentiger geboren. Zu diesem Zeitpunkt fragt man sich, wo eigentlich der Kater geblieben ist, denn von ihm ist weit und breit keine Spur zu entdecken. Doch die Befürchtung, es handle sich um ein Exemplar, das seine Angebetene allein mit den Kindern sitzen lässt, kann schnell wieder gewissenhaft zu den Akten gelegt werden. Denn schon lugt er, sich etwas schüchtern präsentierend, aus einer Tür und scheint sich darüber verwundert zu zeigen, was sich da im Karton angesammelt hat. Nachdem die Katzenbabys ein Stadium erreicht haben, wo sie lernen sollen, ordentlich zu laufen, holt die Mutter die fünf Kinder aus dem engen Karton und bringt sie an einen geeigneteren Platz, wo sie viel Raum zum Rumtoben und Quatschmachen haben. Alexander Hammid hat mit diesem Low-Low-Low-Low-Budget-Film auf simple Weise versucht, das private Treiben der Katzen zu dokumentieren. Als ein wirkliches Forschungsobjekt betrachtet er die Tiere aber nicht, denn er nutzt die Geburt von Katzenbabys, um eine Geschichte von Verantwortung und Fürsorglichkeit zu erzählen. Dazu arbeitet er auch mit vielen Schnitten, lässt auf Aktionen Reaktionen folgen, die manipulierend reingemischt wurden, damit der rote Faden der Handlung nicht durchtrennt wird. Das stärkste Argument von THE PRIVATE LIFE OF A CAT ist übrigens das häufige Auftauchen von Close-ups, die uns ein vertrautes Verhältnis zu den Tieren auf dem Bild vortäuschen, aber auch eine zutiefst familiäre Stimmung aufkommen lassen.

At Land



USA, 1944
Genre: Experimental (Kurzfilm, Stummfilm)
Regisseur: Maya Deren
Darsteller: Maya Deren, Alexander Hammid

Der auf 16mm Film gedrehte AT LAND vereint alle typischen Kennzeichen, mit denen Frau Deren bekannt geworden ist. Sie mischt erzählerischen Minimalismus mit avantgardistischer Ausdrucksform und schafft traumähnliche Bilder, die gegen die konventionellen Erwartungen opponieren. Weil alles so schnell abläuft und auf der Oberfläche Dinge geschehen, die mit Sinn und Logik kaum etwas zu tun haben, sieht es mit der Inhaltswiedergabe gar nicht so einfach aus. Eine Frau findet sich am Strand wieder, während das Wasser sie umspült. Auf das Meer blickend, sieht sie, dass sich die Wellen zurückziehen und rückwärts treiben. Etwas später zieht sie sich an einem großen Treibholz nach oben und findet sich auf einmal an einem Tisch wieder, an dem eine gesellige Veranstaltung stattfindet. Von dort nimmt sie eine Schachfigur mit, die sie nachher aber wieder verliert. Alles scheint trügerisch zu sein in der Welt von Maya Deren, da wird ein Mann binnen weniger Sekunden durch einen anderen Mann ausgetauscht, und von Felsen, die man noch gerade hinuntergeklettert ist, kann man auch nicht erwarten, dass sie, nachdem sie ihre Funktion als Absteighilfe erfüllt haben, noch Felsen bleiben und sich nicht etwa in ein Stahlgerüst verwandeln. Sicherlich übt AT LAND nicht die gleiche Anziehungskraft wie MESHES OF THE AFTERNOON aus, was wohl damit zusammenhängt, dass es ihm am schwurbelig-repetitiven Ablauf mangelt, doch braucht sich das Werk nicht vor den berühmtesten 14 Minuten der Underground-Künstlerin zu verkriechen.

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