L'arciere di fuoco (1971)


L'ARCIERE DI FUOCO
(Der feurige Pfeil der Rache)
Regisseur: Giorgio Ferroni
Italien 1971

Der süße Stallgeruch

Ein strahlender Aristokrat inmitten von Normaloerdenbewohnern, mit denen er wildert und stiehlt. Für eine kurze Zeit schließen sich unterschiedliche Stände zusammen, die unter Standardbedingungen nicht viel Umgang miteinander hätten. Doch Hierarchien oder Ständeordnungen werden nicht aufgehoben, sondern unsichtbar gemacht. Nach der Aufnahme in den Kreis der aufständischen Angelsachsen nennt sich der Adelige Sir Henry fortan nur noch Robin Hood und gibt damit zeitweise seine wahre Identität auf. Nicht nach seinem Stand möchte der edle Mann bewertet werden, sondern nach seinen Fähigkeiten. Dagegen ist nur wenig einzuwenden, hat er doch einiges auf dem Kasten. Die Schwertkunst beherrscht er ebenso gut wie die Benutzung von Pfeil und Bogen. Wenn ihm keine Waffen zur Verfügung stehen, helfen auch die nackten Fäuste. Doch den an ihm klebenden süßen Stallgeruch kann Sir Henry von Nottingham trotz Verleugnung seiner Herkunft nie komplett loswerden. Möge die Bande Robin als einen von ihnen betrachten, wir als Zuschauer sehen zuvorderst den Western-Star Giuliano Gemma, welcher mit einer gehörigen Portion Selbstverliebtheit spielt, der ein unverschämt sicheres Auftreten anhängt. Jede noch so schwierige, komplizierte oder peinliche Situation zerplatzt an seiner verschmitzten Visage, die um die Quasi-Übermenschlichkeit ihres Trägers weiß. Bei dem dauergrinsenden Gemma kommt man sich ohnehin wie in einer zu lang geratenen Zahnpastawerbung mit nie aufhörender Beweisführung vor. Ähnlich mit dem Hang zur Kasperei und frei von Realismus interpretiert auch Mario Adorf seine Rolle des Mönches Bruder Tuck, der mit seinen Lateinimitationen Schwung auf die Leinwand bringt. Regisseur Ferroni lässt es sich nicht nehmen, aus der englischen Sage einen Abenteuerklamauk zu fabrizieren, der das Parodiepotenzial in den Vordergrund schiebt und die sozialen Fragen ausklammert. Gerechtigkeit bedeutet hier, dass der gute König den Thron besteigen darf. Die Simplizität der ideologischen Einigkeit entreißt den gewieften Kompositionen, die den Bildern zur Prägnanz verhelfen und selbst Massenszenen in übersichtliche Tableaus übersetzen, jedoch nicht die Faszination. Ferroni ist letztlich ziemlich toll darin, ein Filmemacher zu sein, der niedergeschriebenes Mittelmaß in ein wunderhübsches dringliches Aquarell verwandeln kann.

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