Sonntag, 13. Oktober 2013

Eine Jungfrau in den Krallen von Zombies

Eine Jungfrau in den Krallen von Zombies (Christina, princesse de l'érotisme)



Belgien/Frankreich/Italien/Liechtenstein, 1973
Genre: Horror
Regisseur: Jesús Franco
Darsteller: Christina von Blanc, Britt Nichols

Nach dem Tod ihres Vaters besucht Christina dessen Schloss, um dort die Testamentseröffnung verlesen zu bekommen. Sie übernachtet in einer Gaststätte, wo ihr eine Wirtin mitteilt, dass das Schloss leer sei und sich dort niemand befinde. Sie reist dennoch weiter und trifft dort ihre Verwandten, die sich alle merkwürdig verhalten. Nach kurzer Zeit merkt Christina, dass etwas nicht stimmt, doch kann sie sich aus den Fängen ihrer blutliebenden Verwandten nicht befreien.

Wenn Klischees fallen gelassen werden, gibt es kein Halten mehr

Kommentar: Zuerst besteht das Skript noch darauf, Elemente aus der Klischeekiste rauszupacken. So stellt man uns eine junge Frau vor, die neu an einem Ort ist und das Schloss ihres verstorbenen Vaters besuchen möchte, wo sich zurzeit auch ihre Verwandten aufhalten sollen. Natürlich wird sie zuvor aber noch in einem Gasthaus über die Gefährlichkeit ihrer Zielmarkierung aufgeklärt, was sie jedoch gemäß irgendwelcher Gesetzbücher für die Horrorfilmherstellung selbstedend kalt lässt. Doch dann reißt sich EINE JUNGFRAU IN DEN KRALLEN VON ZOMBIES von solchen Ritualen frei und entwickelt sich zu einer verdammt fiebrigen Albtraumcollage, in der man sich überhaupt nicht mehr sicher sein kann, welche Bilder als nächstes kreiert werden. Alles scheint möglich, es gibt kein Halten mehr. Sobald sich Francos Film von den Ketten erzählerischer Ordnung löst, folgen wir Hauptfigur Christina dabei, wie sie versucht, Traum und Wirklichkeit auseinanderzuhalten und sich gegen den bösen Spuk zu wehren, der sie terrorisiert.

Regisseur Franco, der in seinen besten Phasen einen B-Film nach dem anderen rausgehauen hat, bekommt es hin, kontemplative Momente und zittrige Augenblicke so zusammenzufügen, dass sie ein Durcheinander abgeben, das nicht arthousig auftritt oder von Filmtheorie inspiriert ist, sondern welches uns einfach ein hervorragendes Amalgam aus verworrener Exploitationkost und noch verworrenerem Ausbruch in die Bilderkunst anerkannter Kinomeister bietet. Welch entrückenden Eindrücke dieses Horrorwerk produzieren kann, sieht man sehr gut in einer Sequenz, in welcher eine Frau in einem roten Kleid sich auf dem Teppich zur Klaviermusik hin- und herrollt, sich ausstreckt sowie vor- und zurückkriecht. Warum sie das macht, wussten wahrscheinlich nicht einmal die Macher selbst, aber ihre lustvollen Bewegungen sehen unglaublich schön aus, so als ob sie eine andere, wundersame Welt betreten habe und wir nun Zeugen ihrer Lust sein dürfen. Um Zombies geht es in dem Originalschnitt von 1971 übrigens nicht, denn die Untoten wurden erst 1980 von Regisseur Jean Rollin hinzugefügt, allerdings wurden die neu aufgenommenen Szenen auch zusammenhanglos in die ursprüngliche Fassung reingerammelt, sodass der Rollin-Cut noch freakiger ist als die Franco-Version.

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