Montag, 14. Oktober 2013

Die Wand

Die Wand



Österreich/Deutschland, 2012
Genre: Drama
Regisseur: Julian Pölsler
Darsteller: Martina Gedeck, Hans-Michael Rehberg

Eine Frau begibt sich mit einem befreundeten Paar auf eine Jagdhütte in den Bergen. Das Paar geht ins Dorf, das sich in der Nähe befindet, während die Frau allein in der Hütte bleibt. Als diese am nächsten Morgen aufwacht, sieht sie, dass die anderen zwei Mitreisenden immer noch nicht zurück sind. Sie beschließt, die Gegend zu erkunden und stößt ein wenig später auf eine unsichtbare Grenze, die das Weitergehen nicht gestattet. Eine Wand trennt sie und die Zivilisation.

Langsames Mystery-Drama über das Arrangement mit der Isolation

Kommentar: Schöne Bilder von der Natur wechseln sich mit anderen schönen Bildern von der Natur ab, und trotzdem scheint vieles im Argen zu liegen. Die Natur hat für die Frau, die von einer anonymen Kraft anscheinend gefangen genommen wurde, etwas von einem Lebenselixier, was auch exemplarisch verdeutlicht wird, als sie sich an einer Stelle des Films unter die Strahlen der Sonne legt und dabei wahrscheinlich für einen begrenzten Zeitraum alle Sorgen los wird. Doch auch ihre Tiere, die sie in der Gegend auffindet, stärken ihren Selbsterhaltungstrieb und geben ihr Aufgaben für den Tag. Ihre unfreiwillige Existenz außerhalb zivilisatorischer Prozesse, ihre vollständige Isolation führt dann dazu, dass sie Gedanken zu Papier bringt und über das Menschsein in einer von Menschen abgeschotteten Kleinwelt philosophiert. Der Vorwurf, der dem Film nicht gerade selten gemacht wird, ist überraschenderweise der, dass Martina Gedeck, die die eingesperrte Frau spielt, ihre Denkbeiträge und Nacherzählungen monoton präsentiere und dies dem Plot seinen eigentlich vorhandenen Reiz entziehen würde. Mehr als eine Behauptung, die diskret aus der Pampe herausgeholt wurde, sehe ich hier allerdings nicht. Denn neben dem Gegenargument, dass eine Stimme, die sich anhört, als würde ihr Besitzer einfach nur irgendwelche Zeilen ablesen, den Aufnahmen ein gespenstisches Ambiente verleihen kann, scheint es mir hier auch einen aus meiner Sicht logischen Bezug zur Vereinsamung der Protagonistin zu geben, die aufgrund der ihr weggenommenen Identität ihren Zustand der Enttäuschung kaum verbergen kann. Sie hat sich nach mehr als zwei Jahren zwar mit ihrer Lage abgefunden, aber der Mythos Natur ist geblieben.

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