Samstag, 17. November 2012

Sonnenaufgang - Lied von zwei Menschen

Sonnenaufgang - Lied von zwei Menschen (Sunrise – A song of two humans)



USA, 1927
Genre: Drama (Stummfilm)
Regisseur: Friedrich Wilhelm Murnau
Darsteller: George O'Brien, Janet Gaynor

Ein verheirateter Mann vom Land beginnt eine Affäre mit einer Frau aus der Stadt. Sie bittet ihn, mit in die Stadt zu ziehen. Dafür soll er sein Grundstück verkaufen und seine Frau im örtlichen See ertränken. Nach anfänglichem Zögern erklärt sich der Mann bereit, seine Ehepartnerin in ein Boot zu locken. Am frühen Morgen machen beide einen Bootsausflug, doch ein Mord geschieht nicht. An einem Ufer angekommen, steigt die Frau, zu dieser Zeit bereits über die bösen Absichten ihres Ehepartners informiert, in eine Straßenbahn, die in die Stadt fährt. Der Mann kann sie einholen und bittet sie während der Fahrt um Verzeihung.

Leidenschaft - die edelste aller Tugenden eines Filmemachers

Kommentar: Sobald ein Film es versteht, eine Stimmung zu erzeugen, die mehr als Künstlichkeit in sich birgt, überbringt er aus dem Fiktionalen etwas Tatsächliches. Statt den Dämonen der Verfälschung zu huldigen, baut er eine Basis für pure Emotionalität auf. Murnaus erster amerikanischer Beitrag gehört zu dieser Sorte Film, weil er unter anderem universelle Motive und die von Schablonen abgezeichneten Schuld-und-Vergebung-Episoden weder als Banalität begreift noch als Anlehnung an einen Realismus verpackt. SONNENAUFGANG tickt nicht zuletzt wegen des unverhofften Happy Ends wie ein Märchen, oder noch besser: ein Traum. Von unbändiger Dynamik beherrscht, ruft die durch wenige Zwischentitel unterbrochene Handlung einen faszinierenden Strom aus stimmungsreichen Bildern hervor. Murnaus Skills bei der Bildsprache geben nicht nur eine pointierte Beschreibung von Haltungen und Gefühlen der Figuren wieder. Sie setzen nicht weniger vortrefflich auch die Umgebungen in Szene, sei es die zur Versöhnung dienende Großstadt oder die zur Bedrohung werdenden Natur auf dem Land. Das Erzählen ist in SUNRISE - A SONG OF TWO HUMANS nie ein Motor, welches bloß dafür zuständig ist, konfliktfördernde und -neutralisierende Handlungspunkte anzufahren. Das Erzählen ist in diesem Film überdimensionale Leidenschaft, welche, durch ihr unzögerliches Auftreten, Leidenschaft im Kino für notwendig erklärt. Sie ist in der Lage die Verfälschung der emotionalen Ebene zu verhindern, denn nur wenn der Filmemacher sich einen wahrhaftigen Zugang zu seinen fiktionalen Figuren bohren kann, können wir das auch.

7/10

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