Montag, 7. Oktober 2013

Die Narbenhand

Die Narbenhand (This Gun For Hire)



USA, 1942
Genre: Thriller
Regisseur: Frank Tuttle
Darsteller: Alan Ladd, Veronica Lake

Der Auftragskiller Raven wird von seinem Auftraggeber Willard Gates zwar bezahlt, jedoch stellen sich die Scheine als Falschgeld heraus. Deshalb will Raven sich Willard und die Männer, für die er arbeitet, vornehmen. In einem Zug nach Los Angeles trifft er auf Ellen Graham, die von der Polizei damit beauftragt wurde, alles über Willard Gates und seine Beziehungen zu Japanern herauszufinden, an die er chemische Waffen verkaufen soll.

Kalt wie ein Eisblock

Kommentar: Wenn es lang wird, kann es schon mal anstrengend sein, einen Film bis zum Ende durch- bzw. auszuhalten. Mit dieser Hürde muss man jedoch bei DIE NARBENHAND nicht rechnen, denn hier setzte man auf präzise Kompaktheit und verzichtete auf unnötige Kleinigkeiten. Das Geschehen wirkt in den 80 Minuten darum auch sehr furios, obwohl man mit mehreren längeren Dialogpassagen konfrontiert wird, die den Handlungsfortschritt zu einem langsamen Gang zwingen. Dass es sich bei dem Thriller von Tuttle um kurzweilige Unterhaltung handelt, bedeutet jedoch keineswegs, dass der Film mediokeres Vergnügen bietet oder es ihm an Relevanz mangelt. Der Noir über einen Berufskiller, der sich gegenüber seiner Umwelt kalt wie ein Eisblock verhält, wirkte auf andere Macher, und veranlasste sie, Filme zu drehen, in denen Charaktere vorkamen, die sich am Typ des emotional verkrüppelten Antihelden orientierten. Die Psychologie des Protagonisten ist in DIE NARBENHAND eindeutig und wird den Rufen nach seelisch komplexen Charakteren natürlich keineswegs gerecht, was sie aber nur noch besser aussehen lässt. Schön ist auch, dass der Thriller schon im Beginn keinen Hehl daraus macht, in welchem Zustand die Hauptfigur ist, denn in den ersten Szenen sehen wir ihm dabei zu, wie er einer Frau das Kleid zerreißt, ihr ein paar kräftige Backpfeifen gibt und etwas später dann zwei Menschen ohne jede Gefühlsregung abknallt. Weil das alles so gnadenlos gekonnt inszeniert wurde, sind diese Aufnahmen absolut nicht dazu gedacht, dass man sie lustvoll genießt und sich an ihnen labt, sondern dass man sie verdaut und sich ob der Brutalität gegebenenfalls erschreckt, mit der die handelnde Figur verfährt. Ein tolles Außenseiterporträt - wenn man DIE NARBENHAND mit diesen Worten umschreiben darf.

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