Freitag, 27. September 2013

Titanic

Titanic



Deutschland, 1943
Genre: Drama
Regisseur: Werner Klingler, Herbert Selpin
Darsteller: Sybille Schmitz, Hans Nielsen

Damit die Aktienkurse der White Star Line nicht noch weiter sinken, befiehlt der Präsident der Linie, Sir Ismay, dem Kapitän der "Titanic", Vollgas zu geben, um den Atlantik in Rekordzeit zu überqueren. Der Ruhm soll das Unternehmen finanziell sichern. Nur der deutsche Offizier Petersen sieht eine Gefahr in diesem Vorhaben und versucht mit Überzeugungskraft und guten Argumenten, Sir Ismay von seinem Plan abzubringen.

Der deutsche Vernunftmensch gegen die englischen Barbaren

Kommentar: Der verlogene Film über die Luxusliner-Katastrophe aus dem Jahr 1912 zeigt beispielhaft, wie Propaganda mit den Mitteln der Tatsachenverfälschung und einer verdrehten Kontextbewertung funktioniert. Nicht Faktentreue und Wiedergabeauthentizität standen als Programmschwerpunkte fest, sondern schlichte Stimmungsmache und das Aufzeigen eines konkreten Feindbilds. Der anti-britische Film kümmert sich deshalb auch einen feuchten Kehricht um die wahren Ereignisse und Hintergründe. In ihm dreht sich stattdessen alles um die egozentrischen Engländer aus der Upperclass, und wie sie versuchen, sich in Sachen Moneten gegenseitig die Butter vom Brot zu nehmen. Nur ein deutscher Offizier behält stets einen klaren Kopf, lässt sich nie bestechen und ahnt das Unglück, welches das Schiff ereilt, als einziger voraus. Zwar besitzt TITANIC sehr viele Nebenplots und wagt den Versuch, die emotionale Kälte in der Oberschicht zum wichtigen Bestandteil der Drama-Handlung zu machen, doch nach einer ziemlich laschen 30-minütigen einführenden Bestandsaufnahme verlegt der Film den Blick ganz auf den Kampf des Deutschen, der sich als aufrechter Vernunftmensch gegen die moralische Degeneration der Kollegen und Passagiere auflehnt. Weil das Wesen der Charaktere jedoch stark determiniert ist, gibt es für überraschende und auffällige Wendungen keinen Platz, manchmal mutieren anfangs noch harmlose Passagen gar zu nervtötenden Dialogabschnitten, da die Personen nur nach ihrer stereotypen Bestimmung Handeln und Reden, somit praktisch nur die Funktion haben, das System der Propaganda aufrechtzuerhalten. Mehrdeutigkeit fürchtet dieses in Seifenoper-Elementen schwimmende Werk wie der Teufel das Weihwasser - wobei sich die Frage stellt, ob denn der Teufel wirklich mit der Pietätlosigkeit mithalten könnte, die sich hier die Nationalsozialisten leisteten, nämlich eine reale Schiffskatastrophe in eine "Anklage gegen Englands Gewinnsucht" umzudeuten.

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