Donnerstag, 27. Juni 2013

Enthüllung um Mitternacht

Enthüllung um Mitternacht (Midnight)



USA, 1939
Genre: Komödie
Regisseur: Mitchell Leisen
Darsteller: Claudette Colbert, Don Ameche

Der Zufall führt die Amerikanerin Eve Peabody, die gerade nach Paris gekommen ist, um in der Stadt einen Job als Barsängerin zu finden, mit dem Taxifahrer Tibor Czerny zusammen. Der fährt sich von Nachtklub zu Nachtklub und verliebt sich schließlich in seine Kundin, die ihm allerdings wieder wegläuft und in einer feierlichen Veranstaltung einer upper class-Gemeinschaft landet. Dort gibt ihr der Millionär Georges Flammarion die Identität einer reichen Baronin, weil sie seiner untreuen Frau Helene ihren Geliebten ausspannen soll.

Billy Wilder ärgerte sich, wir freuen uns

Kommentar: Zusammen mit MEIN LEBEN IN LUXUS ist ENTHÜLLUNG UM MITTERNACHT der erste Film, an den man denkt, wenn von Leisens romantischen Komödien die Rede ist. Der für den Chefsessel zuerst nicht vorgesehene Regisseur machte aus dem raffinierten Skript von Billy Wilder und Charles Brackett, das er besonders zum Ärger des Erstgenannten ständig etwas veränderte, einen mit Lust, Leidenschaft und Reife vorgetragenen frivolen Film, der ohne viel Achtung für Punkte und Kommas voranschreitet und erzählerisch einen auf mehreren Zufällen basierenden Eintritt einer aus gewöhnlichsten Kreisen stammenden Frau in die Welt der upper class-Gesellschaft behandelt. Leisens Hochstapler-Farce greift selbstredend auf die Implikation von Elementen aus der screwball comedy zurück und entzückt stellenweise mit absurdem Verkleidungstheater, dessen Rasanz unter anderem deshalb so viel Potenz besitzt, weil dominante Zeitsprünge ausbleiben. Das Leitmotiv des "positiven Identitätsschwundes" ist hier aber nicht Trumpf allein, denn noch mehr Wirkung zeigt sich durch die Umsetzung der Spielchen mit dem Publikum, welches sich auf eine Genre inhärente Wiederherstellung der vorherigen Situation, also das Ende der Maskerade mitsamt Erklärungen und Beichten, verlässt. Um diesen Punkt wussten die Macher offensichtlich sehr gut Bescheid, weshalb sie es sich nicht nehmen ließen, ihre eigenen Erwartungen an die Zuschauererwartungen in kreativer Weise auszukosten. Daher gibt es statt moralisierender Auflösungslogik einfach ein Auseinandergleiten zweier unterschiedlicher Lebenswelten. Ganz ohne Erklärungen oder Beichten.

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