Dienstag, 4. Juni 2013

Das Verbrechen des Herrn Lange

Das Verbrechen des Herrn Lange (Le Crime de Monsieur Lange)



Frankreich, 1936
Genre: Komödie, Drama
Regisseur: Jean Renoir
Darsteller: René Lefèvre, Jules Berry

Amédée ist ein Angestellter in einem kleinen Verlag für minderwertige Literatur und arbeitet unermüdlich an seinen fiktiven Westerngeschichten über den Helden Arizona Jim. Sein Chef Batala ist jedoch ein wahrer Kotzbrocken, der Geldgeber und seine Mitarbeiter schamlos ausbeutet. Als dieser großen finanziellen Ärger riecht, haut er sogleich ab. Weil man aus den Nachrichten entnimmt, dass Batala wohl bei einem Zugunglück umgekommen wäre, wird das Unternehmen neu ausgerichtet und endlich auch vernünftig geführt, sodass die
Firma schon bald große Erfolge verzeichnen kann.

Der böse Bösewicht

Kommentar: Was die Ansammlung mehrerer sich untereinander verständigender Menschengruppen in einem einzigen Bild, die Kamerafahrten- und schwenks auf engsten Räumen sowie die clevere Verwendung der Tiefenschärfe angeht, ist dieser Film Renoirs Meisterwerk DIE SPIELREGEL nicht unähnlich, weswegen man ihn ruhig als einen Vorboten kennzeichnen darf. Obgleich er natürlich nicht dessen handwerkliche Klasse erreicht, ist die Agenda der dynamischen Kamera in DAS VERBRECHEN DES HERRN LANGE eine schon an sich lobenswerte Veranstaltung, die in vielen Phasen sogar einen wahrhaftigen Schmaus für die Augen des Zuschauers zaubert. Im kleinbürgerlichen Milieu angesiedelt, folgt der Film der Geschichte um einen Mord an einem skrupellosen Verleger, der Kreditgeber, seine Mitarbeiter sowie andere Menschen in seiner Nähe für seine Zwecke benutzt. Allerdings geschieht dies in einer Nacherzählung innerhalb einer Rahmenstory, die von der Flucht des Mörders und seiner Freundin handelt: Nachdem die beiden in einer Gaststätte nahe der belgischen Grenze haltmachen, haut sich der Mörder selbst erst einmal prächtig in die Federn, während seine Begleiterin den in der Bar sitzenden Männern die Umstände erklärt, die ihren Gefährten zum Mord trieben, und ihnen die Möglichkeit gibt, das Verbrechen ihres Freundes zu beurteilen.

Die interessanteste Figur in diesem zumeist witzigen Streifen ist übrigens zweifellos der zur Tötung vorgesehene Bösewicht, welcher einen unglaublichen Sinn für alles Verdorbene und Geschmacklose hat. Jules Berry als rücksichtsloses Arschloch, als ekelhafter Ausbeuter, als so etwas wie die Karikatur eines Kapitalisten, setzt das Feindbild der hart schuftenden Bevölkerung und der Linken dann auch phänomenal um, sodass DAS VERBRECHEN DES HERRN LANGE sicherlich auch als Lied auf die Seele des Kleinbürgers, seiner Nöte und seinen Kampf gegen ökonomische Ungerechtigkeit zu interpretieren ist.

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