Samstag, 21. Dezember 2013

Best-of Erstsichtungen 2013: Arsen und Spitzenhäubchen

Arsen und Spitzenhäubchen (Arsenic and Old Lace)



USA, 1944
Genre: Komödie
Regisseur: Frank Capra
Darsteller: Cary Grant, Josephine Hull

Der bekannte Theaterkritiker Mortimer Brewster hat geheiratet und möchte nun auf eine Hochzeitsreise aufbrechen. Doch zuvor stattet er seinen beiden Tanten Abby und Martha einen Besuch ab, der allerdings unerwartete Folgen mit sich bringt. Er entdeckt in einer Truhe eine Leiche und erfährt von seinen Verwandten daraufhin, dass noch elf weitere im Keller liegen.

Eine rauschhafte Szene jagt die nächste

Kommentar: Selbst ich vertrat mal die Ansicht, dass alte Komödien nicht lustig seien, weil der Humor sich verändert habe und man doch kaum über irgendein Zeug lachen könnte, welches noch zu Lebzeiten Hitlers gedreht wurde. Vor mindestens zwei Jahren habe ich diese Meinung allerdings vollständig revidiert und hätte ich das vorher nicht getan, dann wäre das spätestens nach meiner Sichtung von ARSEN UND SPITZENHÄUBCHEN so weit, denn selten hat mich eine Filmkomödie so sehr vergnügt, wie der von rauschhaften Szenen durchzogene, unter Strom stehende, bebende und quietschende, mit Cary Grant in der Hauptrolle perfekt besetzte Streifen, der an einem einzigen Tag und größtenteils in einem einzigen Raum spielt. Er bedient auf fantastische Weise verschiedene Spielarten der Komödie und lässt sich deshalb auch schwer in einer Schublade unterbringen. Wirrwarr wird am Band produziert, wenngleich es niemals um die Summe bizarrer Ereignisse geht, sondern um deren Verkettung. Auf diese Weise kann der Film so viel Schippen drauflegen, wie er möchte, die Schüssel schwappt einfach nicht über. Nicht Stichworte fügen sich aneinander, vielmehr handelt es sich um ganze Schachtelsätze, die von einem weisen Verstand der Macher zeugen. Mit Grants Rolle kann man fast schon Mitleid haben, schließlich wollte der Arme seinen zwei Tanten bloß erklären, dass er wegfahren wird, doch dann muss er zusammenzuckend feststellen, dass die beiden Frauen schon zwölf Männer umgebracht haben und gar nicht daran denken, mit den Verbrechen aufzuhören. Ballaballa-Attitüden und aufgeregte Versuche, den Irrsinn zu verstehen, wechseln sich daraufhin ab. Die Figur von Cary Grant weiß gar nicht, wie ihm geschieht, und tut anschließend alles dafür, dass seine Frau nicht von den Familienangelegenheiten Wind kriegt. Mit dem ständigen Abtreten von Figuren macht der Film auf seine Theaterherkunft aufmerksam, die ebenso durch die kinematografische Einfachheit unterstützt wird, während er sich in den Referenzen an den Kriminal- sowie den Horrorfilm auf sein eigenes Medium konzentriert.

In der Reihe "Best-of Erstsichtungen 2013" gehe ich auf Filme ein, die ich im Laufe dieses Jahres zum ersten Mal gesehen und für genial befunden habe.

0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen