Samstag, 20. April 2013

Straße ohne Ende

Straße ohne Ende (Kagirinaki hodo)



Japan, 1934
Genre: Drama (Stummfilm)
Regisseur: Mikio Naruse
Darsteller: Setsuko Shinobu, Akio Isono

Sugiko arbeitet als Kellnerin in einem kleinen Café und führt wie ihre Kolleginnen ein ziemlich bescheidenes Leben. Als sie auf dem Weg zu einer Verabredung unachtsam über die Straße läuft, wird sie von einem Auto gerammt, dessen Fahrer sie gleich danach ins Krankenhaus bringt. Doch der Mann zeigt nicht nur große Schuldgefühle, sondern beginnt schon bald, ehrliche Liebe für sie zu empfinden, die Sugiko auch erwidert. Schließlich heiraten die beiden, womit ihre Beziehung auf die Probe gestellt wird, weil Mutter und Schwester des Mannes der neuen Ehefrau mit Vorurteilen, Missgunst und Antipathie begegnen. Der Grund für diese Haltung ist die Sorge um den guten eigenen Familiennamen und die Tatsache, dass Sugiko nicht aus einem wohlhabenden Hause stammt.

Kraftvoll und analytisch

Kommentar: 1934 drehte Mikio Naruse, zwischen einem Haufen an Arbeiten in den zurückliegenden und nachfolgenden Jahren, nur einen einzigen Film, der auch das Ende seiner persönlichen Stummfilm-Ära einläutete. Da ich noch kein anderes Werk des anerkannten japanischen Regisseurs bewundern durfte, versuche ich es gar nicht erst, "Straße ohne Ende" in einen breiteren Kontext zu setzen. Es bleibt mir stattdessen die Position des leidenschaftlichen Schwärmers, der allein über die hier dargebotenen Errungenschaften sprechen kann. Kurz zusammengefasst wimmelt es in "Straße ohne Ende" nur so vor Attraktionen und Wirkungen, in welchen man irgendwann ganz von allein zu suhlen anfängt. Die Auslösung dieses Verhaltens ergibt sich mumaßlich aus der gescheiten Rücksichtnahme der Macher auf Form und Inhalt, die zwar grandios anzusehen und anzufühlen sind, aber niemals über die Gebühr strapaziert werden. So ist Naruses Film übertrieben lebendig und kraftvoll, doch ebenfalls analytisch und unselbstsüchtig.

Inhaltlich wird die japanische Gesellschaft der 30er Jahre beim Miteinander beobachtet und psychosoziale Faktoren in den Vordergrund gerückt, da sie die tief in der Gesellschaft verwurzelten feudalistischen Vorstellungen über die Familie sichtbar machen. Naruses Geschichte dreht sich, bis auf einige kleinere Nebenplots, ganz um die als Kellnerin arbeitende Sugiko, die plötzlich einen wohlhabenden Mann kennenlernt und diesen sogar heiratet. Natürlich ist die Familie ihres Ehemannes gar nicht darüber erfreut, dass die Frau ehemals zur Arbeiterklasse gehörte. Deshalb begegnen Mutter und Schwester des Mannes der neuen Ehefrau mit Vorurteilen, Missgunst und Antipathie, bis diese beginnt, den Sinn ihrer augenscheinlich unerwünschten Beziehung zu hinterfragen. Während die Bilder in "Straße ohne Ende" zumeist eine tugendhafte Bescheidenheit ausdrücken, weil sie nur so aussehen, als würden sie das Geschehen recht effektlos zeigen wollen, gibt es immer wieder Momente, die aufgeregt und fiebrig ablaufen - und die man als experimentelle Montage sowjetischer Prägung bezeichnen könnte. Das leichte Melodram endet teilweise drastisch und konsequent, obwohl die finalen Einstellungen wiederum sehr viel Versöhnliches enthalten

7/10

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