Samstag, 20. April 2013

Stille Sehnsucht

Stille Sehnsucht (Warchild)



Deutschland/Slowenien, 2006
Genre: Drama
Regisseur: Christian Wagner
Darsteller: Labina Mitevska, Senad Basic

Vor zehn Jahren verlor Senada in den Wirren des Bosnienkrieges ihr Kind. Als sie in den Besitz einer Spur kommt, hängen ihre Gedanken nur noch an ihrer Tochter und der Möglichkeit, sie zu finden. Obwohl ihr Ex-Mann noch versucht, sie zu überreden, tritt sie die Reise nach Europa an, wo sie nach fünf Monaten erfolgloser Suche in Österreich nach Ulm kommt und dort schließlich ihre Tochter findet, die fester Bestandteil einer gutbürgerlichen Familie ist.

Kein Sturm, keine Verwüstung

Kommentar: Ein sich ständig zwischen der Dürftigkeit des bloßen Kitschs und den Spannungsreizen eines Mutter-Dramas bewegender Film, der zuerst den Anschein macht, als würde er in seinem Ablauf ganz genau die Wege einnehmen, die jeder halbwegs erprobte Zuschauer auch von einem auf Emotionen zurechtgebürsteten Frau-sucht-ihr-Kind-Sujet erwartet. Doch STILLE SEHNSUCHT lässt einige Dinge ausfallen, deren wiederholter Einsatz in ähnlichen Filmen sie als wesentlich und besonders wichtig herausstellt. Am augenscheinlichsten pfeift Christian Wagner in seinem Werk auf die Überpräsentation des Kindes, um die sich die gesamte Handlung dreht. Mit Besonnenheit richtet er stattdessen seinen Blick auf die Erwachsenen, denen man schon fast vorwerfen kann, sie veranstalteten eine kleine Schlacht um das Wohl des Kindes und des eigenen Selbstwertgefühls. Leider verpasst es Wagner, mehr Sturm und Verwüstung ins Spiel zu bringen, womit nicht Krach und hektische Drehbuch-Spielchen gemeint sind, sondern hungrige Respektlosigkeiten wie die Verwischung gesetzter Schwarz-Weiß-Muster. So lässt sich resümieren, dass der Regisseur die Odyssee einer jungen Osteuropäerin und ihre Suche nach dem in den Kriegsjahren verloren gegangen Kind zwar ernst nimmt und dieses Terrain mit all seinen Schwierigkeiten in einen politischen Kontext einzubringen versucht, doch STILLE SEHNSUCHT mit seinem stark limitierten Interesse für Ambivalenzen keinen bleibenden Eindruck hinterlassen kann.

4/10

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