Donnerstag, 24. Mai 2012

Schlafkrankheit

Schlafkrankheit



Deutschland, 2011
Genre: Drama
Regisseur: Ulrich Köhler
Darsteller: Pierre Bokma, Jean-Christophe Folly

Das Ehepaar Velten, Ebbo und Vera, lebt seit vielen Jahren in vielen afrikanischen Ländern, da der Mann der Familie, Arzt und Entwicklungshelfer ist. Da sie ihre Tochter jedoch auf ein Internat in Deutschland schicken, doch sich in Zukunft mehr um sie sorgen wollen, ziehen sie es vor, wieder zurück in die Heimat zu fliegen. Doch Ebbo fühlt sich so stark zu Afrika hingezogen und scheint so entfremdet von Deutschland zu sein, dass er sich entschließt, auf dem afrikanischen Kontinent weiter zu arbeiten.

Kommentar: "Schlafkrankheit" ist keine konkrete Studie über die Entfremdung, sondern ein Versuch dieses Phänomen anhand zweier unterschiedlicher Biografien fassbar zu machen. Deshalb behandelt der Film eben auch andere Schwerpunkte. An vorderster Stelle steht natürlich der postkolonialistische Irrsinn in Afrika. Doch auch die Relativität des schwarzen Kontinents von dem europäischen thematisiert Köhlers größtenteils nüchtern inszeniertes Werk, welches sich nicht scheut, unangenehme Wahrheiten zu problematisieren. Die beiden Charaktere, um die es hier geht, haben täuschend ähnliche Schwierigkeiten mit ihrer heimischen Identität. Der in Afrika lebende Ebbo und der aus Frankreich angereiste Alex fühlen sich entfremdet, sie sind ihrer Herkunft zwar bewusst, aber nicht mehr verbunden. Oder die anderen sind es, die Probleme haben, sie zu akzeptieren. Beide Menschen treffen in Kamerun aufeinander. Die Kamera fängt die Unerträglichkeit des Bewusstseins über ihre Anwesenheit besonders adäquat auf, wenn sie ihren Blick auf die Landschaft wirft. Die schwüle, unangenehm warme Stimmung transportiert ein Gefühl des Ausschlusses, an dem beide Protagonisten leiden. Dass das Finale in einem transzendentalen Höhepunkt mündet, ist genauso überraschend wie exquisit - ein magic moment!

6/10

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