Khomreh (1992)


KHOMREH
(ET: The Jar)
Regisseur: Ebrahim Foruzesh
Iran 1992

Ein unschuldiger Krug 

Innerhalb der Künstlichkeit des Films spricht aus den zwischenmenschlichen Konflikten eine Politur, durch die das Alltägliche und Unbedeutende entfernt wurde. KHOMREH ist aus diesem Grund auch ein Zwitterwesen, versammelt er doch beobachtend-realistische Kamerabilder und theatralisch wirkende Textzeilen, die ständig einem Ursache-Wirkung-Kreislauf unterworfen werden, zu einem Lied über Scham, Neid, und Angst. Ferner auch über Bösartigkeiten, die oft gar nicht als Bösartigkeiten intendiert waren, jedoch durch Kontextualisierung als Teufel an der Wand erscheinen. Der Film beginnt mit einem kaputten Krug, welcher in der einzigen Schule des Dorfes steht, damit die Kinder nicht verdursten, weil sie sonst zu einem Bach laufen müssten, für den einige Minuten Wegstrecke benötigt wird. Eines Tages fängt jedoch das Wasser aus dem Steinkrug zu lecken an. Eine Neuanschaffung wäre teuer und umständlich, da die nächste Stadt viele Kilometer weiter entfernt liegt. Obwohl der Vater von Khavar solche Arten von Gefäßen reparieren kann, weigert sich dieser mit der Erklärung, er könne seinen Hauptjob nicht vernachlässigen, da er die Familie ernähren muss. Schon entbrennen in Khavar Gedanken, die anderen Kinder würden ihn hänseln, weil sein Vater kein Engagement zeigt. Darauf schwänzt der Junge sogar ein paar Stunden Schulunterricht, woraufhin ihm sein Vater vor dem Lehrer und den anderen Kindern Schläge androht. Letztlich zeigt er sich aber einsichtig und versucht den Steinkrug wieder in Ordnung zu bringen. Der Zuschauer erkennt jedoch über die Art und Weise, wie der Film diktiert ist, dass der Versuch scheitern wird und neue, vermeidbare Zwistigkeiten Einzug halten werden. Zwar spricht jede Erwachsene Person aus, dass man dem Gerede der Leute kein Gehör schenken sollte, doch alle tun es trotzdem. Die menschliche Spezies als soziales Tierwesen, welches sich nach allen Seiten umschauen muss und sich vor jeder Statusgefährdung fürchtet. Die Kamera wird das kleine Dorf, welches zentral im Land liegen soll, den ganzen Film nicht verlassen. Hier, wo Scherze zu Verleumdungen und Engagement zu Verrücktheit oder Gier stilisiert werden und ein unschuldiger Krug im Schatten eines blätterlosen Baums steht, um schon bald durch einen neuen Krug ersetzt zu werden.  

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