In den Gängen (2018)


IN DEN GÄNGEN
Regisseur: Thomas Stuber
Deutschland 2018

Auf dem Gabelstapler, auf der Laderampe, in den Gängen

Irgendwo in der ostdeutschen Provinz steht ein Großmarkt, dessen Gänge symmetrisch angeordnet sind. Vor langer Zeit mal wurden die Abstände vermessen, um einer geometrischen Konsistenz Rechnung zu tragen. Jetzt kommen Kunden zum Einkaufen und Angestellte zum Arbeiten. Zur letzten Sorte gehören Christian, Marion und der etwas ältere Bruno, die keine Versager im klassischen Sinne sind, aber die sich dennoch vom Leben deutlich mehr versprochen haben. Wir sehen größtenteils ihren Alltag und speziell ihre Interaktionen im Markt, der uns einerseits als Parallelkosmos und dann natürlich noch als Ersatzheimat dieser sozialen Außenseiter gezeigt wird. Flaschen einsortieren; Paletten mit dem Hubwagen fassen; ein Blick in den anderen Gang werfen; am Kaffeeautomaten Kaffee besorgen; noch haltbare Lebensmittel in die Tonne werfen, weggeworfenen Lebensmittel wieder aus der Tonne holen (wenn niemand schaut). Irgendwann die Gabelstaplerprüfung, deren Finale mit Augen betrachtet wird, als würden sie Zeuge eines spannenden Agententhrillers sein. Doch die Realität von Frischling Christian, der unseren Bezugspunkt darstellt und über dessen Wirkraum wir alle restlichen Personen kennenlernen, könnte konträrer zu einem Thriller nicht sein. Früher hat er noch Einbrüche verübt, jetzt gedeiht er in der Welt der Ordnung und ist ein Teil der Großmarkt-Oper, die mit Symmetrien sympathisiert und in steriles Licht getaucht ist. Eine strenge Komposition weist hier jedem Mitarbeiter feste Gänge sowie Routinen zu und macht vor der Teilung zwischen Männer- und Frauenarbeit keinen Halt. Glücklicherweise arbeitet Marion, in die sich Christian gleich verguckt, einen Gang weiter, in der Süßwarenabteilung. Diese ist, wie ihm Bruno vermittelt, eine typische Frauensache. Immer wieder trifft er sich mit Marion im Pausenraum vor dem Kaffeeautomaten, in dem ein großes Bild hängt, auf dem es einen Strand mit einer Palme zu bestaunen gibt. Ein ambivalenter Anblick, der nur teilweise eine positive Konnotation bezüglich des Bildes zulässt, wenn man bedenkt, dass für die Figuren ihr Großmarkt vielleicht die beste aller Welten ist. Denn da draußen herrscht Chaos.

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