Sonntag, 11. Mai 2014

Seinfeld - Staffel 3

Seinfeld
USA, 1989 - 1998
Umfang: 9 Staffeln (180 Episoden)
Genre: Komödie
Idee: Larry David, Jerry Seinfeld


Jerry Seinfeld ist ein Stand-Up-Comedian und lebt in New York. Zusammen mit seinen Freunden George Constanza, Elaine Benes und Cosmo Kramer muss er sich durch Alltagsprobleme verschiedener Art durchschlagen.


Serien können oft von ihrem Entwicklungspotenzial profitieren, etwa dann, wenn sie nicht als feste, unbewegliche Masse angesehen werden und die richtigen Leute die Verantwortung haben. So war das auch bei der Sitcom SEINFELD, die in der dritten Staffel einige neue Ansätze erkennen ließ, ohne das bereits formulierte Programm, welches man in den ersten beiden Staffeln betrachten konnte, über Bord zu schmeißen. Das bezieht sich ganz konkret auf die Charaktere, die an Jerry Seinfelds Seite agieren und nun aufgrund der engeren Typisierung einen individuelleren Eindruck machen, zumindest innerhalb des Quartetts. Elaine, gespielt von Julia Louis-Dreyfus, verhält sich schrulliger, und der von Jason Alexander verkörperte George mutiert schneller zum Choleriker. Doch die schönste Überraschung ist Cosmo Kramer, diese nicht selten überkandidelte Person, die gegenüber Jerry wohnt. Endlich hat man aus ihm mehr gemacht, als nur einen Typen, der, meistens unbestellt, in Jerrys Wohnung hereinspaziert, um wieder über seine neuen bizarren Ideen zu sprechen oder seine Freunde durch einen dummen Spruch oder eine blöde Aktion in Verlegenheit zu bringen. Mich macht diese Veränderung auch deshalb so munter und glücklich, weil genau dieser Punkt auf meinem Wunschzettel stand. Kramer taucht in der dritten Staffel also nicht mehr ständig als eine erkennbare Nebengestalt und ein drolliger Pausenclown auf, der bloß da ist, um seine Nummer zu machen und danach wieder abzuziehen. Diese Integration von Cosmo Kramer bleibt nicht ohne positive Auswirkung, schließlich trägt dessen intensivere Beteiligung auch zu einem Mehr an Chaos bei.

Dabei muss darauf hingewiesen werden, dass die Umschreibung Mehr an Chaos im Seinfeld-Kontext sich auf etwas bezieht, was das Lacherkonto meistens fördert. Kaum etwas ist an dieser Serie anregender, als die Gewissheit, Menschen zusehen zu können, die sich an irgendwelchen Haken des sogenannten normalen Lebens verfangen und damit Situationen entstehen lassen, die zu vielen chaotischen Augenblicken führen. Gerade deshalb nimmt jede Folge erst dann Fahrt auf, wenn die Figuren den Griff des Absurden spüren und ihre Befreiung planen. Und je öfter und je extremer die Charaktere Berührungen mit absurden Elementen machen, desto mehr Stimmung herrscht vor. Sowohl auf dem Bildschirm wie auch auf dem gemütlichen Möbelteil vor dem Bildschirm. Dennoch verkauft sich das Team in erzählerisch schlichteren Episoden nicht nur unter Wert, wie beispielsweise eine Folge zeigt, in der George Constanza eine Frau kennenlernt, die nach seiner Meinung zwar perfekt zu ihm passe, aber deren Nase nicht optimal aussehe. So überredet er sie schließlich trickreich, ihre Nase zu operieren. Pech für George, dass die Schönheitsoperation nicht glattgeht und ein Schuss in den Ofen ist. Erst einen späteren Eingriff kann George als ästhetischen Fortschritt registrieren, aber zu diesem Zeitpunkt ist die Beziehung bereits kaputt, weil ihm die äußeren Werte viel wichtiger waren, als die inneren.

George, der für seine Aktionen in dieser Staffel wohl eine eigene Besprechung wert wäre, bleibt weiterhin ein großer Pessimist, der eine Niederlage nach der anderen einstecken muss. Die Schreiber der Drehbücher haben es besonders auf ihn abgesehen und lassen ihn hier von einer Pfütze in die andere rennen. George versucht sich als Autoeinparker, als Pulloververschenker, als Tatsachenerzähler, als Garagenpinkler, und scheitert, wie Männer der Spezies Pechvogel in solchen Formaten eben so scheitern. Auf der Suche nach zwei bestimmten Dingen, die sein Leben verändern sollen (Job und Freundin), bremsen ihn ständig verschiedene Dinge aus, die kaum kalkulierbar sind - womit SEINFELD abermals unterstreicht, dass nicht die Absicht vorliegt, eine analytische Charakterstudie im Gewand einer Unterhaltungssendung zu sein. Die bisherige Formkurve der Serie kann sich sehen lassen und ich kann mir nur schwer ausmalen, wie viele großartige Passagen noch auf mich warten. Neben der ersten Doppelfolge der Serie (DER NEUE FREUND), in der Jerry Seinfeld auf den Baseballspieler Keith Hernandez trifft (der sich übrigens selbst darstellt), gab mir AUF DER FALSCHEN SEITE am meisten das Gefühl, dass es keine Zeitverschwendung ist, sich die gesamte Serie anzuschauen. These pretzels are making me thirsty. Was für ein wunderbarer Spruch - besonders, wenn er aus dem Mund des andauernd angeschlagenen George Constanza kommt, mit dem man fast schon Mitleid haben kann.

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