Dienstag, 27. Mai 2014

Die Sopranos - Staffel 3

The Sopranos
USA, 1999 - 2007
Umfang: 6 Staffeln (86 Episoden)
Genre: Drama
Idee: David Chase


Tony Soprano ist ein Mafioso aus New Jersey und entschließt sich, nachdem er von Panikattacken heimgesucht wurde, zu einer Psychiaterin zu gehen. Neben den persönlichen Sorgen treten auch immer wieder Schwierigkeiten mit Leuten auf, die seinen Mafiakollegen und ihm den Platz streitig machen wollen oder Gelder nicht pünktlich zahlen. Und dann hat Tony ja noch seine andere Familie, seine Frau, seine Tochter und seinen Sohn. 


Mit durchgehend hoher Konsistenz hinsichtlich Charakterzeichnung und Storyablauf glänzt DIE SOPRANOS zum ersten Mal in der dritten Staffel, die die Serie nun endgültig von allen Verweisen auf das Prä-Qualitätsserien-Zeitalter wegzuführen scheint. Bemängelte ich beispielsweise noch an der ersten Staffel den doch sehr naiven Umgang mit den Problemen des Soprano-Nachwuchses, können hier bei den Figuren A.J. und Meadow aufgrund interessanter Wendungen auch interessante Verhaltensmerkmale registriert werden, ohne dass diese aufgesetzt oder konzeptlos wirken. Gerade A.J., der in den vorherigen Episoden eher wie ein Inventargegenstand wirkte, verdient sich nun mehr Aufmerksamkeit, weil seine Teenager-Jahre langsam zu Ende gehen und er weiterhin kopflos wie eh und je wirkt, worüber sein Vater selbstverständlich nicht gerade glücklich ist. Nur am Anfang gibt es für Tony Soprano noch etwas zu lachen: Sein Sohn wird Kapitän eines Footballteams. Doch auch Meadow kriegt sich mit ihrem Erzeuger in die Haare, weil dieser nämlich ihren afro-amerikanischen Freund ablehnt und kein Geheimnis daraus macht. Da Tony mit einer ziemlich simplen Interpretation der Kriminalitätsstatistik argumentiert, kann Meadow, die mittlerweile an der Columbia-Universität studiert und nicht mehr bei ihren Eltern lebt, sich nicht mehr dafür begeistern, mit ihrem Vater zu sprechen, weshalb sie eine Zeit lang den Kontakt zu ihm abbricht.

In irgendwelche neuen Richtungen haben sich die Folgen der dritten Staffel nicht gedreht, die entscheidenden Gründe für ein Qualitätshoch findet man daher allein bei den Drehbüchern für die Episoden, wovon vier mit Beteiligung von David Chase, dem Erfinder der Serie, realisiert wurden. Ihm ist es in erster Linie auch zu verdanken, dass die Serie exzellent startet. Dabei hätten die erste und die zweite Folge verschiedener kaum sein können. Der Auftakt behandelt mit frecher Inszenierung noch die Versuche des FBI, das Haus der Sopranos zu verwanzen. Während der nichts ahnende Tony Soprano also auf der Arbeit ist, nimmt ein Team sich den Keller vor, in dem der Mafiachef gerne private Vieraugengespräche mit seinen sinisteren Kollegen führt. Während diese sehr viel Dynamik ausstrahlende Episode ironisch aufgeladen ist, dreht sich die nachfolgende um einen Trauerfall, der von den Personen allerdings dann doch eher differenziert betrauert wird, wie es sich nach und nach zeigt. Hierbei benutzt DIE SOPRANOS die in solchen Momenten häufig benutzte Struktur der Selbstenthüllung, bei dem einer etwas ausspricht, was allen Anwesenden auf dem Herzen liegt, aber durch die gesellschaftlich entstehenden Vorgaben zurückgedrängt wird. In diesem Fall wissen die Beteiligten zumindest alle nicht so recht, ob sie um die Mutter von Tony Soprano auch wirklich trauern sollen. Muss man den Tod eines Menschen betrauern, wenn man ihn während seiner Lebenszeit kaum ausstehen konnte?

In den restlichen Episoden stechen vor allen Dingen die Aktivitäten bei den Mafiosi heraus, die sich immer weniger einig werden. Umso wichtiger ist es, dass Tony niemals den Blick für die Empfindungen seiner Mitarbeiter verliert. Er ist deshalb wohl auch nicht nur eine Art Manager, sondern auch der Motivierer in der Organisation, der mit einem manierlichen Auftreten und einer Prise Charisma existierende Wogen glättet und Unstimmigkeiten in Stimmigkeiten verwandelt. Man könnte meinen, dass an seinem Führungsstil und seinen Aktionen die Zukunft des gesamten Unternehmens hänge, schließlich macht niemand solch einen professionellen Eindruck, wie der etwas füllige mobster aus New Jersey, der selbst den schnell aufbrausenden Ralphie, einen neuen Charakter in der Serie, ruhig stellen kann. In seiner zweiten Familie sieht es jedoch schon etwas anders aus. Die Streitereien mit seiner Frau Carmela gehören zum festen Bestand des Familienlebens und bleiben ein immer wiederkehrendes Phänomen, welches Tony aber, da er Affären nicht abgeneigt ist, irgendwie mit einkalkuliert. Zwar mag er sich seiner Frau gegenüber nicht jedes Mal clever anstellen, doch tatsächlich schweren Konsequenzen musste er sich bisher nicht entgegenstellen.

Auffällig ist, dass der Fremdgeher, Heuchler und Rassist namens Tony Soprano nun schneller zu reizen ist und einen strengeren Ton an den Tag legt. Natürlich war er noch nie ein Typ, bei dem man schnell den Verdacht hatte, dass er sich doch bestimmt heimlich SAILOR MOON anschaue und dort der Protagonistin im Kampf um Liebe und Gerechtigkeit die Daumen drücke, doch in der dritten Staffel verliert Tony in meinen Augen ein paar Prozentpunkte von seiner Kuschelidentität. Anders ausgedrückt: der Chef wird böser und zorniger. Dies stellt aber nicht eine Verschlechterung dar, sondern ganz im Gegenteil die Abrundung des gesamten Konzepts.

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