Montag, 31. März 2014

Die Brüder Karamasow

Die Brüder Karamasow
Fjodor Dostojewski

(Brat’ja Karamazovy, 1880, Russisch)

Inhalt: 12 große Kapitel und 1 Epilog
Es gibt keinen Zweifel, DIE BRÜDER KARAMASOW ist Weltliteratur. Ein Schatz für alle Zeit, für Literaturgeschichte und Literaturgegenwart. In dem Buch geht es um die Familie Karamasow - den genusssüchtigen und lüsternen Vater Fjodor Pawlowitsch und seine Söhne: den leidenschaftlichen Soldaten Dmitrij, den Intellektuellen Iwan und den Gläubigen, dem Kloster beigetretenen Aljoscha. Das Hauptmotiv der Handlung bildet der Mord an Fjodor Pawlowitsch, ein Vatermord, den der älteste Sohn Dmitrij verrichtet haben soll.

DIE BRÜDER KARAMASOW ist ein so umfassendes, solch vor inhaltlicher Gewalt platzendes Werk, dass berichtende Worte, die dieses Buch als Gegenstand haben, eigentlich nur scheitern können. Wie detailliert und präzise Dostojewskij Menschen und ihre gesamte Umgebung beschreibt, wie er die Verhaltensweisen verschiedener russischer Personengruppen in eine dramatische Familiengeschichte eingliedert, zwischen unterschiedlichen Handlungssträngen hin und her springt, mit realistischer Schärfe die politischen und sozialen Schwierigkeiten eines reformbedürftigen Staates anspricht, ist meisterhaft und breitet sich auf 1000 Seiten in solch einer Art und Weise aus, als basierten diese nicht auf den faszinierenden Gedanken eines Schreibers, sondern der waschechten Realität. Es ist ein Buch über die russische Seele und über Dostojewskij selbst. Vielleicht erfährt auch deshalb die Psyche und Moral der drei Söhne eine so überaus perfekte und spürbare Tiefe im Roman. Dostojewskij projizierte seine verschiedenen Einstellungen und Lebensstationen auf die Figuren, sodass jede der Söhne einen wichtigen Kern des Schriftstellers in sich trägt.

"Sogar, wenn nur eine einzige gute Erinnerung in unseren Herzen bleibt, kann sie irgendwann einmal unsere Rettung sein."

Der in Moskau geborene Schriftsteller schob in eine aus verschiedenen kleinen Handlungen gewobene Geschichte ebenfalls noch eine sensationelle kurze Erzählung mit ein. In dieser kritisiert er mittels der Figur Iwan die Kirche und stellt sie als eine seit Jahren existierende Art Sklaveninstitution dar, die im Namen des Herrn agiert. Außerdem vermerkt er, dass der Mensch kein sauberes und reines Wesen ist, ihm vor allen Dingen die Nächstenliebe einen Ausweg aus der menschlichen Dreckigkeit bieten kann. Vermittelt werden diese Gedanken durch den vom Alter her mittleren Sohn Iwan, der Aljoscha eine selbst geschriebene, in Spanien des Jahres 1555 spielende Legende vom Großinquisitor erzählt. Dass der gesamte Roman oft mit dem Siegel Kriminalroman ausgezeichnet wird, ist auch aufgrund solcher Einschübe ein doch seltsamer Akt der Schubladenaufmacherei. Doch was haben meine krummen und schlecht geölten Sätze schon für einen Wert?

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