Montag, 31. März 2014

Drei Filme von Jesús Franco: Eugenie De Sade / Vampyros Lesbos/ Frauen für Zellenblock 9


 EUGENIE DE SADE (OT: EUGÉNIE)

Eugenie fängt an, sexuelle Gefühle für ihren Stiefvater zu empfinden, der Autor mehrerer erotischer Bücher ist. Der Stiefvater merkt dies und nutzt die Situation aus, um seine Tochter für seine perversen Verbrechen als Partnerin zu gewinnen. Die beiden reisen durch Europa und ermorden mehrere junge Frauen. Als Eugenie sich jedoch mit einem Mann trifft, den sie zunächst verführen und danach töten soll, verliebt sie sich in ihn und entdeckt, dass ihr Stiefvater sie nur instrumentalisiert hat und sie unfrei ist. Das Projekt glänzt mit den für den Regisseur oftmals typischen hypnoseartigen Aufnahmen und geizt nicht mit nackter Haut. Dennoch ist die letzte halbe Stunde etwas zäh geworden, was sicherlich daran liegt, dass der Inhalt dort an Charme einbüßt und der Prozess der Geschichte insgesamt stagniert.


 VAMPYROS LESBOS

Eine sexuell eingeschränkte und unbefriedigte Anwältin träumt von homoerotischen Spielen mit einer anderen Frau. Als sie sich zwecks eines beruflichen Auftrages mit einer Gräfin trifft, merkt sie, dass diese Frau dieselbe ist, mit der sie auch in ihren Schlaffantasien verkehrt. Ein malerischer Ort in der Türkei als Hintergrund, knapp verhüllte oder gar offen zur Schau gestellte körperliche Reize und eine der Popkultur entnommene Horrorgestalt, die hier jedoch zugunsten der starken Fokussierung auf die weibliche Erotik verformt wird, legen die Werte des Exploitationkinos frei, heben den Blick auf die seriösen Merkmale aber keineswegs auf. Denn in diesem weniger gruseligen, sondern strikt erotischen Thriller, kann man mehr Sein als Schein vorfinden, mehr Bedeutung als nur Behauptung herauslesen. Der spekulative Charakter des Films nimmt deshalb nur eine Außenseiterstellung ein, während den schwelgerischen, surrealen Bildern, die Phantasmen und Realitäten zeichnen, die Kraft innewohnt, den Zuschauer an duften Plätzen abzusetzen. Titten sowie Blut sprechen zwar auch die Sprache des Films und können uns deswegen ansprechen, anstatt negativ aufzufallen, aber die Aufmerksamkeit bekommt vor allem das Verträumte und manchmalt Weltentrückte. Der Ton des Verlorenen und Weggenommenen senkt sich wie eine riesige Wolke über die Figuren und verharrt in ihrer Position, von wo sie sich bis zum Ende auch nicht mehr entfernt. Zwischen Kunst und Schund pendelnd, erzählt der Film, der mit seinem Titel schon überdeutlich auf den Inhalt weist, von der Sehnsucht nach sexueller Erfüllung und den Kosten, die man dafür in Kauf nehmen muss, wenn diese Sehnsucht mit der emotionalen und körperlichen Bindung zu einem Vampirwesen befriedigt wird.

FRAUEN FÜR ZELLENBLOCK 9

Aufgrund des Verdachts, mit einer unerwünschten Untergrundbewegung zusammenzuarbeiten, werden mehrere Frauen an einem Kontrollpunkt verhaftet und in den berüchtigten Zellenblock 9 gebracht, wo sie von einem sadistischen Doktor gefoltert werden. Ein sehr düsterer Film, dessen Geschichte in einer Urwaldgegend spielt, die in mehreren Einstellungen auch sehr schön eingefangen wurde. Zuerst wie ein Standard-Frauengefängnisfilm wirkend, entfaltet sich aus der unkomplizierten Anordnung eine Ausbruchsstory, die es in den letzten Minuten in sich hat. Es gibt eine sehr schöne Szene in dem Film, die mich komplett umgehauen hat: Nachdem vier Frauen einen Wärter überlistet haben, flüchten sie über einen See, in welchem sie recht knapp einigen hungrig aussehenden Krokodilen entkommen können. Doch daraufhin entfernen sie sich nicht blitzschnell vom Ufer, sondern ruhen sich auf dem sandigen Rand des Sees aus, wo sie zunächst die Sonne auf ihre makellosen Körper scheinen lassen. Die Struktur einer Koexistenz von Risiko und Seelenfrieden kommt hier zum Vorschein, aber vor allen Dingen gesteht Regisseur und Drehbuchautor Franco dadurch seinen Figuren eine Auszeit in einem furchtbar knallharten Umfeld zu. Welch eine wundervolle humane Geste.

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