Freitag, 21. Februar 2014

Wolfsburg

Wolfsburg



Deutschland, 2003
Genre: Drama
Regisseur: Christian Petzold
Darsteller: Benno Fürmann, Nina Hoss

Auf einer Landstraße fährt der Autoverkäufer Philip Gerber ein Kind auf seinem Fahrrad um. Er begeht daraufhin Fahrerflucht. Als seine Frau ihn am nächsten Tag zur Arbeit fährt, nimmt er Polizisten und weitere Einsatzkräfte bei der Unfallstelle wahr. Die Schuldgefühle treiben ihn in das Krankenhaus, in welchem der Junge liegt. Dort trifft er ebenfalls auf die Mutter des Kindes, die er sich allerdings nicht traut anzusprechen. Als er ein paar Wochen später aus dem gemeinsamen Urlaub mit seiner Verlobten wieder zurückkehrt, erfährt er, dass das Kind gestorben ist.

Von dem Gefühl, Verantwortung übernehmen zu müssen

Kommentar: Eigentlich läuft für den Händler Philip, der in einem großen Autohaus sehr gutes Geld verdient, alles wunderbar, denn mit seiner Verlobten beendete er nervige Streitereien und fuhr mit ihr nach der Hochzeit sogar in den gemeinsamen Urlaub. Wäre er bloß nicht an dem Unfall Schuld gewesen, der, wie Philip nach dem Urlaub feststellt, nicht ohne schwere Folgen blieb. Er stellt sich weniger Fragen nach seiner eigenen Position in der Zeit, als der Unfall geschehen ist, sondern zeigt sich eher interessiert für die Möglichkeiten einer Begleichung seiner Schuld. Sein Verantwortungsgefühl meldet ihm Mängel an seiner geistig-seelischen Verfassung und er versucht, diesen Problembericht ernst zu nehmen. Als Zuschauer kann man ihn gar nicht mehr hassen, wenn er sich um die Mutter des Unfallopfers kümmert und sie mit seinen Zuwendungen bereichert. Doch seine Naivität zu glauben, dass das für eine Wiedergutmachung reiche und er narbenfrei davon kommen könnte, grenzt an die Evidenz einer nicht ordentlichen Vermessung der eigenen Zuständigkeit. Oder doch nicht? Wie hätte man selbst gehandelt? Die Bilder sind zwar potent und wirken sehr stark, aber das Drehbuch erzählt nur wenig, was durch den Verfasser zusätzlich konkretisiert wurde. Petzold ist ein Genie, wenn es um Erzählen und Nicht-Erzählen geht. So lässt er seinen Konsumenten in diesem Film die Entdeckungen selbst machen, weil er nur das Nötigste knapp wiedergibt. WOLFSBURG kommt gänzlich ohne vordergründige Wucht aus und lässt erst am Ende, wo es unter anderem zu einer Art Anti-Wiedergutmachung kommt, Musik auf der Tonspur zu.

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