Sonntag, 8. Dezember 2013

Watchtower

Watchtower (Gözetleme Kulesi)



Türkei/Frankreich/Deutschland, 2012
Genre: Drama
Regisseur: Pelin Esmer
Darsteller: Olgun Şimşek, Nilay Erdonmez

Nihat verrichtet seinen Dienst auf einem Wachturm, wo er einsam haust und nach Waldbränden Ausschau hält. Eines Tages, als er mal wieder im Tal ist, beobachtet er, wie die ihn bedienende junge Frau namens Seher, die als Hilfskraft bei einem kleinen Busunternehmen arbeitet, vor Schmerzen aus dem Lokal läuft. Er hilft ihr und es stellt sich heraus, dass sie unbemerkt ein Kind geboren hat, welches von ihr wieder weggeworfen wurde. Nihat holt das Baby allerdings zurück und zwingt die Mutter dazu, sich um das Kind zu kümmern.

Weiterhin Einzelgänger

Kommentar: Beginnen tut WATCHTOWER wie ein klassischer Film, in dem zwei Menschen aufeinandertreffen und sich aufgrund ähnlicher Lebensumstände sofort verstehen. Beide leben isoliert - er räumlich, sie eher psychisch - und beide haben etwas durchmachen müssen, was ihnen sicher nicht mal ihre schlimmsten Feinde wünschen würden. Doch aus dem oft realisierten Grundgedanken um ein Zusammenkommen formte man keine musterhafte Abbildung, die nur wiederkäut, was auf der Leinwand schon viele Male zu sehen war. Der Kurs auf die Romanze oder die Freundschaft wird hier einfach abgebrochen und an dessen Stelle tritt ein Pfad, der uns zu den hässlichen Spalten der menschlichen Existenz führt. Eine Verwandlung der Düsternis in eine weniger an Katastrophen denkende Atmosphäre deutet man am Schluss des Films nur an, aber ansonsten sind die Bilder beinahe vollständig geräumt von Hoffnungsschimmern und Muntermachern. Das Grün der Natur, das sich schon teilweise in ein Gelb verwandelt hat, sieht für das Szenario irgendwie entstellt und unwahr aus. Das liegt aber ebenfalls an den kräftigen Farben, mit denen gearbeitet wurde. Wer sich einen Narren an solchen Äußerlichkeiten gefressen hat, könnte aber enttäuscht feststellen, dass die Bilder des erfahrenen Kameramannes Özgür Eken (EI, MILCH, 10 VOR 11) die Pracht eher außen vor lassen, als sie in den Entwurf hineinzubringen. So dreht sich alles um die beiden Hauptfiguren, die zwar zusammen in dem von der Zivilisation abgeschnittenen Wachturm leben, aber weiterhin Einzelgänger sind. Das Bewusstsein für die Notwendigkeit eines Miteinanders muss sich erst noch bilden.

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