Montag, 10. Februar 2014

Cherry Tree Lane

Cherry Tree Lane



UK, 2010
Genre: Thriller
Regisseur: Paul Andrew Williams
Darsteller: Rachael Blake, Tom Butcher

Ein Ehepaar wird eines Abends beim Essen von einem Klingeln an der Tür gestört. Sie werden von drei Jugendlichen überwältigt und geknebelt, die aufgrund der Streitigkeiten mit dem Sohn der Familie eingebrochen sind.

Wie in einer ellenlangen Warteschleife

Kommentar: Eine relativ positive Konstante des Films ist die immer wieder neu konstruierte Unsicherheit über den Verlauf. CHERRY TREE LANE will nicht vorhersehbar oder gefangen in Erzählstrukturen sein und verzichtet deshalb auf sich übertrieben äußernde Spannungen zwischen den Gruppen. Zudem spult der Thriller nicht vor, sondern passt die Dauer der gezeigten Handlung an die reale Zeit an, womit er die Möglichkeit bekommt, einem knallhart psychologischen Realismus zu frönen. Die Chronologie der Handlungen und Diskussionen, die scheinbar bodenständig erzählt wird, erscheint zwar durch den nicht-deterministischen Charakter der Figurenbewegungen realistischer, als man es von herkömmlichen Produkten der härteren Kost kennt, besser ist sie jedoch nicht. Denn man befindet sich durch die zwanghafte und drehbuchtechnisch unausgereifte Realitätsnachbildung als Zuschauer in einer ellenlangen Warteschleife, die sicherlich keinen umbringt, aber bei der der Mehrwert eben auch gegen Null tendiert. Wenn Junggangster aus der Kapuzenpulli-Generation auf eine durchschnittliche Wohlstandsfamilie treffen, dann kann man auch erwarten, dass die sozialkritischen Absichten tatsächlich eine halbwegs durchdachte Bedeutungsebene bekommen und nicht einfach dazu da sind, um zu zeigen, wie abgefuckt es bei einigen gesellschaftlich abgehängten Personen um die Moral steht. Sich eindeutig ins Aus schießt sich der Film aber ohnehin am Ende, wenn er Rachefantasien legitimiert und keine Scheu davor hat, in der letzten Einstellung ein Noch-bin-ich-nicht-fertig anzudeuten.

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