Montag, 27. Januar 2014

Seinfeld - Staffel 2

Seinfeld
USA, 1989 - 1998
Umfang: 9 Staffeln (180 Episoden)
Genre: Komödie
Idee: Larry David, Jerry Seinfeld


Jerry Seinfeld ist ein Stand-Up-Comedian und lebt in New York. Zusammen mit seinen Freunden George Constanza, Elaine Benes und Cosmo Kramer muss er sich durch Alltagsprobleme verschiedener Art durchschlagen.


Auch die zweite Staffel der Serie um vier Freunde, die das Leben in New York meistern müssen, hinterlässt einen guten Eindruck. SEINFELD dreht sich um peinliche Persönlichkeiten, die man abschütteln will; Missgeschicke, die zwar ausgebügelt werden können, aber neue Schwierigkeiten nach sich ziehen; unerwartete Abläufe, die man garantiert nicht hätte voraussehen können und anderen, für die erste Welt charakteristischen Problemkram moderner Mittelklasse-Menschen in einer Stadt. Kein Wunder, dass die Macher die Sendung als eine Serie über Nichts konzipierten. Das verschafft ihr auch eine grundehrliche Beziehung zum Zuschauer, weil die ganzen Zumutungen, mit denen sich das Quartett mal mehr und mal weniger freiwillig beschäftigen muss, eben tatsächlich unerheblicher Natur sind, und wenn nicht, dann wenigstens als solche verkauft werden. Das Geniale dabei ist, dass SEINFELD es dennoch schafft, weit mehr als eine Nummernrevue zu sein. Die Geschichten selbst, so gewöhnlich sie heute aufgrund einer hohen Anzahl von Nachahmern und Genre-Weiterentwicklern erscheinen, sind klug erzählt, haben fantastische Wendungen und orientieren sich natürlich stets an den Hürden aus dem echten Leben, die den meisten sicherlich bekannt vorkommen, weil sie so oder ähnlich schon einmal erlebt wurden.

SEINFELD erzählt über Erwartungen, die sich nicht erfüllen. Daraufhin werden neue und manchmal eigenwillige Pläne geschmiedet, um ein Ziel zu erreichen, das oftmals nur einen Schritt entfernt zu sein scheint. Doch selten können die Protagonisten einen gewünschten Zustand wirklich erlangen. Sie treffen falsche Entscheidungen, ihnen vermasselt jemand anders die Sache oder sie haben schlicht und einfach Pech. Wenn zum ersten Mal bei den Figuren etwas schiefläuft, können wir uns darauf verlassen, dass es beim nächsten Versuch noch viel schlimmer um ihre Situation steht. Ausnahmen können gerne die Regel bestätigen, aber die Entwicklung einer Folge ist in den ersten zweiten Staffeln nicht gerade flexibel zu nennen. Das macht allerdings auch den Reiz dieser TV-Sensation aus: wir wissen, dass die Charaktere mehrmals auf die Schnauze fallen werden und wir wollen das nur zu gerne sehen. Es ist aber nicht eine simple Lust nach Chaos, die wir von unseren Wohnzimmersofas aus erleben können. Die Folgen ziehen uns nicht magnetisch an, weil wir in Sicherheit lachen und dabei ein wenig Schadenfreude zeigen können. Vielmehr freuen wir uns auf die unterschiedlichen Charaktere, denen wir in ihren unperfekten Phasen begegnen können. Das Unperfekte erreicht unsere Sympathie, auf diese Weise lachen wir genauso stark über den Umgang mit einem Schaden, wie über einen Schaden selbst.

Im Gegensatz zu der ersten Staffel, die gerade einmal fünf Folgen aufweist, besitzt die zweite Staffel insgesamt zwölf Episoden. Nicht alle von ihnen glänzen durch überdurschnittlichen Einfallsreichtum, aber der Großteil ist bezaubernd, gerade wenn es um die Pointen geht. Eine der zweifellos besten Folgen heißt THE CHINESE RESTAURANT und wird von vielen Kritikern als erster Klassiker der Sendung bezeichnet. Jerry, Elaine und George gehen in ein chinesisches Restaurant, bekommen dort aber keine Tische, weil angeblich keiner frei sei, sodass sie Stunden damit verbringen, zu warten und anderen Menschen dabei zuzusehen, wie sie, kurz nachdem sie gekommen sind, einen Platz kriegen. Jerry möchte es noch rechtzeitig ins Kino schaffen, da er unbedingt PLAN 9 FROM OUTER SPACE auf der Leinwand sehen möchte, Elaine ist einfach stinksauer, weil sie Hunger hat und George muss noch mit einer Frauenbekanntschaft sprechen, die er aber nicht anrufen kann, weil das Telefon im Restaurant dauernd besetzt ist. Die gesamte Episode spielt sich im Lokal ab und liefert eine absurde Drehung nach der nächsten. Das Konzept des Nichts wird hier radikal auf seine Klimax getrieben, denn schließlich verhalten sich die Charaktere so, als ob sie weggesperrt seien. Die Tür, die ins Restaurant, aber auch aus diesem führt, möchten sie erst eine sinnvolle Existenz bescheinigen, wenn sie vorher gegessen haben. Alles andere verbietet ihnen ihre Freundlichkeit.

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