Dienstag, 14. Januar 2014

Das letzte Wochenende

Das letzte Wochenende (And Then There Were None)



USA, 1945
Genre: Kriminalfilm
Regisseur: René Clair
Darsteller: Barry Fitzgerald, Walter Huston

Acht Menschen - Männer wie Frauen -, die sich gegenseitig nicht kennen, fahren mit einem Boot zu einer isolierten Insel. Sie wurden von Frau und Herr Owen eingeladen, die, wie die Gruppe nach ihrer Ankunft schnell bemerkt, jedoch fehlen. Nur zwei frisch eingestellte Hausbedienstete befinden sich im Haus. Nach dem Dinner legt einer von ihnen eine Schallplatte auf, auf der Herr Owen zu hören ist. Er klagt alle Anwesenden wegen Mordes an.

Wer ist der geheime Killer?

Kommentar: Eine Murder-Mystery-Variation, die mich auch bei der zweiten Sichtung für sich einnehmen konnte. Der Film, nach einem Kriminalroman von Agatha Christie, spielt sich auf einer kleinen, abgeschnittenen Insel ab, auf dem ein Anwesen steht. Dort versammeln sich zehn Menschen unterschiedlichen Alters sowie Geschlechts, die sich allerdings nicht gegenseitig kennen und auch nicht genau wissen, was sie im Haus eigentlich suchen. Nach dem gemeinsamen Essen werden sie ausnahmslos alle von einer unbekannten Person wegen Mordes angeklagt, die ihre Anschuldigungen feige auf einer Schallplatte hinterlassen hat. Man kommt sich daraufhin veräppelt vor, und ein Herr, der Klavier spielen kann, rezitiert feuchtfröhlich, dabei immer wieder an einem alkoholischen Getränk schlürfend, die Reime des Songs TEN LITTLE INDIANS, ohne zu wissen, dass die Pointen des scheinbar harmlosen Kinderliedes schon bald eins zu eins in die Wirklichkeit transferiert werden. Je länger der Film läuft desto kleiner wird das Teilnehmerfeld, weil einer nach dem anderen stirbt und die Anwesenden den mysteriösen Morden hilflos gegenüberstehen, die anscheinend von jemandem begangen werden, der es auf Selbstjustiz abgesehen hat. Aufregend wird es, als die noch lebenden Frauen und Männer endlich auf die Idee kommen, dass einer von ihnen der geheime Killer sein muss. Jeder beginnt, den anderen zu beobachten und wir folgen Blicken, die versuchen, Gesichter zu lesen, um dahinter eine Botschaft zu entdecken. In diesen Phasen bietet AND THEN THERE WERE NONE besonders amüsante Eindrücke, etwa als es zu einer Art Kreislauf des Ausspionierens kommt.

Eine Sequenz zeigt, wie ein junger Mann in sein Zimmer geht und dieses durch eine Tür versperrt. Daraufhin nutzt ein älterer Herr das Schlüsselloch zur Tür, um diesen jungen Mann nicht aus den Augen zu lassen. Dabei merkt der Ältere jedoch nicht, dass er durch das Schlüsselloch einer parallel gelegenen Tür ebenfalls durch eine Person beobachtet wird, die wiederum keinen Schimmer hat, dass nicht weit entfernt jemand an einem Eingang steht und sich deren Aktion anschaut. Wie man sich denken kann, schließt der am Anfang erwähnte junge Mann den Kreis dieser doch unglaublich komischen Überwachung und inspiziert den am Eingang Stehenden. Eine solche mit Ironie gespickte Bildgestaltung ist tatsächlich ein charakteristisches Merkmal dieses Krimis, der in keinem Fall durch eine bleierne Atmosphäre punkten will. Vielmehr setzte Regisseur René Clair auf Gemütlichkeit sowie Galgenhumor, erlaubte diesen Elementen aber natürlich nicht, dass sie den Kern des Films verniedlichen und die Jagd auf den verantwortlichen Täter vollkommen ins Banal-Komische umdrehen.

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