Samstag, 21. Dezember 2013

Heil dem siegreichen Helden

Heil dem siegreichen Helden (Hail the Conquering Hero)



USA, 1944
Genre: Komödie, Drama
Regisseur: Preston Sturges
Darsteller: Eddie Bracken, Ella Raines

Woodrow, der aus einer Kleinstadt stammt, wurde von den US-Marines abgelehnt und traut sich nicht, diese Nachricht seiner Mutter mitzuteilen, weil er fest davon überzeugt, ist, dass er sie mit dieser Mitteilung enttäuschen würde, da sein Vater ein Kriegsheld gewesen ist. In einer Bar trifft er auf eine Gruppe von Marines, die ihn dazu überreden, seinen Heimatort zu und seine Mutter zu besuchen. Allerdings ziehen sie ihm auch eine Uniform mit Abzeichen und Medaillen an, sodass er vorgeben soll, der Armee gedient zu haben.

Stumpfe Heldenverehrung

Kommentar: In dieser Kleinstadtfarce und Militärsatire wird die Heldenverehrung aufs Korn genommen und ein geheimer Wunsch der Bevölkerung nach unproportionalen Verhältnissen zwischen Sein und Schein thematisiert. Eine Eventisierung einer einfachen Ankunft eines vermeintlichen Kriegshelden am Bahnhof ist dabei nur die Spitze des Eisbergs und im Film ist das gleichzeitig auch der Anfang eines Missverständnisses, welches auf einer unhinterfragten Deutung des Wortes Stolz einerseits und einer Sehnsucht nach Sensationalität andererseits basiert. In HEIL DEM SIEGREICHEN HELDEN gelingt einem Menschen der turboschnelle Aufstieg nicht durch Akribie, konzentrierte Vorbereitung oder dem Einsatz von Grips, der sich in einem Plan manifestiert. Vielmehr bestimmt der Zufall das fragwürdige Schicksal des gefeierten Protagonisten, dessen Fallhöhe sich Sequenz für Sequenz nach oben schraubt, bis das Herunterfallen nicht mehr bloß schmerzlich werden kann, sondern man auch annehmen muss, dass der auf dem Boden der Realität Ankommende sein Gesicht verlieren wird. Deshalb ist der Film auch so fies, schließlich verlässt der Protagonist den erwähnten Boden überhaupt nicht, die konstruierte Rolle akzeptieren nur die, die sie auch zusammengehämmert haben, nämlich die Bürger. Spitzzüngige Bemerkungen in Richtung der Politik nimmt Sturges wieder einmal mit in sein Skript, wenngleich sie in DER GROSSE MCGINTY noch um einiges böser und provozierender daherkommen. Eine Abschwächung tritt ebenso bei dem inhaltlichen Motiv der Heldenverehrung auf, da der Regisseur die Position der Bürger am Ende relativiert und aufgrund dessen weniger an ihrem Verhalten rummäkelt. Dafür zeigt er sich aber mehr an einer Neuinterpretation des Heldenbegriffs interessiert.

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