Sonntag, 29. Dezember 2013

Best-of Erstsichtungen 2013: Hayat var

Hayat var



Türkei/Griechenland/Bulgarien, 2008
Genre: Drama
Regisseur: Reha Erdem
Darsteller: Elit Iscan, Erdal Besikçioglu

Hayat ist 14 Jahre alt und lebt mit ihrem Vater sowie ihrem an Asthma erkrankten Großvater in einer Hütte nah am Bosporus. Ihr Vater ist offiziell ein Fischer, verdient sein Geld aber eigentlich mit der Belieferung von großen Schiffen durch illegale Waren und Prostituierten, während sie selbst in der Schule eine Außenseiterin ist und Probleme mit Lehrern und dem Schulleiter hat.

You are my sunshine, my only sunshine

Kommentar: Das ist das Leben. Der Titel spielt schon auf die Richtung an, auf die sich der gesamte Film in seinen fast zwei Stunden fokussieren wird. Für Hauptfigur Hayat besteht das Leben aus dem Auswechseln von Sauerstoffflaschen, den einsamen Gängen durch vermüllte Gassen, dem Außenseitersein in der Schule, den trost- und mehrwertlosen Besuchen bei ihrer geschiedenen und mit einem neuen Mann zusammenlebenden Mutter oder dem Drücken auf ein Plüschtier, das "I love you" sagen und sogar die Kurzfassung des Songs YOU ARE MY SUNSHINE singen kann. Andere Tätigkeiten sind nicht minder frei von anschaulichen Illusionen und so bleibt ihr nur übrig, ihren Zorn an einem unschuldigen Truthahn auszuleben, den sie im Garten verfolgt und tritt. Um auf den Punkt zu kommen: Ihr Leben ist scheiße, auch wenn sich die meisten von den Beteiligten, die man um sie herum findet, durchaus Mühe geben. Auffällig viele Sequenzen wechseln sich in diesem Film ab, viele von ihnen dauern keine zwei Minuten, und nicht selten wiederholen sich die Handlungen auch. Wiederholung des Trostlosen tut logischerweise wiederholt weh und man merkt, wie die Gereiztheit bei Hayat wächst. In vibrierenden Tableaus ausgestellt, bietet HAYAT VAR eine ungewöhnliche Coming-of-Age-Story mit eskapistischen, den Zuschauer mitreißenden Bilderfluten, während die Soundspur öfters mit Polizeisirenen, Donner und natürlich den beruhigenden charakteristischen Summlauten beladen wird, die zunächst verwirren, mit der Zeit aber sich als völlig normale Komponenten erweisen, an die man sich schnell gewöhnt hat. Reha Erdem gelang mit seinem fünften Spielfilm ein chef d'oeuvre, bei dem alles stimmt. Außerdem ist es schon länger her, dass ich mich für eine Figur am Ende so sehr gefreut habe wie für Hayat.

In der Reihe "Best-of Erstsichtungen 2013" gehe ich auf Filme ein, die ich im Laufe dieses Jahres zum ersten Mal gesehen und für genial befunden habe.

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