Freitag, 27. Dezember 2013

Begegnung

Begegnung (Brief Encounter)



UK, 1945
Genre: Drama
Regisseur: David Lean
Darsteller: Celia Johnson, Trevor Howard

Laura und Alec lernen sich in einem Bahnhofscafé kennen, finden sich gegenseitig sympathisch, und fangen deshalb an, sich regelmäßig zu treffen. Später gestehen sie, dass sie sich ineinander verliebt haben. Allerdings sind beide mit anderen Menschen verheiratet, mit denen sich auch Kinder haben. Ihre Familien möchten sie nicht zerstören, weshalb sie sich mit jedem Treffen schuldiger fühlen.

Eine Begegnung mit Folgen

Kommentar: Am Ende wird es abstrus. Der Mann entschuldigt sich bei der Frau dafür, dass er sich in sie verliebt hat. Wochen zuvor lernten sie sich zufällig kennen und verliebten sich ineinander, trotz der Tatsache, dass beide einen Ehepartner und auch Kinder zu Hause haben. Die Liebe als irrationales Produkt verschiedener Einflüsse kann immer zuschlagen und macht vor aufgebauten Kleinorganisationen wie der eigenen Familie keinen Halt. Laura und Alec, so heißen die unglücklich Verliebten, fangen irgendwann an, sich für ihre heimlichen Treffen zu schämen und sich schuldig vorzukommen. Ihre Ehe wollen sie nicht aufs Spiel setzen, zumal ihnen das Kosten-Nutzen-Verhältnis für die Auflösung alter Verhältnisse unvorteilhaft vorkommt. Gefangen in einem imaginären Bild, auf dem sie strahlend mit ihrer Familie abgebildet sind, fühlen sie sich durch die Affäre wie Kriminelle, die Angst davor haben, den gesellschaftlichen Rhythmus durcheinanderzubringen. Die Vorlage für die melodramatische Handlung war ein Einakter von Sir Noël Coward, doch die Prämisse ist auch aus Tschechows Erzählung DIE DAME MIT DEM HÜNDCHEN bekannt, die 1899 erschien. Ungeachtet des anderen Kulturraums und der anderen Zeit sind die Gründe für den Konflikt zwischen innerer Stimmung und äußerer Anforderung dieselben und es ist erstaunlich, dass dieser Konflikt sogar auf die gleiche Art gelöst (oder: verdrängt) wird. David Leans Film ist ein bewegendes Melodram, wo nichts intellektuell verfremdet wird und sich in den Blicken ganz oft entweder Sehnsucht oder Abneigung spiegelt.

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