Samstag, 23. November 2013

World War Z

WORLD WAR Z
USA/Malta, 2013
Genre: Action, Horror
Dauer: 116 Minuten

Regisseur: Marc Foster
Drehbuch: Matthew Michael Carnahan, Drew Goddard, Damon Lindelof, J. Michael Straczynski
Darsteller: Brad Pitt, Mireille Enos, Daniella Kertesz, James Badge Dale, Ludi Boeken, Matthew Fox, Fana Mokoena, David Morse

Auf der Erde ist die Hölle los. Weite Teile des Globus wurden von einer Pandemie erfasst, die nicht aufhaltbar zu sein scheint. Gerry Lane, früherer UN-Mitarbeiter, bekommt den Auftrag, den Ursprung der Seuche herauszufinden, die Menschen binnen weniger Sekunden zu aggressiven Bestien macht. Gerrys Frau und ihre gemeinsamen Töchter sollen in der Zeit, in der er seine Mission bestreitet, auf einem riesigen Kriegsschiff bleiben dürfen, das einen sicheren Zufluchtsort vor den attackierenden Zombies darstellt. In Israel, wo einige Tage vor dem Ausbruch eine Mauer um die Stadt Jerusalem aufgebaut wurde, konfrontiert Gerry die politischen Kräfte mit den Gerüchten, dass das Land vor allen anderen von der Seuche gewusst habe, ohne die anderen Staaten darüber zu informieren. Doch später interessiert dieser Sachverhalt niemanden mehr, denn die riesige Mauer, die die Wilden von den Nichtgebissenen trennt, wird bezwungen. Bei der Flucht vor den Monstern entdeckt Gerry einen Jungen, an dem die Zombies einfach vorbeirennen, ohne diesen zu registrieren. Er verlässt Jerusalem mit der Soldatin Segen, in dem die beiden in ein Flugzeug steigen, welches sie gerade noch einholen können.
Allerdings lässt auch dort der Ausbruch nicht lange auf sich warten.

Obwohl ich großer Fan von Romero und seinen düsteren Visionen bin, sollten die zahlreichen Nachfolgevarianten, die meist nur in schablonisierter Form angeboten werden, irgendwann doch auch mal abebben. Ohnehin hat die Katastrophe unter den Menschen niemand besser dargestellt, als der Urverfasser selbst. Das Zombie-Genre braucht neue Impulse und ich glaube, dass WORLD WAR Z in diesem Sachverhalt keine falschen Zeichen setzt. Eben deshalb, weil es sich so schön Anti-Romero gibt, schließlich haben wir Krisen zwischen den Menschen in diesem Subgenre schon genug gesehen. Das bedeutet nicht, dass sie nicht weiterhin auf Zelluloid gebannt werden sollten, aber es würde nicht schaden, wenn sich neue Versionen verbreiten würden, die das Chaos anders verarbeiten. Vielleicht mag es dem Blick der Produzenten und Drehbuchautoren auf das Massenpublikum geschuldet sein, dass die Menschen hier kooperativ bis zum Gehtnichtmehr sind und ein gutherziges Verhalten an den Tag legen, um sich gegen die Attacken der Wilden zu stellen, doch in dem traditionell düsteren Genre ist das nicht weniger als frech und nagt obendrein an den Grundfesten der Romero'schen Behauptungen, die insbesondere mit der berüchtigten Trilogie verbreitet wurden und danach - völlig zurecht übrigens - viel Zustimmung erhalten haben. WORLD WAR Z bewegt sich tatsächlich nicht auf dem Kurs des psychologischen Realismus, er mag sogar geistig armer sein, als viele mittelmäßige Vertreter, aber er ist zu einer besonderen Lieferung fähig, die sowohl inhaltliche Komponenten als auch visuelle Formen umfasst.

Der nicht knapp budgetierte, in vielen Augenblicken sehr auf seine Action gerichtete Film, der auf dem Roman OPERATION ZOMBIE: WER LÄNGER LEBT, IST SPÄTER TOT (2006) basiert, von diesem jedoch deutlich abweicht, nutzt die Möglichkeit des fetten Geldhaufens, um Scharen von Zombies so packend und erschreckend wie wahrscheinlich nie zuvor darzustellen. Nie habe ich rennende Zombies so beängstigend empfunden, nie war ihr Trieb, Menschen zu beißen, bildlich so intensiv dargestellt worden. Überhaupt, der Trieb. In diesem Film sind diese Wesen so eindeutig auf Beißen programmiert, das sich einem manchmal der Magen umdreht. Diese Gestalten flitzen nicht nur megaschnell, sie hechten auch nach ihrer Beute und werfen sich einfach ins Getümmel. Da ist beispielsweise eine Szene, in der die Hauptfigur und seine Familie auf das Dach eines Wolkenkratzers rennen und dort von einem Hubschrauber abgeholt werden. Die hier dargestellten Zombies, die die Flüchtenden bis zum Ende verfolgen sind aber derart degeneriert, dass sie nur den Hubschrauber sehen, nicht aufhören zu sprinten und aufgrund dessen in die Tiefe stürzen. Ein Moment, der an Körperhorror grenzt und für mich einen hohen Ekelfaktor bietet, ereignet sich in Israel, als die Zombies versuchen, die Mauer zu bezwingen. Man sieht ein wirres Aufeinandergestapel und eine Masse, die immer weiter nach oben rutscht, weil von den zehn Infizierten, die die Zombiekörper gleichzeitig hochrennen, fünf oben bleiben können und die anderen fünf unten aufklatschen. Eine schauderhafte Episode, die anschließend mit der Einnahme eines ganzen Stadtteils endet.

Man sollte sich von dem Begriff Weltkrieg, der im Titel enthalten ist, nicht blenden lassen. Es herrscht zwar ein globaler Kampf gegen die brutalen Infizierten, doch wir bekommen ihn bis auf kleine Ausnahmen ausschließlich aus der Sicht von Gerry Lane gezeigt. Dieser ist der einzige Charakter im Film, der es wert ist, als solcher bezeichnet zu werden, obwohl er ebenfalls nur ein Führer durch das Chaos ist, weil er prinzipiell ohne Eigenschaften bleibt und wir nicht erfahren, wo seine besonderen Stärken und seine speziellen Schwächen liegen. Warum er jedoch nicht einfach nur eine durchsichtige Figur ist, hängt möglicherweise mit Brad Pitts Schauspielleistung zusammen, der die Rolle des Einzelkämpfers perfekt ausfüllen kann. Er spielt keine typische Heldenfigur, der sich mit irgendwelchen Marotten Sympathiepunkte ergaunert, sondern einen, den wir rein an seinen Taten messen. Hätte diesen Gerry Lane ein schlechterer Schauspieler übernommen, wäre der Film wahrscheinlich nicht einmal halb so gut geworden. Was das Skript versäumt, holt Pitt also nach, auf den wir uns verlassen, dass er die Welt rettet. Doch dazu kommt es dann gar nicht erst, weil der Film ein sehr offenes Ende nimmt, bei dem gar der Showdown wegleibt. Gerüchte machen schon die Runde, dass der Film einen zweiten Teil bekommt bzw. dass das Szenario fortgesetzt wird. WORLD WAR Z konnte glücklicherweise viel Geld an den Kassen machen, was deshalb gut war, weil er Hunderte Millionen von Dollars verschlang (in der bekanntesten Datenbank findet sich die Zahl 190.000.000). Das lag insbesondere daran, dass eine kostspielige finale Schlacht gedreht, aber nach Sichtung des kompletten Materials wieder herausgeschnitten wurde. Man drehte daraufhin ein anderes Ende, das Damon Lindelof (PROMETHEUS) und Drew Goddard (THE CABIN IN THE WOODS) konzipiert hatten, welches mit einer Schlacht aber herzlich wenig zu tun hat. Eher begibt man sich dort zu den klassischen Abbildungen des Zombiegenres und unterläuft somit die Unterhaltungskonventionen radikal. Dies wird von den meisten Kritikern aber bemängelt, zumeist mit dem Argument, dass durch das letzte Drittel, das hinzugefügt wurde, WORLD WAR Z an Stringenz einbüßt. Ohnehin sei eine Kriegsschlacht gegen die Infizierten bei der gegebenen Thematik radikaler, meinen sie. Das ist natürlich gut möglich, doch mochte ich die Abwechslung bei der Sichtung und ich schätze sie auch in der kritischen Auseinandersetzung. Des Weiteren denke ich, dass sich für diesen Umstand in 30 Jahren sowieso niemand interessieren wird.

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