Donnerstag, 21. November 2013

Die Rache des Würgers

BRIDE OF THE MONSTER
USA, 1955
Genre: Horror, Thriller (Trash)
Dauer: 68 Minuten

Regisseur: Ed Wood
Drehbuch: Alex Gordon, Ed Wood
Darsteller: Bela Lugosi, Tony McCoy, Loretta King, Tor Johnson, Harvey B. Dunn, George Becwar, Paul Marco, Don Nagel

Oft als herzensguter Trash verkonsumiert, besticht DIE RACHE DES WÜRGERS durch allerhand gut geschriebene Charaktere, die vielleicht wenig Originalität aufweisen, dafür sich jedoch exzellent in ein verrücktes Universum fügen. Woods Drehbuch, nach einer Idee von Alex Gordon, mag Haarsträubendes hervorbringen, doch verzichtet es auf jene Verlängerungen, die nur die Spielzeit strecken. Das führt dazu, dass die Geschichte um einen durchgedrehten Wissenschaftler eine fantastisch zu nennende Kompaktheit aufweist, wodurch es trotz Ungereimtheiten dann doch irgendwie einen roten Faden gibt und der seltsamen Montage ihre Seltsamkeit entzogen wird. Der Schwung und das Pausenlose bewirken, dass das sogenannte Unreine für den Augenblick des Auftritts neutralisiert oder zumindest als sympathisch-exzentrisch gekennzeichnet wird, wenngleich das wahrscheinlich nur funktioniert, wenn man an diesen Film ohne Vorurteile herangeht. Mich wundert es ohnehin, warum der Mann für die Drehbücher wie auf Kommando und beinahe einhellig als untalentiert bezeichnet wird. Im Fall von DIE RACHE DES WÜRGERS deutet bis auf die Existenz einiger nicht mit einem funktionierenden Verstand in Zusammenhang bringender Erzähllösungen nichts darauf hin, dass hier jemand geschlampt hat. Doch selbst diese unreinen Bestandteile der Story erfüllen bei der Nachbetrachtung ihren Zweck, weil sie den Ironie-Charakter des Inhalts nur verstärken.

Inhaltlich und visuell steht der Film, was seine Orientierung angeht, auf der Seite des Universal Studios und dessen Horrorfilmabteilung, was schon in den ersten Minuten offensichtlich wird. Blitze schießen durch die Luft, der Himmel kracht ganz schön, zwei Männer laufen tief im Wald herum. Auf ihrer Suche nach einem Versteck vor dem Sturm kommen sie auf die Geschehnisse der letzten Monate zu sprechen, die in der Gegend stattgefunden haben sollen. Angeblich laufe im Ort ein Monster herum, das schon zehn Menschen spurlos verschwinden ließ. Als sie weiter vordringen, gelangen sie zu einem verlassenen Haus, in dem sie sich Hilfe erhoffen. Doch der Hausherr lässt die beiden Männer draußen stehen, sodass sie sich wieder zurückziehen müssen. Dieser gar nicht nette Herr ist der Wissenschaftler Eric Vornoff, der aus einem nicht benannten Land in die USA gekommen ist, um in Ruhe Experimente an Menschen zu machen und auf diese Weise eine Armee von atomaren Supermenschen zu erschaffen. Nachdem die Männer wieder gegangen sind, befiehlt er einem Kraken mittels Telepathie, die Eindringlinge zu verfolgen und zu schnappen. Dem Kraken gelingt es dann später auch einen der Typen in seine riesigen Fangarme zu bekommen, während der andere Mann von Lobo - ein stummer, schwergewichtiger Hüne und eine Marionette des Wissenschaftlers - eingefangen und in Vornoffs Labor gebracht wird.

Auf der Polizeistation macht man sich Sorgen, denn nachdem wieder zwei Menschen am Lake Marsh verschwunden sind, muss etwas unternommen werden, um die Serie endlich zum Halten zu bringen. Die Diskussion zwischen Abteilungsleiter Tom Robbins und dem Polizisten Dick Craig, der sich mit dem Fall befasst, offenbart, dass die beiden an die Geschichte von einem Monster nicht glauben. In die Welt gesetzt hat das Gerücht Dicks Verlobte Janet Lawton, die sich von ihm angewidert zeigt, weil er ihr sowohl seit Tagen aus dem Weg geht als auch ihre Tätigkeit als Reporterin nicht zu schätzen weiß. Da sie von niemandem Hilfe erwartet, entscheidet sie sich, die Gegend um Lake Marsh allein zu erkunden. Leider kommt sie auf dem Weg dorthin mit dem Auto von der Straße ab und wird nach dem Aussteigen beinahe von einer Schlange attackiert. Ihr Glück ist es, dass Lobo von irgendwoher kommt und sie rettet. Ihr Pech ist es aber, dass er sie zur Experimentierhölle des verrückten Vornoff bringt. Währenddessen ist Abteilungsleiter Tom in ein Gespräch mit einem Fachmann aus dem Ausland vertieft, der behauptet, dass es zwischen dem Monster vom Lake Marsh und dem von Loch Ness einen Zusammenhang gebe. Der Ausländer soll an dem Fall ebenfalls mitarbeiten, doch tatsächlich dient seine Zusage zu einer Mitarbeit für diesen nur als Vorwand, um Dr. Vornoff persönlich kennenzulernen. Vornoffs Fähigkeiten in der nuklearen Forschung sind in seinem Heimatland nämlich populär geworden, weshalb der Ausländer den Wissenschaftler darum bittet, wieder "nach Hause zu kommen". Eric Vornoff aber, versessen darauf, eine überlegene Rasse zu kreieren, denkt nicht an Rückkehr und lässt daraufhin Lobo die Drecksarbeit erledigen, der den enttäuschten Mann dem Kraken zuwirft.

Der Rest der Geschichte ist wahrlich vorhersehbar, wenngleich diese Vorhersehbarkeit durch paar verrückte Vorkommnisse teilweise eingedämmt wird. Lobo, der Haussklave, handelt nach freiem Willen und durchkreuzt die Pläne von Dr. Vornoff, in dem er die Reporterin Janet befreit, seinen Meister zuerst verhaut und dann auf die Experimentierliege legt. Interessant ist hierbei, dass Schüsse aus der Pistole Lobo nichts ausmachen, was deshalb überrascht, da man zuvor noch gedacht hat, Lobo sei einfach nur ein starker Mann, kein in einem Labor aufgepimptes Wesen. In der Sequenz stellt sich jedoch heraus, dass er der erste Mensch der Superrasse ist. Der Ironie-Stempel ist an dieser Stelle nicht zu übersehen, schließlich ist das Schwergewicht zwar sehr kräftig und schwer besiegbar, aber er ist intellektuell, athletisch wie auch ästhetisch deutlich unterdurschnittlich. Nachdem Lobo Vornoff die Versuchskaninchen-Rolle aufzwingt und paar Schalter umlegt, verwandelt sich dieser ebenfalls in einen sogenannten Supermenschen. Dabei zeigt Vornoff in seiner neuen Existenz dieselben Verhaltensweisen und bewegt sich auf die gleiche träge Art fort wie sein ehemaliger Sklave, und auch eine Verschlechterung des Aussehens ist nicht von der Hand zu weisen. Doch Wood bricht mit seiner Ironisierung der menschenunwürdigen Misshandlung, mit der ein durchgedrehter Möchtegerngott die Allgewalt anstrebt, an dieser Stelle noch nicht ab. Nicht nur ist es witzig, dass Vornoff am Ende vom Kraken getötet wird, also seiner eigenen Waffe, es ist überdies auch deshalb lustig, weil es keine Panzer und Granaten benötigt, um ihm den Garaus zu machen. Ein Krake und dessen Fangarme reichen anscheinend aus, wohingegen Kugeln nichts ausrichten können. Damit entpuppt sich Dr. Vornoffs Plan sowie sein Bild vom Überwesen endgültig als Farce.

Welchen Riesenschritt in der Professionalisierung Ed Wood mit diesem Film getätigt hat, kann man wahrscheinlich nur nachvollziehen, wenn man die beiden Vorgängerstücke GLEN OR GLENDA und JAIL BAIT gesehen hat. Selbstverständlich strahlt DIE RACHE DES WÜRGERS eine fast polemische Billigkeit aus, die sich sowohl außen wie auch innen finden lässt, aber der Anstieg des schauspielerischen Niveaus ist nicht zu übersehen und der der musikalischen Begleitung nicht zu überhören. Bela Lugosi in der Gestalt des Dr. Vornoff zitiert hier seine Figuren aus Filmen wie WHITE ZOMBIE (1932) oder THE RAVEN (1935) und legt eine großartige Performance hin, wenngleich er an seine besten Tage nicht anknüpfen kann und aus körperlichen Gründen in mehreren Szenen gedoubelt wird, was sehr häufig auffällt, weil das Double wenig Ähnlichkeit mit Lugosi aufweist. Für mich persönlich ist das sogar der drittbeste Film, in dem der Schauspieler eine führende Rolle einnahm. Besser waren nur der bereits genannte THE RAVEN und DIE SCHWARZE KATZE (1934).

Der Streifen wurde hauptsächlich von einem gewissen Donald E. McCoy produziert, der dafür zwei Bedingungen stellte. Die erste war, dass sein Sohn Tony McCoy die Hauptrolle bekommt und die andere, dass es am Ende eine Atomexplosion gibt; beide Wünsche bzw. Vorgaben erfüllte ihm Wood. Seine Freundin Dolores Fuller bekam, anders als in den Langfilmen zuvor, eine mickrig kleine Sprechrolle, während die unerfahrene Loretta King den Hauptcharakter weiblichen Geschlechts übernehmen durfte. Sie spielt eine aktive Reporterin, die sich nicht mehr länger mit ansehen will, dass die Männer ihre Geschichte von einem Monster weiter als aufmerksamkeitsheischende Erfindung abtun, weshalb sie alleine in den Wald geht. Ihrem Verlobten kündigt sie gar an, sich von ihm zu trennen. Erst als sie in die Fänge von Dr. Vornoff gerät, nimmt sie den passiven Part ein und bekommt die Rolle des Um-Hilfe-Schrei-Weibs. Die Genialität des Drehbuchs zeigt sich aber auch bei dem Verhältnis von Mann und Frau, weil ihr Verlobter nicht als Held auftritt und sie rettet und küsst und all dieses Zeug, sondern ihr nur zur Hilfe eilt und sein Bestes versucht. Er selbst scheitert bei der Befreiung, überleben tun sie aber zusammen. Zum Schluss stehen sie Seite an Seite da und man kann sich kaum vorstellen, dass ihre Partnerschaft durch das gemeinsame Erlebnis nicht wieder auf das alte, harmonische Level gebracht wird. Außerdem lassen sich aus den Geschehnissen, zu deren Bestandteilen ein Mad Scientist, ein schwergewichtiger Sklave und ein hungriger Krake gehören, doch schöne Anekdoten basteln, die man Freunden erzählen kann. Die Atomexplosion in der Ferne, die zu den letzten Bildern des Films gehört, stellt für die beiden dann auch noch einen sinnlichen Augenblick dar. Andere Paare schauen sich den Sonnenuntergang an, doch sie sind Zeuge einer atomaren Vernichtung. So bezaubernd konnte das nur Ed Wood machen.

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