Sonntag, 25. August 2013

You and Me

You and Me (Ty i ya)



Sowjetunion, 1971
Genre: Drama
Regisseur: Larisa Shepitko
Darsteller: Leonid Dyachkov, Yuri Vizbor

Ein Mann kehrt enttäuscht aus Schweden in die Sowjetunion zurück, wo er vor einigen Jahren in der Neurochirurgie Großes großes geleistet hat, sich dann aber dazu entschloss, einen unterfordernden und nutzlosen Job in Stockholm anzunehmen. Bei seinen alten Freunden in Moskau scheint er jedoch auch nicht glücklich zu werden, weshalb er eines Tages, völlig desillusioniert, spontan in einen Zug steigt, um eine Reise in eine neue, aber ungewisse Zukunft anzutreten.

You and me und alle, die wir kennen

Kommentar: Nicht verzagen, weitermachen, dachte sich wohl die russische Filmemacherin Larisa Shepitko, nachdem zwei ihrer vorherigen Langfilme mehr oder weniger ohne breite Rezeption des Publikums für viele Jahre im Archiv verschwinden mussten. Lief ihr FLÜGEL wenigstens noch einige Wochen im Kino, bevor er aus den Sälen abzwitschern musste, durfte DAS VATERLAND DER ELEKTRIZITÄT nicht einmal öffentlich gezeigt werden, weil er schlicht und einfach verboten wurde. Und auch wenn YOU AND ME ebenfalls nicht ganz frei von Zensur ist, weil er Schnitte enthält, die mit irgendwelchen hörigen Kunstnichtverstehern abgesprochenen wurden, kann man nicht davon sprechen, dass eine Künstlerin so weit eingeknickt war, dass sie es aufgegeben hat, fordernde, stilistisch aufregende und narrativ komplexe Filme zu machen. YOU AND ME ist teils poetisch, teils philosophisch, teils existenzialistisch, und in jedem Fall russisch - was nicht unbedingt daran liegt, dass wir in vielen Episoden sehr viel Schnee sehen können, sondern an dem zentralen Stück des Films.

Shepitkos Drama ist nämlich ein Versuch, die Schwierigkeiten, Umstände und Lebensstrategien der heimischen Ü30-Intellektuellen aufzugreifen, wobei sie dies eher codiert zur Sprache bringt und ihre Protagonisten von allzu vielen traurigen oder frustrierenden Gesprächsrunden fernhält. So gibt der Film meistens auch mehr Kontextinformationen über seine Bild- als über seine Dialogebene preis, ohne allerdings sehr semidokumentarisch oder Ähnliches zu wirken. Durch seine sprunghafte und irritierende Erzählweise schafft er überdies das Kunststück, dass der Zuschauer die Dimension der Desillusion der Hauptfigur auch intuitiv wahrnehmen kann. Schließlich zeigt der Plot in erster Linie einen suchenden Menschen, der Kontrolle und Halt wiederfinden will. Er muss noch immer an vergangene Bestände denken und kann sich von dem Vorwurf, eine große Chance verpasst zu haben, nicht freisprechen. Zerknirschung und Verwirrung sind seine Reaktionen auf viel zu schnell verflogene Jahre.

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