Dienstag, 21. Mai 2013

Lebenskünstler

Lebenskünstler (You Can't Take it with You)



USA, 1938
Genre: Komödie, Drama
Regisseur: Frank Capra
Darsteller: James Stewart, Jean Arthur

Tony Kirby ist Vizepräsident einer erfolgreichen Firma seines Vaters und möchte seine Stenografin Alice Sycamore heiraten, was von seinen beiden Elternteilen sehr skeptisch vernommen wird. Da dies auch Alice weiß, besteht sie darauf, dass Tony seine Eltern in ihr Haus bringt, damit sie ihre Familie kennenlernen können. Doch da Tony keine Lust darauf hat, dass sich die Familie von Alice zum Treffen nicht so zeigt, wie sie in Wirklichkeit ist, besucht er mit Mutter und Vater einen Tag früher als geplant das Haus der Sycamores. Das führt natürlich unweigerlich zu einer Serie von Pleiten, Pech und Pannen.

Und das Gute triumphiert

Kommentar: LEBENSKÜNSTLER weist natürlich auch wieder die Capra-typische Magie auf, die seine Filme ab Mitte der 1930er Jahre zeigten, in dem sie unter anderem darauf Wert legten, das Gute triumphieren zu lassen. YOU CAN'T TAKE IT WITH YOU, so der Originaltitel, wurde nach einem erfolgreichen Bühnenstück inszeniert und hält überraschenderweise relativ wenig Screentime für den eigentlichen Hauptdarsteller James Stewart bereit. Denn Capra stellte ihm, im Gegensatz zu MR. SMITH GEHT NACH WASHINGTON (1939), die Schauspielerin Jean Arthur ein Jahr zuvor noch als gleichwertige Partnerin an die Seite, was natürlich auch unweigerlich zu wohldosierten Screwball-Späßen führt. Als Endprodukt ist der Film schon ganz deutlich ein Werk des Ensembles, weil sich nicht nur mehre Personen in einer aktiven Rolle am Handlungsfortschritt beteiligen, sondern selbst Nebenfiguren zeitbegrenzte Hauptrollen einnehmen. Dass sich diese Komödie das leisten kann, liegt selbstverständlich an der Spielzeit von satten zwei Stunden, die es sowohl möglich macht, eine behutsame Einführung zu gestalten als auch vorhersehbare Momente hinauszuzögern. Das Darsteller-Kollektiv wächst am Ende auch nicht nur zusammen; es wächst dem Zuschauer regelrecht ans Herz. Und da es vom Inhalt her eine Geschichte ist, die verschiedene Welten zusammenbringt und für Bescheidenheit und Uneigennützigkeit argumentiert, hätte eine Vermessung eines einzigen Individuums der entscheidenden Magie sowieso abträglich werden können. LEBENSKÜNSTLER steht, wie es sich liest, den anderen Wunschwelt-Konzepten, die Capra in ähnlichen Filmen formulierte, wirklich in nichts nach und lässt in naivsten Tönen zwei Männercharaktere aufeinanderprallen, von denen der eine für das Leben lebt und der andere für den ökonomischen Erfolg. Wer sich auf moralische Bildung der Marke Capra einlassen kann und Humor mag, der sich aus exzentrisch, aber nicht dumm und blöd auftretenden Figuren speist, der macht mit YOU CAN'T TAKE IT WITH YOU garantiert nichts falsch.

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