Donnerstag, 4. April 2013

Die Festmusik von Gion

Die Festmusik von Gion (Gion Bayashi)



Japan, 1953
Genre: Drama
Regisseur: Kenji Mizoguchi
Darsteller: Ayako Wakao, Michiyo Kogure

Die verwaiste Eiko fühlt sich im Haus ihres Onkels unwohl und beschließt deshalb, die Geisha Miyoharu, eine langjährige Arbeitskollegin ihrer verstorbenen Mutter, zu besuchen, um Unterstützung bei der Ausbildung zur Geisha zu bekommen. Miyoharu, die sich anfangs gegen den Berufswunsch ausspricht, willigt ein und macht dadurch viele Schulden. Nach einem Jahr intensiver Schulung ist Eiko schließlich reif für ihr Debüt als Geisha.

Die Dekonstruktion des Geisha-Kults

Kommentar: Stört der Quasi-Dokumentarismus der ersten halben Stunde noch den Geist der Fiktion, arbeitet sich das japanische Drama nach und nach in die Sphären emotionaler Spannung vor, bis auch der Letzte die Abgründe des Geisha-Kults sieht, die sich hinter dem Vorhang verstecken können. Mizoguchi wagt die Dekonstruktion einer traditionellen Unterhaltungskunst und legt hierdurch den Finger auf die Wunde, indem er seine Hauptcharaktere in missliche Lagen stürzt, die zur Offenbarung von Abhängigkeitsverhältnissen führen. DIE FESTMUSIK VON GION ist Mizoguchi-typisch zur Gänze sachlich inszeniert und durchwegs mit sehr guten Schauspielern besetzt, die sich scheinbar sehr wohl in ihren Rollen fühlten, was natürlich auf das weibliche Darstellerduo Ayako Wakao und Michiyo Kogure in besonderem Maße zutreffen sollte. Wenngleich Mizoguchi sich ein weiteres Mal routiniert japanischen Frauenschicksalen hingibt und sein Film erneut ein grandioses Schnitt-Timing aufweist, werfen die Hauptdarsteller das System hinter dem Film mehrmals in die Unsichtbarkeit. Selbstverständlich ist dies auch der bedrückt-ironiefreien Stimmung zu verdanken, von der unsere Realismusvermessung beeinflusst wird, doch kann sie nicht allein dafür verantwortlich gemacht werden, dass man hie und da nicht mehr das Gefühl hat, sich einen Film anzusehen. Es ist folgerichtig die Genialität von Ayako Wakao und Michiyo Kogure, denen es gelingt, die seelischen Versehrtheiten zweier Frauen kongenial für die Leinwand festzuhalten.

7/10

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