Sonntag, 31. März 2013

Planet der Stürme

Planet der Stürme (Planeta Bur)



Sowjetunion, 1962
Genre: Sci-Fi, Abenteuer (Trash)
Regisseur: Pavel Klushantsev
Darsteller: Vladimir Yemelyanov, Georgi Zhzhyonov

Eine sechsköpfige Gruppe von Kosmonauten fliegt inklusive eines technisch sehr fortgeschrittenen Roboters auf den Planeten Venus, um dort Informationen über Leben und intelligente Wesen zu sammeln. Dort angekommen machen sie auf dem von Felsen und Gesteinsschichten umgebenen sandigen Terrain Erfahrung mit merkwürdigen Viechern, die ihre angriffslustige Natur vor den Besuchern nicht verstecken wollen.

Eine kurzer Aufenthalt auf der Venus, mit Abenteuer-Ambiente

Kommentar: Man wappnet sich und ist auf das Schlimmste gefasst, wenn ein in der Sowjetunion entstandener Film gleich am Anfang durch einen Sprecher aus dem Off verlautbaren lässt, dass der Glaube an die Heldenhaftigkeit sowjetischer Menschen, die sich auf die Reise zur Venus begeben haben, sehr groß ist. Den Ekel propagandistischer Lobeshymnen an die eigene Nation riecht man da schon förmlich bevor irgendetwas konkret wird. Umso mehr ist man schließlich überrascht, dass PLANET DER STÜRME nicht zu sehr ins Erziehende oder Pro-Sowjetische abrutscht. Es lässt sich überdies Philosophisches finden, was ihn mit den bekanntesten Sci-Fi-Streifen des russischen Kinos eint. Zwar weist er insgesamt nur wenige Schnittpunkte mit SOLARIS und KIN-DSA-DSA! auf, doch die Begeisterung für philosophische Fragen kann man auch bei ihm herauslesen, sofern man nicht die Hoffnung auf die Tiefe richtet, da er es nicht gerade darauf abgesehen hat, den Filmverbraucher zu überfordern.

 Pavel Klushantsev war ein Filmemacher mehrerer Science-Fiction-Abenteuer und bekannt für seine Spezialeffekte, die heute natürlich keinen von den Socken hauen, früher jedoch durchaus die Menschen zum Staunen brachten. Diese Erfahrung lässt sich auch in diesem Film machen, denn neben einem damals komplex funktionierenden Roboterkostüm verblüfft Klushantsev mit seiner fundierten Kompetenz in Sachen Effekttechnik, wenn er eine kleine Gruppe von Kosmonauten in eine Art schwebendes Kleinauto setzt, das nur knapp über dem Boden gleiten kann. In diesen Bildern vom Roboter und dem futuristischen Fahrzeug wird aber der Unterschied zwischen anderen beweglichen Extras dann auch leider sehr deutlich gemacht. Ist die reingesteckte Mühe der angesprochenen handwerklich sauber gemachten Körper unübersehbar, lassen die feindlichen Kreaturen, die die abenteuerlustigen Menschen angreifen, dagegen den Beweis von guter Arbeit vermissen. So wie die billig umherspazierenden und springenden Mini-Dinosaurier enttäuschend schlecht sind, so drückt auch das fliegende Pterodactyl-ähnlichen Wesen das Niveau stark nach unten. Mit dem Vorwurf einer beabsichtigen Inkonsistenz zur Unterstreichung der Siegesserie des technischen Fortschritts des Menschen und seiner Gerissenheit gegenüber der stumpfen Wildheit der Instinktbestien ist wenig anzufangen, da es mit der Darstellung einer nach Frischfleisch hungernden Pflanze sogar ein exzellentes Exemplar der Kategorie Gegner gibt. Es war also wohl doch nur ein Budgetproblem.

Das Thema des Films ist eindeutig die Exploration eines fremden Planeten, die Auskundschaftung einer fremden Welt. Drei sowjetische Raumschiffe machen sich auf den Weg zur Venus, werden bei ihrer Mission jedoch von einem Meteoriten gestört, der ein Raumschiff zerstört. Da die Erkundung der Venus drei Raumschiffe vorsieht, werden die sechs Übriggebliebenen der zwei heilen Schiffe dazu veranlasst, mehrere Monate auf ein neues Raumschiff zu warten. Die Astronauten wollen aber die Zeit bis zur Ankunft einer dritten Maschine nicht sinnlos abwarten und starten deshalb ihre Expedition, in dem sie ein Schiff vorausschicken. Weil es erforderlich ist, dass irgendjemand den Kontakt mit der Erde halten muss, bleibt Mascha, die einzige Frau unter den Raumfahrern, allein in der Umlaufbahn zurück. Als das erste Schiff mit zwei Astronauten und einem technisch weit fortgeschrittenen Roboter zur Landung auf der Venus ansetzt, bricht der Kontakt ab. Daraufhin versucht das zweite Schiff, das in der Nähe des ersten landet, die verloren gegangenen Raumfahrer aufzufinden, was sich als ein schwieriges Unterfangen herausstellt, da feindlich gesinnte Kreaturen den Planeten besiedeln.

Klushantsevs Film bietet in seiner Darstellung von bösen Viechern und Dinosauriern, einer Unterwasserumgebung sowie den Interieurs der Raumschiffe fraglos eher Charme denn wahrhaft pittoreske Szenen, was wiederum den Rezipienten dazu verleitet, ihn nicht für voll zu nehmen. Ebenso ist der geradlinige Plot mit seiner Tendenz zu eher störenden Twists eine sehr unsaubere Angelegenheit, vom Spannungsbogen ganz zu schweigen. PLANETA BUR ist dann doch vielmehr für eine enzyklopädische Bildung zu gebrauchen, in die man gerne Zeit und manchmal auch Nerven investiert, weil sie hochinteressante Ergebnisse liefern kann. Ist es unnütz zu wissen, oder besser: zu glauben, dass dieser fast vergessene Film für Stanley Kubrick eine Inspiration für seinen 2001: ODYSSEE IM WELTRAUM war? Es mag sich weit hergeholt lesen, doch zwei Merkmale sind unbestreitbar ähnlich. Einmal ist es der Roboter, der sich in PLANET DER STÜRME ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr kontrollieren lässt, genau wie HAL 9000, und die Menschen deshalb in Gefahr bringt; die zweite Sache ist eine bestimmte Klangkulisse, die den Planeten Venus immer wieder umgibt. Dabei zeigt das Material der Tonspur eine enge Verwandtschaft mit den Klängen in Kubricks Klassiker auf, sobald dort der Monolith in den Mittelpunkt gerückt wird. Der große Unterschied ist nur, dass PLANET DER STÜRME eine Art Light-Version des bekannten Leitmotivs anbietet.

Cineasten mit Herz fürs Ungewöhnliche und Ramschig-Veraltete dürften mit diesem Film dann auch keine allzu schlechte Zeit haben, wenngleich die Bemerkung gestattet sein darf, dass man PLANET DER STÜRME nicht zu viel Ehre antun sollte, da er eben doch nur ein durchschnittliches B-Movie-Produkt seiner Zeit ist. Überdies ist seine enthaltene geschlechtsspezifische Aufteilung in eine Truppe von Männern, die draußen kämpft, und eine einzige Frau, die das Schiff hüten muss, schon sehr seltsam und wäre heute in dieser Form sicherlich nicht mehr möglich. An dieses Urteil folgend, bietet genauso die Rolle eines in die Technik verliebten Wissenschaftlers viel Strangeness, da dieser in seinem Ärger über einen vermeintlichen Fehler von Mascha, der einzigen Frau, einen chauvinistischen Ausruf par excellence kredenzt: "A robot can grasp a situation, but not a woman." Das ist insofern kopfschüttelnd, als dass weder einer der anderen Herren eine Korrektur vornimmt noch der Technikliebhaber irgendeine andere Form der Abrechnung verpasst bekommt.

Kurios war die Verbreitung der klushantsev'schen Filmideen in den Staaten. Denn erst erfuhr PLANETA BUR im Jahr 1965 durch Curtis Harrington ein mehr als dubioses Remake, für welches viele Szenen aus dem Original hinzuaddiert wurden; und 1968 konnte sogar Peter Bogdanovich nicht die Finger vom Stoff lassen, musste stattdessen unbedingt VOYAGE OF THE PREHISTORIC WOMEN machen, welcher anscheinend viele attraktive Frauen auf den Bildschirm bringen, sich jedoch wenig an das Ursprungsszenario halten soll.

5/10

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