Donnerstag, 27. Dezember 2012

Abwege

Abwege



Deutschland, 1928
Genre: Drama (Stummfilm)
Regisseur: Georg Wilhelm Pabst
Darsteller: Brigitte Helm, Gustav Diessl

Irene Beck fühlt sich durch Auflagen ihres Ehemannes Thomas nicht nur in ihrer Freiheit eingeschränkt, sie fühlt auch starke Vernachlässigung ihres Partners. Eines Tages besucht sie heimlich den Zeichner Walter Frank, dem sie ihr schwieriges Eheproblem erklärt. Daraufhin einigen sie sich, dass sie gemeinsam nach Wien abhauen. Doch aus dem Plan wird nichts, weil Irenes Mann hinter das Geheimnis der beiden kommt und seine Frau am Bahnhof abfängt. Damit platzt Irene endgültig der Kragen. Am nächsten Tag stürzt sie sich, ohne es ihrem Mann mitzuteilen, in das Berliner Nachtleben.

Wenn es  im Eheleben kriselt

Kommentar: Eigenartig modern und sehr zurückhaltend kann man das nennen, um zu beschreiben, wie sich dieser Film präsentiert. Er lässt sich als packend bezeichnen, weil er präzise inszeniert ist. Denn formale Schau-mal-her-Basteleien gehören genauso wenig zum Konzept wie die Motivation, fadenscheinige Rührseligkeit aufkommen zu lassen. Obwohl ABWEGE melodramatische Züge beinhaltet, schlägt er es aus, banal gestaltete Entwicklungen zu zeigen. Stattdessen sind wir Zeuge eines sich immer weiter voneinander wegbewegenden Ehepärchens, welches kurz vor der Auflösung steht. Das Melodram betreibt in diesem Stummfilm überhaupt keine Eingenreshow, sondern ist ständig dabei, sich mit Tragödie und Komödie abzuwechseln. Regisseur Pabst betont die Symptome der Lebenskrise einer jungen Frau, die auf der Suche nach einem nicht von ihrem Ehemann vordiktierten Lebensstil den Mief des Stocksteifen durch den Mief des Oberflächlichen tauscht, mehrmals gekonnt, in dem er die Befindlichkeiten und Positionen von Frau und Mann kontrastiert. Brigitte Helms preisverdächtig feuriger Blick und die feste  Eisblock-Visage von Gustav Diessl lassen die Kluft erspüren, die das Paar voneinander trennt. Unterm Strich ist ABWEGE ein liebevoll und heiter aufbereitetes Melodram mit sexuell aufgeladenen Bildern, einfach strukturierter Geschichte und feinsinniger Komik.

7/10

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