Donnerstag, 4. Oktober 2012

Patsany

Patsany



Sowjetunion, 1983
Genre: Drama
Regisseur: Dinara Assanowa
Darsteller: Valeri Priyomykhov, Andrei Zykov

Pawel Antonow leitet ein Jugenddorf für straffällige männliche Heranwachsende. Die meisten Jugendlichen stammen aus benachteiligten Familienverhältnissen, weshalb ihnen Vorbilder fehlen und Pawel Antonow für sie Autoritätsperson, Kumpel und Vater in Personalunion ist. Zwar ziehen die pädagogischen Maßnahmen von Pawel Antonow nicht immer eine positive Reaktionen seitens seiner Schützlinge nach sich, dennoch gibt er keinen der Jugendlichen auf und glaubt in jedem Einzelnen an das Gute.

It's hard to be good

Kommentar: Regisseurin Assanowa stellt mit ihrem Film in erster Linie Fragen. Das wird gleich am Anfang des Films deutlich gemacht. Auf Dokumentarfilm-Modus gestellt, kratzt der Film aus den heranwachsenden Burschen Stücke ihrer Gedanken, in dem, wie in einem Fernsehinterview, Fragen über Träume und die persönliche Gewaltbereitschaft gestellt werden. Auf alles scheinen sie eine Antwort zu haben. Bis auf eine Frage, die im späteren Verlauf eine wichtige Rolle für die Quintessenz von PATSANY spielt: Was ist ein guter Mensch? Die Jugendlichen reagieren auf diese simple Angelegenheit nervös und wortkarg; der zuletzt im Bild gezeigte bietet nur eine Floskel an. Aber wen verwundert das eigentlich, wenn Dinara Assanowa Jungen aus sozial benachteiligten Milieus vorstellt, deren Eltern sich nicht um sie kümmern und denen die Gemeinschaft mit Gleichaltrigen aus bürgerlichen Familien verwehrt wird, weil Eltern von privilegierten Kindern das nicht zulassen wollen. Trotzdem geht es in dem Film nicht direkt um gesellschaftliche Widersprüchlichkeiten auf der Basis der Ökonomie, sondern um die hohe Jugendkriminalität, die vermeidbar wäre, wenn die jüngere Generation der älteren endlich mehr Vertrauen könnte. Wie man das Vertrauen der Jugendlichen gewinnen kann, zeigt Assanowa durch die Figur von Antonow, einem sehr engagierten Leiter eines Sportcamps, der Vater und Kumpel für seine Schützlinge ist, einfach deshalb, weil es sonst niemand tut. Es ist sein Ziel, das Herz der Jugendlichen zu erreichen - damit sie sich vor ihren schlechten Taten schämen und diese in Zukunft unterlassen. Dass Antonows Ideale trotz alle Sympathien hinterfragt werden und dass das Ende den Pädagogen machtlos aussehen lässt, belegt grundsätzlich, wie differenziert die Macher von PATSANY den Stoff vermitteln wollten. Es gibt deshalb nur Konflikte, keine Lösungen. Die Lösungen müssen sich in der realen Welt durchsetzen.

8/10

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