Mittwoch, 5. September 2012

Zelle 211

Zelle 211 (Celda 211)



Spanien/Frankreich, 2009
Genre: Thriller
Regisseur: Daniel Monzón
Darsteller: Luis Tosar, Alberto Ammann

Um einen guten Eindruck auf seine neuen Arbeitskollegen zu machen, fängt Juan Oliver seinen Job als Gefängniswärter einen Tag früher an. Während des obligatorischen Rundgangs mit dem Personal bekommt Juan durch einen Unfall einen Schlag auf den Kopf und wird daraufhin bewusstlos. Als er aufwacht, findet er sich in Zelle 211 vor. Das Personal ist nirgendswo aufzufinden und die Gefängnisinsassen haben einen Aufruhr gestartet. Juan sieht seine einzige Möglichkeit zu überleben darin, dass er sich den Aufständischen als frisch eingebunkerter Zellenbewohner ausgibt.

Erhebt euch, Knastbrüder!

Kommentar: Die Anfangssequenz gibt die latent bedrohliche Stimmung der nächsten 90 Minuten vor: Ein Gefangener steht in seiner kleinen Zelle, schaut sich im Spiegel an und schneidet seine Arme auf. Seine Augen fixieren das Blut, welches aus seinem Körper sprudelt, in den Waschbecken runterläuft. Auch wenn der Rest von ZELLE 211 längst nicht so schaurig ist, führt er den Hauptplatz des Films, ein spanisches Gefängnis, mit effizienter Ausnutzung von Indizes als Ort des Zerbrechens ein. Die Geschichte des Protagonisten, der sich zur falschen Zeit und am falschen Ort befand, wird auf der Zeitachse linear erzählt, nur gebrochen von einigen wenig begrüßenswerten und bedeutungslosen Rückblenden, die ihn mit seiner schwangeren Freundin zeigen. Wie er sich langsam mit den Gefängnisjungs solidarisiert und sich mit ihrer Welt zu identifizieren beginnt, ist durchaus im Bereich des Verstehbaren, da dem Zuschauer selbst klar wird, dass die Grenzen zwischen Gefängniswärtern und Gefängnisinsassen hinsichtlich der Moral ziemlich verwischt sind. Man kommt kaum umhin, den Knastrevoluzzern Sympathien für ihr Vorgehen entgegenzubringen. Die Inszenierung fällt weniger furios-stürmisch aus, als dass man es zuerst denken könnte. Regisseur Monzón bedient sich sicherlich typischer Handlungspunkte und überdeckt nie die Schwachpunkte der etwas unwirklich gestalteten Männergruppendynamik, verliert jedoch mit seiner Fokussierung, die auf der Aufdeckung der Parallelen zwischen Gangstern und "Schließern" beruht, nie die Kontrolle über das Formale.

4/10

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