Freitag, 7. September 2012

Rashomon

Rashomon (Rashōmon)


Japan, 1951
Genre: Drama
Regisseur: Akira Kurosawa
Darsteller: Toshiro Mifune, Machiko Kyo  

Mitte des 12. Jahrhunderts in Japan: Ein Mönch und ein Holzfäller rätseln gemeinsam über eine Geschichte. Ein Bürger tritt hinzu, der sich die Geschichte in drei verschiedenen Fassungen erzählen lässt. Nachdem alle drei Versionen gehört wurden, macht sich im Mönch der Pessimismus hinsichtlich der menschlichen Natur breit, der Bürger findet sich in seinem längst abgeschlossenen Urteil über das Böse im Menschen bestätigt und der Holzfäller verrät den beiden anderen, dass er noch eine vierte Version zu erzählen hat.    

Menschen sind böse, aber...

Kommentar: Der gesellschaftspessimistische Film von Kurosawa setzt hinter die Behauptung, dass Menschen schlecht und egoistisch sind, ein Fragezeichen und geht diesem Thema sowie weiteren interessanten Themen und Problemstellungen, auf den Grund. Ein einsames Waldstück nimmt dabei den Hauptort eines Verbrechens ein und wird zum Sinnbild des Kulturlosen, dort wo sich niedere Instinkte aus dem Inneren am allerbesten in äußere Wildheit umwandeln lassen. Das Verbrechen wird aus den Erinnerungen eines Holzfällers erzählt, die selber auf den Erinnerungen der drei Figuren des gewalttätigen Aktes basieren. In dieser minimalen Verschachtelung applizierten die Macher des Werks einen cleveren Effekt, in dem sie nicht nur mit Rückblenden am Ort des Geschehens, sondern auch mit den Rückblenden zum Zeitpunkt der Aussagen arbeiteten. Der letzte Punkt findet vor einer Art Gericht statt, wobei die Kamera statisch bleibt und konzentriert auf die Aussagenden blickt. Aus dieser Perspektive kann der Zuschauer gar nicht anders, als den richterlichen Blick auf die Figuren und ihre Lügengebilde zu werfen. Spätestens bei der Aussage eines Toten überschreitet Kurosawas gesunder Pessimismus seinen neuralgischen Punkt. Doch Kurosawa wäre wohl kein fantastischer Regiekünstler, wenn er zum Schluss keine menschliche, Hoffnung machende Geste anbieten und stattdessen auf dem einfallslosen, spekulativen Pfad negativer Zukunftsbilder reiten würde. Es sei jedoch darauf hingewiesen, dass zu diesem Film ein Haufen weiterer Interpretationen existieren, die wissenschaftlich bedeutender sind.

8/10

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