Mittwoch, 5. September 2012

7 Jungfrauen

7 Jungfrauen (7 Virgenes)



Spanien, 2005
Genre: Drama
Regisseur: Alberto Rodríguez
Darsteller: Juan Joé Ballesta, Jesús Carroza

Tano ist 16 Jahre und sitzt in einer Besserungsanstalt. Doch für die Hochzeit seines Bruders darf er für 48 Stunden in die Freiheit treten. Doch statt Zurückhaltung zu üben, fängt er nicht unweit davon an, wo er in den letzten Tagen vor der Anstaltsverwahrung wohl aufgehört hat: Partyexzesse, Diebestouren mit seinem besten Kumpel Richi und aufregendes Bettenturnen mit seiner Freundin Petri. Bis ihm klar wird, wie leer sein Leben eigentlich wirklich ist.

Sozial engagierter Film in flirrender Optik

Kommentar: Aus der Ecke stereotypisierend inszenierter Sozialdramen kommt der Film von Regisseur Rodríguez nicht. Er schiebt Sentimentalitäten und plakative Aussagen gekonnt beiseite, dringt in das Umfeld einer sich immer weiter selbstzerstörenden Kultur ein und zeichnet ein komplexes Bild der moralisch degenerierten Jugend am Stadtrand in Andalusien. Diebstähle und Auseinandersetzungen zwischen Gangs sind an der Tagesordnung, das Machotum regiert. Die Hauptfigur Tano ist kein Held, fühlt sich aber so. Seine zwei Tage in Freiheit werden für ihn schließlich zu einem Prozess der Bewusstwerdung, was jedoch nicht gleichbedeutend mit der Besserung seiner sittlichen Standards ist. So leicht macht es Alberto Rodríguez dann doch nicht. Stattdessen fördert die Ambiguität der Hauptfigur Variablen in der Psychologie zutage, deren Auflösung irgendwann nicht mehr im Bereich des Möglichen scheint. Wer nimmt sich am Ende das Recht zu sagen, was für den jungen Mann richtig und was für ihn falsch ist? Des Weiteren bleiben die Polaritäten mehrerer sich abgrenzender Welten in dem Gemisch aus greller Handkamera-Optik und spanischen Rhythmen nur angedeutet, was den pessimistischen Neigungen des Sujets den Wind aus den Segeln nimmt. Dies mag sich vielleicht negativ lesen, doch der Punkt mit der fehlenden Düsternis und dem Pessimismus hat durch die Tatsache, dass der Film eine überdramatisierende Form strikt vermeidet, ein starkes Für-Argument auf seiner Seite. Wenn wir in der letzten Szene das aus vielen Filmen bekannte Motiv des Weglaufenden sehen, der mit Highspeed die Stadtstraße runtersaust, spielt 7 JUNGFRAUEN seinen Trumpf aus und stoppt das Bild, sobald sich Tano nach hinten umdreht. Ein magic moment. Was auch immer er bedeuten mag.

6/10

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