Mittwoch, 5. September 2012

Yella

Yella


Deutschland, 2007
Genre: Drama
Regisseur: Christian Petzold
Sprecher: Nina Hoss, Devid Striesow

Yella will raus aus dem tristen Wittenberge - und zwar schnell. Die Firma ihres Mannes Ben ist pleite, die Ehe ist gescheitert, jetzt will sie die Vergangenheit hinter sich lassen. In Hannover findet sie glücklicherweise einen Job. Am Tag der Abreise nach Hannover lässt sie sich von Ben überreden, dass er sie zum Bahnhof fährt. Doch auf der Autofahrt breitet Ben seine eigene fatale Situation vor ihr aus, gibt ihr zu denken, dass er ohne sie nicht mehr weiter leben kann und stürzt das Auto mit sich und seiner Ex-Frau in die Elbe. Yella schafft es aus dem Wasser zu kommen und fährt nach Hannover. In die vermeintlich schöne Zukunft.

Eine Träumerin in der Welt der Kapitalmanager

Kommentar: Hoffnungstrümmer und psychische Blessuren sind alles, was die aus Ostdeutschland stammende Yella am Ende mitnehmen kann - oder was uns Zuschauern von ihr übrig bleibt. Regisseur Petzold entwirft mit eindringlicher Tragik und präziser Ironie das Psychogramm einer Frau, die die Türen der Vergangenheit abschließt und in einer neuen Welt ihr Glück zu suchen beginnt. Die Kapitalistenwelt mit ihren Verhandlungsposern und Profitwichsern erweist sich als ein unbarmherziges System, in dem man zurecht kommt oder gnadenlos scheitert. Yella taucht in dieses System ein. Mithilfe ihres Geschäftspartners Philipp lernt sie die Geldgeilheit schätzen und die konstruierten, abgestimmten Abläufe in Managerzimmern kennen. Dabei kehrt Yellas lebendiges Ich ihr mit jeder neuen Gewinnsumme und jeder neuen Hoffnung immer stärken den Rücken zu. Bis nur noch ein Geist von ihr zu existieren scheint. YELLA lässt sich jedoch auf vielfältige Art und Weise deuten. Der Film zeigt sich in Beobachter-Position, nimmt in meinen Augen deshalb keine Peitschenhiebe gegen den bösen Kapitalismus vor, sondern ist am Jetzt-Menschen in einem neuen Stadium seines Lebens interessiert. Ein überzeugendes Werk der verträumten Bilder und pulsierender Surrealität.

7/10

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