Montag, 17. September 2012

Das Lied der Sperlinge

Das Lied der Sperlinge (Avaze gonjeshk-ha)



Iran, 2008
Genre: Drama
Regisseur: Majid Majidi
Darsteller: Reza Naji, Maryam Akbari

Familienvater Karim verdient sein Geld auf einer Straußenfarm. Doch innerhalb kürzester Zeit ereignen sich zwei Ereignisse, die dem routinierten Arbeiter und seiner Familie große finanzielle Schwierigkeiten bereiten. Einmal ist es seine Tochter, die versehentlich ihr Hörgerät kaputtmacht, für den anderen folgenschweren Vorfall ist der Mann selbst verantwortlich: Auf dem Hof entwischt ihm ein Strauß, am nächsten Tag feuert man ihn.

Tragikomödie über die Entdeckung wahrer Werte

Kommentar: Ein dreckiger und staubiger, aber nichtsdestotrotz poetischer Streifen aus dem Iran, welches bei der Darstellung des ärmlichen Lebens sich jede Bilderbuchpräsentation verkneift und mit prägnanten Sequenzen Charakterisierungen auf den Punkt bringt. Trotz aller übertriebenen Konstruktionen im Drehbuch verrät sich der Film zum Glück nie als sentimentales, um große Emotionen bettelndes Stück Abendunterhaltung. Vielmehr bleibt die Empathie zu allen relevanten Charakteren stets dezent, woran zwei Ursachen ihre Finger im Spiel haben könnten. Der erste Grund ist der, dass einerseits der Film außer für Familienvater Karim keiner anderen Person im Film einen Raum für Entfaltung bietet und dass andererseits Karim seine finanziellen sowie pädagogischen Anstrengungen für uns eher aus der Distanz ergreift. Die zweite Ursache begründet sich wohl im Mangel an scharfen Konflikten, was nicht falsch verstanden werden soll, denn Gegensätzlichkeiten und Spannungen sieht man in DAS LIED DER SPERLINGE zuhauf. Schlussendlich kann man sagen, der Remix aus dezenter und leiser Empathie mit der Vermeidung dramaturgischer Taschenspielernummern führt zu einem exquisiten Ergebnis eines Porträts über einen Vater, der sich noch nicht ganz mit seinem gesellschaftlichen Schicksal abgefunden hat, während er die kindliche Wahrnehmung der Nachbarskinder inklusive seines Sohnes über ihre Lebensrealitäten für absurd hält, diese später jedoch begreifen kann.

6/10

0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen