Mittwoch, 4. Juli 2012

Angst essen Seele auf

Angst essen Seele auf



Deutschland, 1974
Genre: Drama
Regisseur: Rainer Werner Fassbinder
Darsteller: Brigitte Mira, El Hedi

Emmi ist Putzfrau und Witwe. Eines Abends lernt sie in einer Bar den 20 Jahre jüngeren Gastarbeiter Ali kennen, nimmt ihn für eine Nacht mit in ihre Wohnung und verliebt sich in ihn. Doch so gut wie niemand ist glücklich über diese Beziehung. Die Nachbarn von Emmi beispielsweise lästern über ihr Verhältnis zu einem Ausländer und betiteln sie als Schlampe. Als die beiden sogar auch noch heiraten, wollen auch die Kinder von Emmi nichts mehr von ihrer Mutter wissen und die Kolleginnen bei der Arbeit meiden die Frau ebenfalls.

Kommentar: Ein von ihrer Umwelt angefeindetes Liebespaar versucht sich über Vorurteile hinwegzusetzen und beginnt ein Leben, das den Vorstellungen ihrer Mitbürger ganz und gar nicht entspricht. Fassbinder reagiert mit diesem Werk auf den alltäglichen Rassismus seiner Zeit. Er entkleidet schroff die kleinbürgerliche Welt und befingert die Intoleranz wie das fragwürdige Weltbild. Ausländer sind als dreckige Schweine stigmatisiert, und deutsche Frauen, die sich mit Ausländern abgeben, klassifiziert man schnell als Nutten. Fassbinders Kritik an der deutschen Gesellschaft, etwas mehr als dreißig Jahre nach der Herrschaft der Nationalsozialisten, ist vernichtend. Besonders grausam wird es, wenn enge Freunde oder Familienmitglieder, die sich zuvor mit dem Paar zerstritten haben, unter dem Deckmantel der Versöhnung, das später in der Ehe stehende Paar für ihre Interessen ausnutzen, weil ihnen das inhärente positive Kosten-Nutzen-Ergebnis bewusst wird. Der Film ist ein Liebesdrama mit manchmal grotesken Zügen und einer Mischung aus Nähe und Distanz zum Geschehen grundsätzlich kooperativen und distanzierten Form sowie vielen Unbehagen auslösenden Dialogen. Was bleibt noch zu sagen? Wahrscheinlich ist dieses Werk eine der begrüßenswertesten Arten des Kinos. "Angst essen Seele auf" weist mit großer Konsequenz auf reale Probleme hin und zeigt mit seinen melodramatischen Grundtönen ein großes Interesse für seine Figuren.

7/10

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