Dienstag, 24. April 2012

Schwarz auf Weiß

Schwarz auf Weiß



Deutschland, 2009
Genre: Dokumentation
Regisseur: Pagonis Pagonakis, Susanne Jäger
Darsteller: Günter Wallraff

Der bekannte Journalist Günter Wallraff verkleidet sich mal wieder. Als Kwami Ogonno aus Somalia will er den offenen und latenten Rassismus in Deutschland enthüllen. Vermieter, Uhrenverkäufer oder Senioren, keiner ist vor der versteckten Kamera sicher. Quer durch Deutschland ist Günter Wallraff 14 Monate lang gereist, um mit den Kameraaufnahmen zu beweisen, dass Ressentiments existent sind und die Hautfarbe entscheidend dazu beiträgt.

Kommentar: Misst man das Aussage-Potenzial der Aufnahmen an der Dauer des Projekts (14 Monate!), sind die hier erbrachten Ergebnisse mehr als erbärmlich. Teilweise überfällt Wallraff eingeschwore Gemeinschaften, meist ältere Menschen, oder er provoziert bestimmte Reaktionen, nur damit die Kamera glücklich ist. Fürchterlich und scheinfromm ist jedoch seine Rede, bevor die Maskerade anläuft. Da sitzt er, wird geschminkt und brabbelt etwas davon, dass er froh wäre, wenn man sehen könnte, dass Deutschland eigentlich ein total tolerantes Land sei und man sich längst vom Rassismus verabschiedet hätte. Was soll das? Ich hasse Konjunktivschreiberei, aber glaubt eigentlich irgendjemand, dass wenn er keine Ressentiments vorgefunden hätte, es diese Dokumentation gäbe? Selbstverständlich gibt es auch Aufgenommenes, das Vollzeit-Rassismus vor die Augen führt, das auch wirklich schockiert, doch überwiegen (leider?) Szenen, in denen deutlich wird, wie mit provozierenden Taten gearbeitet wurde, damit man zu einem ordentlichen Ergebnis kommt. Diese Wie-es-wirklich-ist-Doku ist alles in allem zurechtfrisierter Aufdeckungsquatsch eines aufmerksamkeitsgeilen Journalisten.

2/10

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