Donnerstag, 21. April 2011

Ferien für eine Woche

Ferien für eine Woche

Frankreich, 1980
Genre: Drama
Regisseur: Bertrand Tavernier
Darsteller: Nathalie Baye, Gerard Lanvin

Nach einem Nervenzusammenbruch wird die junge Lehrerin für eine Woche vom Unterricht freigestellt. So startet der Film und eine Spurensuche nach den Gründen der Selbstzweifel beginnt. Dabei wird das Geschehen von ruhigen Kamerafahrten eingefangen, die besonders bei den Außenaufnahmen die Figuren und die Winteranfangstage eindrucksvoll zur Geltung bringen und für Freudenschreie bei den Anhängern der optischen Filmkunst sorgen. Die Geschichte zweigt sich in mehrere Nebenhandlungen, die die Hauptfigur, die Lehrerin Laurence, stets im Blick haben und darüber hinaus eindringlich seelische Zustandsbeschreibungen der "Schulschwänzerin" entlocken. Angst ist der bedeutungsvollste Grundton in diesem Streifen von Bertrand Tavernier. Es ist nicht nur die Lehrerin allein, die das Angstgefühl überkommt, bei den Schülern versagt zu haben, weil sie diese nicht motivieren kann, sich für den Unterrichtsstoff zu begeistern; viel mehr wird diese Emotion von anderen Figuren ins Spiel gebracht. Der Restaurantbesitzer etwa, mit dem sie sich in ihren Urlaubstagen anfreundet, spricht von der falschen Entwicklung seines Sohnes; eine Schülerin macht sich Sorgen um ihre Intelligenz, da sie in vielen Dingen des täglichen Lebens nicht mitkommt, was auf die Angst vor der Erwachsenenwelt, in der das Konkurrenzdenken in den Vordergrund tritt, hindeutet. Laurence selbst denkt sogar darüber nach mit dem Lehrerberuf aufzuhören und die Nachrichten über den Erfolg der neuen Schulreform werden von ihr bloß belächelt. Am Ende ihres Urlaubs hat sie sich wieder gefangen, weniger wegen ihrem Freund, Pierre, oder dem Restaurantbesitzer, eher durch die Selbstreflexion mit dem Ergebnis, dass die Schule der einzige Platz ist, in dem sie voll aufgehen kann, auch wenn die Gören, wie sie immer die Kinder zu pflegen nennt, lust- und fantasielos den Unterricht über sich ergehen lassen.
Toll gespieltes Drama von Nathalie Baye mit kleineren Schwächen im Plot.

7/10

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