Die Insel der blutigen Plantage (1983)


DIE INSEL DER BLUTIGEN PLANTAGE
Regisseur: Kurt Raab
Deutschland 1983

Die Unmenschlichkeit ist sterblich

Ein deutscher Genrefilm mit Udo Kier, Karl-Otto Alberty, Kurt Raab und Barbara Valentin, welcher nur einige Vorführungen im Kino genießen durfte, bevor ihm die Aufmerksamkeit moralischer Wächter zuteilwurde, die ihn offensichtlich nicht verstanden und deshalb indizieren ließen. Auf den Philippinen unter schweren Bedingungen gedreht, handelt er von einem Diktator, der ein Inselvolk versklavt hält. Die Männer müssen auf der Plantage arbeiten, die Frauen zusätzlich zur Arbeit jedoch noch sexuelle Dienste leisten. Nachdem sich ein Wächter in eine Insulanerin verliebt, wird ihm bewusst, dass sein Führer ziemlich unmenschlich handelt. Er versucht daraufhin, den Frauen bei ihrem Fluchtvorhaben zur Seite zu stehen. Allerdings misslingt das Bemühen um die Erringung der Freiheit und der Schwarm des Wächters wird der Folterlust und sadistischen Triebe zur Verfügung gestellt. Raabs Film ist sicherlich Exploitation in einer nicht-widersprüchlichen, reinrassigen Form, die mit den üblichen semantischen Zeichen hantiert und sie auf sinnige Weise zu ordnen versucht. Das Spiel mit Barbareien und die expliziten Herausarbeitungen (un-)menschlicher Aggressionen fallen jedoch überraschend weniger eindimensional aus, als man es erwarten könnte. Das Szenario auf einer Insel, auf der ein machtgeiler Despot seinen Sadismus auslebt und das Volk zur Unterjochung zwingt, erinnert an waschechte Women-In-Prison-Fantasien, nur dass hier der freie Himmel über den Köpfen hängt. Tatsächlich könnte man die Örtlichkeit als eine Art Freiluftgefängnis betrachten, ist es den Bewohnern doch gar nicht oder nur schwer möglich, die Flucht zu ergreifen. Doch auch den Aufpassern und Fußküssern des Despoten ist es letztlich nicht erlaubt, der Insel den Rücken zu kehren. Was bleibt, sind Befehle und Unterordnung. Die Hierarchien sind nicht flach, wie es heutzutage in Annoncen modern-hipper Unternehmen gerne steht, sondern weisen jedem ihren Platz zu. Loyalität wird ohnehin vorausgesetzt, wenn man nicht gerade scharf darauf ist, die Radieschen von unten anzusehen. Dank ähnlicher Bedingungen, die man aus anderen Filmen kennt, weiß der Zuschauer, dass dieser grausamen Atmosphäre nur ein positives Gefühl etwas entgegensetzen kann: die Liebe. Raab inszeniert diese glücklicherweise vermittelnd frenetisch, sodass der Eindruck entsteht, dass es ihm nicht bloß darum ging, das singuläre Glück eines verliebten Pärchens zu zeigen, sondern gleich auch noch bildhaft das Despotentum mit all seinen pervers-faschistischen Dimensionen zum Teufel zu wünschen.

0 Kommentare:

Kommentar posten