Disturbing Behavior (1998)


DISTURBING BEHAVIOR
(Dich kriegen wir auch noch!)
Regisseur: David Nutter
USA 1998

Sympathisches Zeitdokument

Steve Clark zieht mit seiner Familie nach Cradle Bay, einer beschaulich wirkenden Insel im Bundesstaat Washington. In der Schule freundet er sich mit drei Außenseitern an, die ihm von einer Clique erzählen, die aus mustergültigen Schülern besteht. Makabre Stories und absurde Gerüchte dringen zu Steve vor, denen er jedoch keinen Glauben schenkt. Als sich einer seiner neuen Kumpels jedoch von einem auf den anderen Tag ebenfalls der Gruppe anschließt, beginnt er hartnäckiger zu forschen. Ein am Teenhorrorhype der späten Neunziger partizipierender Highschool-Grusler, welcher sich Paranoiaklassiker des Genres älteren Semesters zum Vorbild nimmt. Dazu zählen neben INVASION OF BODY SNATCHERS und THE STEPFORD WIVES auch THE VILLAGE OF THE DAMNED, des Weiteren gibt es viele thematische Überschneidungen mit dem im gleichen Jahr erschienenen THE FACULTY. Als Kind der Post-SCREAM-Ära schielte er auf ein jüngeres Publikum, das in der anonymisierenden Dunkelheit des Kinosaals darauf erpicht war, körperliche Nähe herzustellen und erste Erfahrungen mit dem anderen oder dem gleichen Geschlecht zu machen. Insofern steht auch DISTURBING BEHAVIOR im Verdacht, auf Jugendliche zugeschnittene Slashergewalt mit anspruchslosem Geschichtenerzählen zu kreuzen. Die traditionalistische Ausrichtung der Inszenierung und die resolute Schnittfassung des Studios, die mehr als 20 Minuten der Wunschfassung des Regisseurs verschweigt, mag die Theorie vom passgenauen Fast Food und Hintergrundrauschen für das hormongesteuerte Jungvolk bestätigen. David Nutter, so erfahren er im Fernsehgeschäft schon damals war, misslingt es zudem, zu einer ansprechenden Leinwandästhetik zu finden. Sequenzen in Schulkorridoren und Pausenkantinen könnten aus BUFFY stammen und alles, was in der Finsternis der Nacht stattfindet, schaut nach AKTE X aus, für die Nutter übrigens auch einige Folgen realisierte. Das ist funktional und handwerklich sauber ausgeführt, doch schön oder genialisch sieht anders aus. Obschon also auf den ersten Blick alles gegen DISTURBING BEHAVIOR spricht, kann dieser Underdog jener Filme, die sich damals ins risikolose Fahrwasser des Klassikers von Wes Craven begaben, als ungelenk-sympathisches Dokument einer nicht lange andauernden Comebackepoche schreiender Teenager und geheimnisvoller Meuchler überzeugen. Die Zuneigung bündelt sich zum einen aus der Verweigerung des Films, das Slashergenre fortzuschreiben und dem Whodunitprinzip zu huldigen, zum anderen scheint er mir die Highschool nicht bloß als Lokalität für Wissenserwerb und soziale Interaktion zu zeichnen, sondern auch unter die Oberfläche vordringen zu wollen, indem er den Ort als geschlossenen Mikrokosmos darstellt, welcher von Uniformierungszwängen dominiert wird, die nach eindeutigem und halbaggressivem Ausstellen von Identitäten schreien.

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