Happy New Year (2014)


HAPPY NEW YEAR
(Happy New Year - Herzensdiebe)
Regisseurin: Farah Khan
Indien 2014

Hohlbirnen in der Achterbahn

Um Rache zu nehmen, plant eine Crew einen Diamantenraub. Doch um überhaupt in die Nähe des Tresors zu kommen, muss dass Team aus Mumbai zunächst einen lokalen Tanzwettbewerb gewinnen, da die Diamanten sich in Dubai befinden. Glücklicherweise finden sie weibliche Unterstützung, die ihnen bei der Ausführung der richtigen Schritte unter die Arme greift. Wer es quietschbunt und drüber mag, wird sich in den Film geradezu hineinlegen können. Vorausgesetzt, dass er oder sie über brachial-debile Kalenderweisheiten hinweghören kann, die dem Publikum alle zehn Minuten ins Ohr geblasen werden. Gewinner und Verlierer könnten die Seiten wechseln, denn das Schicksal sei launisch, man hätte ja alles sowieso selbst in der Hand. Von einer solchen Message kann man natürlich halten, was man möchte. Problematisch wird es jedoch, wenn die Hohlbirnen durch einen Tanzwettbewerb stolpern und zu unlauteren Mitteln wie der Wahlmanipulation greifen müssen, um ihr Schicksal auf den rechten Pfad zu bringen. Da wird dann nicht nur auf jahrelange Anstrengungen anderer Menschen gespuckt, sondern unhinterfragt Träume von Kindern gebrochen. Shah Rukh Khan als Anführer und Oberdummbolzen ist sicherlich einer der unerträglichsten Pappnasen, die einem jemals als Sympathiemagnet verkauft wurden. Doch kann er beständig auf die Narrenfreiheit bauen, die ihm das Drehbuch zusichert. Noch in den asozialsten Momenten schafft er es, das Zentrum des Edlen zu bilden. Ein schmachtender Blick oder ein hündisch wirkender kurzer Augenkontakt mit dem Boden reichen hier schon aus, um ein Frauenherz wieder in Schwung zu bringen. Wenn gar nichts hilft, dann irgendwas auf Englisch plappern. Ich kenne nicht jeden Film des bekanntesten Bollywoodschauspielers, aber ich bin sicher, dass er es selten so leicht hatte. Abseits der moralischen Schwierigkeiten hält sich HAPPY NEW YEAR durch seine repetitive Präsentation der Auf und Abs in einer Dauerschleife gefangen, die seine Zuschauer für hirnlose Achterbahnfahrer hält. Dass Euphoriestimmungen durch eine Wendung einbrechen, kennen wir bereits aus zig Hollywoodfilmen und deren Nachahmern. Doch in HAPPY NEW YEAR wird das Geknicktsein irgendwann zu ein und derselben Phrase, von der man spätestens nach ihrer dritten Verwendung nichts mehr hören will. Dass sich keine der Figuren bei diesen Déjà-vus blöd vorkommt, spricht natürlich für deren nicht vorhandene Intelligenz. Regisseurin Farah Khan gleicht das, was fürs Herz und Hirn mangelt, ein wenig mit ihrem Schwerpunkt auf die Optik aus. Die Tanz- und Singeinlagen sind selbstredend glamourös geworden, doch auch der Rest schreit nach der Aufmerksamkeit der Augen. Alles will Pracht sein und deshalb schaut selbst die Schlammflüssigkeit nach fertigem Nesquik aus. Immerzu drüber sind ebenso die abgedroschenen Gags, die es mit Sicherheit schaffen würden, dem nicht gerade für Subtilität stehenden Adam Sandler die Schamesröte ins Gesicht zu treiben. So viele Millionen verpulvert, so viele Macher beteiligt - und dann entsteht ein solcher Film. In dieser Form des ungezügelten Plemplems natürlich zuvorderst ein Mysterium. Wenn auch kein besonders sinnliches.

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