Manos: The Hands of Fate (1966)


MANOS: THE HANDS OF FATE
Regisseur: Harold P. Warren
USA 1966

Gemein verlangsamtes Kuriousum

Seine Schlechtigkeit ist berüchtigt, sein Ruf als einer der miserabelsten Filme legendär. Selbst viele Geschmacksverirrte, die in den abgelegensten Gemäuern filmischer Historie nach Billigperlen fahnden, winken hier ab oder schaffen gerade mal so die oft gerühmte MST3K-Version. Lediglich vereinzelte Befürworter und Advokaten kann MANOS: THE HANDS OF FATE versammeln, doch auch deren Euphorie hält sich meistens in Grenzen. Dabei verdient der Film nicht bloß vehemente Verteidigungen seiner Verdienste gegen Verrisse und Verunglimpfungen, sondern auch Lob, Applaus sowie authentische Anerkennung. Die Geschichte um eine Familie, die sich auf einer Urlaubsreise verfährt und deshalb in einer abgelegenen Unterkunft haltmacht, entwickelt sich ohne Drücken auf das Gaspedal. Was als nervtönendes Kriechtempo wahrgenommen werden kann, ist vielmehr ein faszinierendes dramaturgisches Innehalten, welches bis zur exzessiven Entschleunigung ausgebaut werden kann. Hierzu passen auch die repetitiven, langsamen und deshalb auch durchaus hypnotischen Reden von Torgo, einem seltsam bedeppert dreinschauenden Dude, den wir als eine Art Türsteher des Hauses kennenlernen. Später wird er vom Meister des Hauses bestraft, weil seine Lust mit ihm durchgeht. An die Stelle Torgos rückt der Vater der Familie, weil diese es nicht schafft, aus den Fängen des Meisters und seines Kults zu entkommen. Ein Kreislauf deutet sich an, das nächste Auto mit den nächsten Opfern rückt schon vor. Regisseur, Produzent und Autor Harold P. Warren wollte mit Sicherheit einen Horrorfilm drehen, doch herausgekommen ist ein sich langsam ausbreitender Wahnsinn. Sehr viel Bildung in diesem Genre gehabt zu haben, traue ich Warren jedenfalls nicht zu. Überhaupt scheint jede Komponente, jede Faser des Films inkompetent zusammengesetzt zu sein und hätte Ed Wood eine Filmschule gegründet, dann wäre Harold P. Warren aus dieser wieder vorzeitig rausgeworfen worden. Daraus MANOS: THE HANDS OF FATE jedoch einen Strick zu drehen, halte ich beinahe für blasphemisch. Denn genau aus der Umkehrung jeder filmhandwerklichen Logik spinnt der Film ein interessantes Netz verschiedenster Elemente, welche die Sehgewohnheiten auf den Prüfstand stellen. Aus der gemeinen Verlangsamung gewinnt das Werk eine freche somnambule Weirdness, dessen atmosphärische Dichte durch die kohärente Inszenierung, so bescheuert sie auch sein mag, den Zuschauer von Anfang bis Ende greift, packt und festhält. Das Handmotiv, welches sich immer wieder im Haus des Meisters wiederfindet, spielt dabei auf dieses Festhalten an. Verstörend-Hypnotisierende, kurios-entrückte und komplett unkopierbare Maximalkuriosität, die ich jeder modernen Trash-Emulation vorziehen würde. Mag sein, dass es eine fast exklusive Meinung ist, aber ich bin nicht unfroh sie hinauszulassen, bevor sie sich in meinen privaten Denkstuben zu Tode langweilt. Flieg hinaus und bekehre die Welt!

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