Freitag, 7. März 2014

Die Sopranos - Staffel 2

The Sopranos
USA, 1999 - 2007
Umfang: 6 Staffeln (86 Episoden)
Genre: Drama
Idee: David Chase


Tony Soprano ist ein Mafioso aus New Jersey und entschließt sich, nachdem er von Panikattacken heimgesucht wurde, zu einer Psychiaterin zu gehen. Neben den persönlichen Sorgen treten auch immer wieder Schwierigkeiten mit Leuten auf, die seinen Mafiakollegen und ihm den Platz streitig machen wollen oder Gelder nicht pünktlich zahlen. Und dann hat Tony ja noch seine andere Familie, seine Frau, seine Tochter und seinen Sohn. 


Tony ist wieder auf Achse und versucht, sich seine psychischen Schwächen nicht anmerken zu lassen, schließlich hat er es fertiggebracht, dass sein Umfeld seine Sitzungen bei einer Psychiaterin akzeptiert. Da will man die Jungs nicht mehr mit konfrontieren müssen - aber auch nicht sich selbst. Die Trennung von Dr. Melfi scheint Befreiungsschlag und Belastung zugleich zu sein, kann Tony damit doch demonstrieren, dass er alles unter Kontrolle hat, auch wenn dies in Wirklichkeit weder die äußeren noch die inneren beeinflussbaren Sektoren betrifft. Sein Sohn ist ihm auch keine Hilfe, der Bub hat anscheinend bisschen Nietzsche gelesen und fühlt sich dazu befähigt, viele in der Welt als selbstverständlich hingenommenen Werte und Vorstellungen zu hinterfragen und den Sinn oder Unsinn des Lebens aus der Höhe großer Philosophen zu betrachten. Auch der Haussegen hängt schief, weil es immer öfters Streit zwischen Tony und seiner Frau Carmela gibt, die sich in einer der späteren Folgen gar in einen Handwerker verguckt. Wird sie ihm fremdgehen, so wie er ihr seit geraumer Zeit mit einer jungen russischstämmigen Frau fremdgeht?

Wie schon in der ersten Staffel deutlich wurde, setzt die Serie massiv auf Entwicklungsverlangsamungen und zeigt sich nicht bereit, Handlungsstränge schnell abschließen zu müssen. Dadurch gewinnt sie an struktureller Komplexität, jede Folge weist somit einen auffällig bruchstückhaften Charakter auf, der die auf Ergebnisse lauernden Zuschauer verärgern dürfte. Mit dem Hang zur Ergebnislosigkeit bewiesen die Autoren der ersten Staffeln sehr viel Mut, da eine solche Herangehensweise an TV-Serien damals nicht üblich gewesen ist (außer bei Seifenopern), weil sie durch die Verknüpfung mit einer Vielzahl von ambivalenten Charakteren eher an einen vielschichtigen Roman denken ließ, als an eine den breiten Geschmack treffende Unterhaltungsvariante. Zu den Markenzeichen heutiger sogenannter Qualitätsserien, also denjenigen Formaten, die die Feuilletonschreiber und - schreiberinnen regelmäßig in Ekstase versetzen, zählt schon lange die Haltung, dass Erzähltes gedehnt gehört und es nicht schadet, sich an einzelnen Elementen über mehrere Episoden oder sogar Staffeln abzuarbeiten. Die Literarisierung der TV-Serie wurde sicherlich nicht von DIE SOPRANOS auf den Weg gebracht, doch ohne Zweifel kann man dem Format in diesem Fall einen großen Einfluss attestieren.

Was mir in der zweiten Staffel besonders gefallen hat, ist die Lockerung des Blicks auf die Männer, der in den ersten 13 Folgen noch relativ fest war. Zwar setzt sich Tony nicht mehr groß mit seiner Mutter auseinander und seine Schwester, eine der zwei neuen relevanten Nebenfiguren, die für eine kurze Zeit im Haus seiner Familie im Gästezimmer schläft, macht ihm auch nur anfänglich Probleme. Doch dann gibt es noch seine Psychiaterin Dr. Melfi und seine Frau Carmela, deren Privatleben und Gedanken relativ ausführlich beleuchtet werden. Lustigerweise besucht Dr. Melfi selbst einen Therapeuten, weil sie Schuldgefühle bekommt und meint, dass sie Tony nicht alleine lassen dürfe. Als sie dann allerdings mit ihrem im kriminellen Sumpf steckenden Patienten wieder zusammenkommt, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass sie enttäuscht ist und die stattfindenden Treffen sie nicht glücklicher machen. Während man Dr. Melfi eine gewisse Abhängigkeit unterstellen kann, sieht man, wie Carmela über ihr Leben nachzudenken beginnt und es ständig Streit zwischen ihr und ihrem Mann gibt. Für sie hätte Tonys Schwester Janice vielleicht eine Inspiration sein können, da sie sich verächtlich über das Machotum der Mafiamänner äußert, doch dann geht genau diese Janice eine Liebesbeziehung mit Richie ein, dem frisch aus dem Knast entlassenen Haudrauf-Proleten, der ständig ein saures Gesicht macht, so als ob er Angst hätte, nicht mehr ernst genommen zu werden.

Was die inhaltliche oder narrativ-strukturelle Qualität betrifft, mach DIE SOPRANOS einen weiteren Schritt nach vorne. Die Hauptfigur Tony Soprano scheint mir in vielen Dingen souveräner geworden zu sein, was sie  aber nicht unsympathischer oder langweiliger macht. Auf die weitere Entwicklung der Beziehung zwischen ihm und seiner Psychiaterin Dr. Melfi bin ich schon besonders gespannt, da auch in der zweiten Staffel, trotz eindeutiger Widersprüche in dem Verhältnis der beiden, Anspielungen auf eine sexuelle Anziehung gemacht werden.

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